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Junge Leute richten alten Kutter her

Mit der Drahtbürste schleifen Sven Matton, Marcel Altmann, Pawel Mrozinski und ihre Mitstreiter die Teerschicht vom Holz des alten Kutters. Zentimeter für Zentimeter arbeiten sie sich voran, denn das Boot soll komplett restauriert werden.

Von Ingo Kramer

Mit der Drahtbürste schleifen Sven Matton, Marcel Altmann, Pawel Mrozinski und ihre Mitstreiter die Teerschicht vom Holz des alten Kutters. Zentimeter für Zentimeter arbeiten sie sich voran, denn das Boot soll komplett restauriert werden. „Allzu viel Spaß macht das Schleifen nicht, aber es ist ja nötig“, sagt Sven Matton.

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Der gelernte Zimmerer gehört zu den 20 jungen Leuten zwischen 20 und 26 Jahren, die das 1970 gebaute Segelschiff wieder herrichten wollen – oder sollen, je nachdem. „Eigentlich würde ich mich lieber zum Administrator umschulen lassen“, sagt Sven Matton. Weil er aber in seinem gelernten Beruf vermittelbar und noch nicht lange arbeitslos ist, bezahlt ihm das Amt keine Umschulung. So ist das Bootsprojekt für ihn nur eine Notlösung.

Petra Treuter bedauert das. Sie ist die Leiterin des Schulungszentrums der bao GmbH, eines seit 20 Jahren in Görlitz ansässigen Bildungsträgers. Das Bootsprojekt, das unter dem Namen „Jaguar“läuft, ist ein Schwerpunkt der bao. Und es soll für die jungen Leute mehr sein als eine Notlösung. Das Geld für „Jaguar“ kommt vom Jobcenter, der früheren Arge: Etwa 250000 bis 270000 Euro. „Da sind die Aufwandsentschädigungen, die die Jugendlichen erhalten, schon eingerechnet“, sagt Petra Treuter.

In dem Projekt sollen die Teilnehmer neue Fertigkeiten erwerben – handwerkliches Können, aber auch die Integration in einen Arbeitsalltag, in dem jeder pünktlich sein und etwas für sein Geld leisten muss. Bei Sven und einigen anderen klappt das ganz gut. „Sie ziehen voll mit“, sagt Lehrausbilder Armin Krenzak. Von drei Teilnehmern musste sich die bao allerdings schon in den ersten sechs Monaten des auf zwei Jahre angelegten Projektes trennen. Andererseits gibt es auch ein Erfolgserlebnis: „Ein vierter ist nicht mehr dabei, weil er eine richtige Arbeitsstelle gefunden hat“, freut sich Petra Treuter. Bei einer weiteren Teilnehmerin könnte das demnächst auch klappen.

„Jaguar“ läuft bis Herbst nächsten Jahres. Die eigentliche praktische Arbeit am Kutter hat aber erst vor zwei Wochen begonnen. Vorher teilten sich die jungen Leute in zwei Gruppen auf. Fünf von ihnen kommen aus dem kaufmännischen Bereich und haben deshalb mit Fotografien und Recherchen für die Dokumentation begonnen. Die anderen 15 haben eher handwerkliche Berufe erlernt und die Ausbildung zumeist auch abgeschlossen, bevor sie in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind. Sie haben zum Start von „Jaguar“ mobile Werkzeugkisten aus Holz gebaut, um ein Gespür für den Umgang mit diesem Werkstoff zu bekommen.

Mit Jahresbeginn folgten drei Monate Qualifizierung, beispielsweise im Holzbereich. Sven Matton und einige andere haben in dieser Zeit ihren Maschinenschein erworben. Jetzt geht es für die größere Gruppe an die praktische Umsetzung, die kleinere bleibt im Büro und bastelt weiter an der Chronik. Sie hat sich auch mit der Geschichte des in Berlin gebauten Kutters befasst. Dass dieser überhaupt in den Mittelpunkt der Arbeit rücken konnte, ist mehreren engagierten Menschen zu verdanken: Stephan Schmidt vom Jobcenter hatte die Idee, Petra Treuter war auf Anhieb begeistert und hat unermüdlich dazu recherchiert, Manfred Dahms von den Lausitzer Wassersportfreunden stellte den Kontakt zum Bootsbesitzer her: Zum ehemaligen Generalsuperintendenten Jan von Campenhausen. Der verkaufte der bao das Boot. Und Hafenmeister Michael Huss unterstützt die Restaurierung und plant die nächsten Schritte.

Wenn der Kutter saniert ist, soll er einem gemeinnützigen Verein übergeben werden – wahrscheinlich sogar der Einrichtung, für die von Campenhausen ihn einst gekauft hatte. „Der Verein könnte damit Bootsfahrten für bedürftige Familien auf dem Berzdorfer See anbieten“, sagt Petra Treuter. Sven Matton hingegen blickt nicht so weit voraus: „Ich weiß noch nicht, was in den nächsten anderthalb Jahren noch kommt.“ Bisher habe er noch nicht viel Neues gelernt – aber das kann ja noch werden.