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Junge Kamenzerin liebt architektonische Herausforderungen – und Dresden

Denise Altenkirch plant Biogasanlagen und Hallen. Die Kleinstädterin mag die bodenständige Art der Menschen in der Großstadt.

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Von Juliane Richter

Dresdens barocke Bauten lassen Denise Altenkirchs Herz täglich ein Stückchen höher schlagen. Seit sie 2003 zum Studium nach Dresden gekommen ist, hat sie sich in die historische Stadtsilhouette verliebt. In ihrem Berufsalltag widmet sich die 25-jährige Architektin jedoch nicht ausladenden Häuserfronten, sondern plant Lagerhallen und Biogasanlagen. Für sie ist das kein Widerspruch. Dennoch zeigen sich Falten auf ihrer Stirn. Für den neutralen Betrachter sei eine Lagerhalle einfach und schnöde. „Als Architekt muss man aber praktisch sein und an den Nutzer denken.“

Pragmatisch war sie auch, als die Wahl nach dem Abitur auf Dresden fiel. Eine schöne Stadt nur eine Zugstunde von den Eltern in Kamenz entfernt, mit einem angesehenen Architektur-Studiengang und der Gewissheit, dass viel mehr los sein würde als in der Heimat. Sieben Jahre ist die Entscheidung her. Wenn sie heute von Dresden spricht, leuchten ihre blaugrauen Augen. „Dresden ist für mich Heimat. Ich fühle mich hier wohl, denn die Menschen sind nicht schickimicki“, sagt die bodenständige Kamenzerin.

Für die junge Architektin passt hier alles zusammen: Die historischen Bauten der Altstadt, das bunte Partyleben der Neustadt, der Große Garten zum Joggen und die Elbe zur Erholung. Diese Kombination fasziniert sie immer wieder aufs Neue. „Ich finde es herrlich, wenn ich im Sommer morgens mit dem Rad an der Elbe entlang zur Arbeit fahre, sich die aufgehende Sonne im Fluss spiegelt und es vom Rosengarten her wunderbar duftet. Dresden strahlt Romantik aus.“

Gleichzeitig ist die Stadt aus beruflicher Sicht für sie überaus spannend. Interessiert verfolgt sie die Diskussionen um den Erhalt alter Bausubstanz und die Durchsetzung neuer Ideen. „Für mich ist das Zusammenspiel aus beidem besonders reizvoll. Wie bei der Unimensa, die durch ihre fortschrittliche Glaskonstruktion an Attraktivität gewonnen hat.“

Kreativ mit Buntstiften

Beim Streitthema Waldschlößchenbrücke ist sie jedoch skeptisch. Praktisch gesehen, bedeutet die Brücke für sie eine enorme Verkürzung des Arbeitsweges von der Wohnung in Striesen zum Büro am Waldschlößchen. „Aber die Brücke wirkt halt trotzdem einfach zu massiv“, sagt sie achselzuckend. Sie selbst möchte im Berufsleben nicht immer bei Biogasanlagen und Hallen bleiben. Vielmehr will sie Bauwerke entwerfen, von denen mehr Menschen profitieren können. Mit Stiften konnte sie schon immer gut umgehen. Weil zum gekonnten Zeichnen ein Verständnis für Mathematik und die Begeisterung für Gebäude stießen, lag für sie der Weg zur Architektur auf der Hand. Obwohl ihre Mutter ein wenig gehofft hatte, dass sie in dritter Generation das Kamenzer Familienunternehmen weiterführen würde – als Raumausstatterin.

Ein Händchen dafür hat sie durchaus. In ihrer Wohnung in Dresden bilden Möbel und Dekoration eine perfekte Einheit in warmen, aber dezenten Farben. „Mir macht das Einrichten auch Spaß, aber ich bin doch eher die Frau fürs Grobe in der Familie.“ Sie kennt keine Scheu davor, mit dem Helm auf dem Kopf dreckige Baustellen zu besichtigen. Ein gelungenes Gebäude sei das einzig Wichtige.