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Junge Leute ausgegrenzt

Pirna. Der Landtag will im Dezember die Zuschüsse für die private Ausbildungkürzen.Die Hotelfachschule hätte dann schlechte Chancen.

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Von Anja Weber

Meine Ausbildung an der Hotelfachschule vor einigen Jahren ist das Beste, was mir bislang passiert ist“, sagt Marlene Werner. Die junge Frau ist Köchin in einem Hotel in Dresden. Gelernt hat sie ihr Handwerk auf dem Sonnenstein, wie viele andere auch. „Meine Schulnoten waren nicht die besten. Aber dort hatte ich eine Chance“, sagt sie. Möglicherweise sind diese Ausbildungsmöglichkeiten aber bald vorbei – wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Daran glauben die Chefin Karin Zimmermann und ihre Team fast nicht mehr. Noch im Dezember will der Landtag im Rahmen der Haushaltsdebatte endgültig über die künftige Finanzierung von Privatschulen abstimmen. Über das sogenannte Haushaltbegleitgesetz soll die finanzielle Förderung der derzeit 317 Privatschulen in Sachen neu geregelt werden.

Demnach sollen die Zuschüsse für die vollzeitschulischen Ausbildungsgänge an berufsbildenden Privatschulen teilweise um 50 Prozent gesenkt werden. Wenn der Entwurf so durchkommt, ist 2009 für einen Teil der Absolventen Schluss. Nur diejenigen, die ihre Ausbildung begonnen haben, können sie beenden. Neue Azubis in bestimmten Ausbildungsbereichen nimmt die Schule dann nicht mehr auf. „Wir ziehen den Kürzeren. Denn für uns wird es, so wie es derzeit aussieht, nur noch die Hälfte der Fördermittel geben“, sagt Karin Zimmermann. Während der Freistaat die Schule bislang mit 80 Prozent bezuschusste, sollen es künftig nur noch 41 Prozent sein. Für die Hotelfachschule bedeutet das im Klartext das teilweise Aus.

Schulgeld müsste steigen

Von den derzeit 650 Lehrlingen stehen zwei Drittel in der Erstausbildung. Davon wiederum sind etwa die Hälfte Hauptschüler. Und diese hätten dann kaum noch eine Chance, sich an dieser Schule ausbilden zu lassen. „Wir müssten das Schulgeld erhöhen, doch das können die Betreffenden nicht bezahlen, da sie zum Teil auch aus sozial schwachen Verhältnissen stammen“, sagt die Schulleiterin. Aber eben gerade die Hauptschüler benötigen diese Möglichkeit, weil sie auf dem normalen Ausbildungsmarkt nur schwer einen Platz finden.

Lediglich die höherwertige Ausbildung zum Assistenten für Hotelmanagement könne man dann in Pirna fortführen, aber auch nur, wenn das Schulgeld erhöht wird. Karin Zimmermann ärgert sich vor allem auch über die Argumente, die die Staatsregierung ins Feld führt, um die Zuschusskürzung zu rechtfertigen. Es sei nicht Aufgabe des sächsischen Schulwesens, in bestimmten Berufen weit über den eigenen Bedarf hinaus auszubilden, damit die jungen Leute gleich nach dem Abschluss der Lehre in andere Länder abwandern, sagt Kultusminister Steffen Flath.

Dabei sei es doch ganz normal, dass sich junge Leute auch die Welt anschauen und dazulernen wollen, sagt die Schulleiterin. Aber die meisten der Absolventen, da sei sie sich sicher, kommen nach dieser Zeit auch wieder in den Freistaat zurück. Denn hier werden sie auch gebraucht, um die freien Stellen in der Gastronomie zu besetzen. Die Nachfrage ist groß. Die Hotelfachschule hat eine Vermittlungsquote von 96 Prozent. Aber weder der Bedarf noch die Jobs zählen.

Auch die Demonstration der Schule gegen die Kürzung der Zuschüsse vor dem Landtag hat nichts genutzt. „Das ist bitter für uns“, sagt Karin Zimmermann. Und sicherlich werde sie dann auch Personal entlassen müssen. Marlene Werner hat die Diskussionen verfolgt. „Ich finde es schade, dass junge Leute, die ohnehin schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, ausgegrenzt werden.“