merken
PLUS Niesky

Pfiffige Ideen gegen das Bienensterben

Die Völker überwintern schadlos, aber zum Teil fehlt ihnen jetzt der Nektar. Bienenzüchter Steffen Braun setzt auf widerstandsfähige Bienen.

Steffen Braun ist Imker in Nieder Seifersdorf. Seit fünf Jahren betreibt der IT-Techniker das Hobby und besitzt 14 Bienenvölker.
Steffen Braun ist Imker in Nieder Seifersdorf. Seit fünf Jahren betreibt der IT-Techniker das Hobby und besitzt 14 Bienenvölker. © SZ/Steffen Gerhardt

Reger Flugbetrieb herrscht an den Bienenstöcken von Steffen Braun. Das freut den Hobby-Imker, wenn seine Bienen emsig aus- und einfliegen. 14 Bienenvölker sind bei ihm zu Hause in Nieder Seifersdorf. Alle haben schadlos überwintert, auch wenn man von einem Winter vom Wetter her nicht sprechen kann. Steffen Baum rechnet mit guten Erträgen. Die Rapsblüte ist durch, jetzt locken Linde und Robinie.    

Seine Bienen sind dieses Jahr ganz versessen auf den Raps gewesen, erzählt der Imker. Zumal ein Rapsfeld in Grundstücksnähe liegt. Da haben sie die Obstbäume links und rechts davor unbeachtet gelassen. Somit wird die Frühtracht für Rapshonig in den Gläsern sorgen.   

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Zuwachs im Nieskyer Imkerverein

Steffen Braun ist ein junger Imker. Nicht nur was sein Alter von 36 Jahren betrifft. Seit fünf Jahren ist er den Bienen verfallen, dafür gesorgt hat sein Schwager, der selbst Imker ist, erzählt der IT-Betreuer, der in einem Görlitzer Ingenieurbüro beschäftigt ist. "Probiert habe ich anfangs mit zwei Völkern. Da alles gut ging, habe ich den Bestand Jahr für Jahr erweitert und bin jetzt bei 14 Bienenvölkern. Das soll auch so bleiben", sagt Braun.   

Hilfe und Unterstützung bekommt Braun im Imkerverein Niesky, dessen Mitglied er ist. Auch wenn das Miteinander wegen Corona seit drei Monaten auf Telefonkontakte beschränkt ist. Dennoch freut sich Vorsitzender Bernd Barthel: "Wir haben Zuwachs an jungen Männern, aber auch Frauen interessieren sich zunehmend für die Imkerei." 40 Mitglieder zählt inzwischen der Verein, und darauf ist der Vorsitzende stolz. Die Imkerei weckt wieder Interesse, auch aus der Erkenntnis heraus, dass in der Landwirtschaft die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier hinter Rind und Schwein ist. Ökonomen haben errechnet, dass der Wert der Bestäubung durch die Bienen in Deutschland bei zwei Milliarden Euro liegt.   

Geburtshelfer bei Bienenköniginnen

Das inspiriert Steffen Braun, seine Bienen nicht nur als Honiglieferanten zu sehen. Er will sie auch widerstandsfähiger machen. Deshalb beteiligt er sich seit diesem Jahr am Projekt „Varroaresistente Biene Sachsen“.  Das Ziel des vom Landesverband Sächsischer Buckfastimker vor drei Jahren ins Leben gerufene Vorhaben ist es, die Gesundheit der Bienenpopulation zu verbessern und die jährlichen Bienenverluste von 20 bis 40 Prozent in Sachsen bis 2030 stark zu verringern. Das  soll mit Zuchtlinien der Bienenarten Buckfast, Carnica und Mellifera erreicht werden. Weitere Imker sind aufgefordert mitzuarbeiten, empfiehlt der Verein. 

Steffen Braun hat solche Milben resistenten Bienen bereits in seinem Bestand. "Das macht sich in jedem Volk positiv bemerkbar und hilft, die Bienen gut über den Winter zu bekommen", ist des Imkers Erfahrung. Und auf noch etwas hat sich der junge Mann spezialisiert : dem Züchten von Königinnen. "Ich habe mitbekommen, dass unter den Imkern ein großer Bedarf an Bienenköniginnen besteht. Vor allem, wenn sich Völker teilen und ihnen dann die Königin fehlt", erzählt der begeisterte Züchter. 40 Königinnen hat er dieses Jahr bereits zur Bienenwelt gebracht. Ein nicht einfaches Prozedere, das nur Leute vom Fach verstehen dürften.  

Von Blüte zu Blüte sind die Bienen unterwegs. Aber nicht überall finden sie ausreichend Nektar in den Pflanzen.
Von Blüte zu Blüte sind die Bienen unterwegs. Aber nicht überall finden sie ausreichend Nektar in den Pflanzen. © dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Tresorbauer hat zwölf Bienenvölker

Dass die Bienen den heutigen Umwelteinflüssen zum Trotz widerstandsfähiger sein müssen, davon ist auch Jürgen Starovsky überzeugt. Der Jänkendorfer baut nicht nur Tresore, er züchtet zudem seit 18 Jahren Bienen. Zwölf Völker sind in seinem Garten beheimatet. Und das mit der Widerstandsfähigkeit, sagt er nicht ohne Grund. "Im Herbst hatte ich große Verluste unter meinen Bienen. Aber was mir geblieben ist, habe ich gut über den Winter bekommen", erzählt der auf die Achtzig zugehende Mann. Nun ist er guter Hoffnung, dass 2020 ein ertragreiches Jahr für die Bienen wird.  

Diese Meinung teilt Konrad Deuse in Königshain nicht. Seine Bienen finden in der Umgebung zu wenig "Futter". "Im Frühjahr fegte ein kalter Ostwind über die Rapsfelder, dazu kommt die Trockenheit, die das Wachstum der Pflanzen ausbremst", sagt der erfahrene Imker. Seit 1975 sind die Bienen sein großes Hobby, erzählt der 79-Jährige. Mit 50 Völkern hat er angefangen, zu einer Zeit, als die Imker zum wichtigen Lieferanten des DDR-Einzelhandels zählten. Heute ist Deuse Herr über 13 Völker, was für ihn völlig ausreichend ist.   

Königshainer geht auf Milbenjagd

Es waren aber auch schon weniger Bienen in seinen Stöcken. "Im vergangenen Jahr habe ich von meinen zehn Völkern die Hälfte eingebüßt - und alle Königinnen waren weg", erzählt er. Das soll nicht wieder passieren. Auch wenn die Ursachen verschieden gewesen sind, einen Feind der Bienen bekämpft Konrad Deuse konsequent: Die Varroamilbe, die als Parasit an Honigbienen lebt. Damit sich die Milbe nicht in der Brut im Bienenstock entwickelt und vermehrt, setzt der Königshainer auf natürlich Ameisen- und Oxansäure. Damit bedampft er das Innenleben seiner Bienenstöcke. "Inzwischen werde ich von anderen Imkern angesprochen, ihnen beim Bekämpfen der Varroose zu helfen", sagt er.     

Sie werden mehr, die Imker. Auch in Königshain. War Konrad Deuse jahrelang der einzige Imker in Königshain, so zählt die Gemeinde am Hochstein inzwischen fünf Bienenzüchter. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier:

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier:

Mehr zum Thema Niesky