SZ +
Merken

Junge Leute diskutieren über das Einfühlen in andere Menschen

Dominik spielt sich auf der E-Gitarre warm, Lydia trommelt auf den Bongos den Rhythmus dazu. Mit Hallo werden die Jugendlichen empfangen, die nach und nach das Gemeindezentrum in der Gröbaer Kirchstraße mit Leben füllen.

Teilen
Folgen

Von Christoph Steinert

Dominik spielt sich auf der E-Gitarre warm, Lydia trommelt auf den Bongos den Rhythmus dazu. Mit Hallo werden die Jugendlichen empfangen, die nach und nach das Gemeindezentrum in der Gröbaer Kirchstraße mit Leben füllen. Jeden Freitagabend treffen sich hier junge Leute der evangelischen Kirchgemeinde Riesa. Heute ist es voller als sonst, denn einmal im Monat kommen auch Gleichaltrige aus der Umgebung, aus Hirschstein, Weißig oder Gohlis, dazu. Einige sind sogar aus Dobra und Linz hergefahren.

Konzept geht auf

„Ich freue mich immer auf die Treffen, besonders auf die große Gemeinschaft“, sagt Andreas. Etwa 30 Jugendliche sind inzwischen da, 14 Jahre die Jüngsten, Anfang Zwanzig die Älteren. Das Ehepaar Birgitt und Martin Schneider, beide Gemeindepädagogen der Kirchgemeinde Riesa, hält die organisatorischen Fäden in der Hand und bereitet die Themen vor. Ihnen ist wichtig, dass die Jugendlichen selbst aktiv werden und mit ihrer Sicht zu Wort kommen. „Sie sollen mit vorbereiten und für einzelne Teile des Abends auch die Verantwortung übernehmen“, so Birgitt Schneider.

Dieses Konzept geht auf. Lydia und Dominik legen mit ihren Instrumenten los und in der Runde wird mitgesungen. Auf perfekten Gesang kommt es dabei nicht an. Das Begrüßungsspiel schließt sich an: Ein langer Holzstab soll von vielen zugleich auf den Fingern balanciert werden. Gar nicht so einfach, sich da in der großen Gruppe abzustimmen und einig zu werden.

Szene im Krankenhaus

Um das Einfühlen in andere Menschen geht es auch beim folgenden Thema. Birgitt Schneider hat mit der 17-jährigen Edda eine Szene im Krankenhaus vorbereitet. Ein Besucher trifft auf eine mürrische Patientin, der man es nur schwer recht machen kann. Die Jugendlichen sollen überlegen, wie das Gespräch im Krankenzimmer weitergehen könnte und was möglicherweise hinter den abweisenden Worten steckt. In kleinen Gruppen wird diskutiert, überlegt und erstaunlich offen untereinander geredet. Bezüge zu Bibel und Glauben kommen hinzu. Die Gemeindepädagogin gibt den jungen Leuten als Gedankenanstoß mit, dass Gott auch hinter die Fassade schaut, hinein ins menschliche Herz.

Nachdenken macht hungrig. Eine Schüssel Nudelsalat kommt auf dem Tisch, die schnell leer wird. Auch die Wiener Würstchen sind begehrt. „Wir haben meist einen ähnlichen Ablauf“, erzählt Martin Schneider. „Nach einem lockeren Beginn setzen wir uns kreativ mit einem Thema auseinander. Dann ist noch genügend Zeit fürs Zusammensitzen und Spielen. Im Sommer sind wir draußen zum Volleyball oder am Lagerfeuer. Auch getöpfert haben wir schon.“ Pauline: „Für mich ist es hier ein schöner Wochenausklang und ich bekomme etwas mit auf den Weg, über das ich nachdenken kann.“

Lachen über Anekdoten

„Hier kann man über alles quatschen“, erzählt Johannes und ergänzt: „Meist gibt es auch etwas Kleines zu essen und wir spielen Tischtennis, Billard oder Kicker.“

Die Spiele sind zuletzt dicht umlagert. Manche hören auch Musik oder lachen über die neuesten Anekdoten, bevor sie sich auf den Heimweg machen.

Christoph Steinert ist Pfarrer in Riesa.