merken
PLUS

Junge Lehrer sollen bleiben

Dass der Freistaat gut ausgebildete Pädagogen ziehen lässt, kann Joachim Dohndorf nicht verstehen.

Von Elke Görlitz

Tommy Greim und Felicitas Hampel absolvierten am Döbelner Gymnasium ihr Referendariat. Mit guten Abschlüssen in der Tasche sind beide nun auf Jobsuche. Dass sie in Döbeln und der näheren Umgebung in absehbarer Zukunft keinen Job finden, berichteten wir gestern.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Joachim Dohndorf ärgert es, dass die beiden jungen Lehrer womöglich ihr Glück in einem anderen Bundesland suchen. „In Anbetracht der Tatsache, dass aufgrund der Altersstruktur der Lehrerschaft in naher Zukunft viele Lehrer in Sachsen fehlen werden, ist das nicht nachvollziehbar“, sagt er. „Wenn es schon junge Menschen gibt, die hierbleiben wollen und anderswo dafür sogar eine Verbeamtung ausschlagen, sie aber in Sachsen nicht genommen werden, dann läuft etwas schief“, sagt er. Denn seien sie einmal weg und hätten woanders Fuß gefasst, kämen sie nicht wieder. Dabei sei schon jetzt absehbar, dass über kurz oder lang die Zahl der Ausfallstunden wieder in die Höhe schnelle, weil dann, wenn die älteren Lehrer in Rente gehen, keine Nachfolger zur Verfügung stehen. „Eigentlich müssten jetzt Referendare zuhauf über die Flure huschen.“

Wie es ist, wenn Stundenausfall überhand nimmt, habe Joachim Dohndorf als Vater aber auch als Stadtrat erfahren. „Ich habe den Eindruck, man spart sich zu Lasten der Bildung kaputt“, meint er. „Dabei ist Bildung das einzige Pfund, mit dem wir wuchern können – noch.“

Auch Susanne Pfeiffer-Sachse meldete sich zu dem Thema. Sie hat Verständnis dafür, dass Tommy Greim nicht an einer Förderschule unterrichten will. „Was soll ein Gymnasiallehrer an einer Schule für Verhaltensauffällige oder geistig Behinderte? Daran geht doch seine Ausbildung völlig vorbei.“ Es mag sein, dass es Lehrer gibt, die sich damit arrangieren können und die vielleicht sogar auch einen guten Job machen, so die Geringswalderin, die selbst Lehramt studiert hat. „Aber das geht nur, wenn man das wirklich möchte und auch bereit ist, auf Dauer ein paar Fortbildungen zu machen, damit man den speziellen Schülern dort gerecht wird.“ Genauso idiotisch sei es, einem Menschen, der sprachliche und sozialwissenschaftliche Fächer mag und gut kann, zu naturwissenschaftlichen Fächern zu bringen. „Ich kann doch als Lehrer nur Begeisterung für meine Fächer vermitteln, wenn ich dahinter stehe und sie gerne unterrichte.“ (mit pz)