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Junge Tierärzte zieht es in die Stadt

Auf dem Lande wird es immer schwieriger, Nachfolger für Tierarztpraxen zu finden.

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Von Christiane Raatz

Junge Tiermediziner zieht es nach ihrem Universitätsabschluss vor allem in die Stadt. So arbeitet ein Großteil der Absolventen in städtischen Kliniken oder Kleintierpraxen. Immer weniger junge Veterinäre entscheiden sich für eine Großtierpraxis in ländlichen Regionen. „Für viele Ärzte auf dem Land wird es immer schwieriger, einen Nachfolger zu finden“, sagt die Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes der praktizierenden Tierärzte, Barbara Strohbach.

Mit etwa 1200 Tiermedizinern ist deren Zahl in den vergangenen Jahren in Sachsen insgesamt aber stabil geblieben.

Laut Bundestierärztekammer haben sich 2006 sachsenweit 53 Mediziner auf die Behandlung von Schafen, Schweinen und Rindern spezialisiert, 2002 waren es noch 67. Rund 190 Tierärzte arbeiten in einer Praxis für Kleintiere, rund 330 Ärzte behandeln sowohl Nutz- als auch Kleintiere. „Die Arbeit als Landarzt ist körperlich enorm anstrengend“, so Strohbach, die in Torgau eine eigene Praxis betreibt. Der Arbeitsalltag sei kaum planbar. 24-Stunden-Dienste seien keine Seltenheit, oft würden die Tierärzte mitten in der Nacht zu einer kalbenden Kuh oder einem Notfall gerufen. Zu der täglichen Arbeit gehörten zudem das Notschlachten, das Behandeln entzündeter Euter oder Klauen. „Eine Portion Idealismus und viel Liebe zum Beruf gehören dazu“, sagt Strohbach.

Tiermediziner Claus Milling aus Oelsnitz (Landkreis Stollberg) kennt die Probleme. Etwa 17 Ärzte gibt es in der Region, junge Absolventen sind aber nicht darunter. „Die harte Arbeit möchte kaum noch ein Berufseinsteiger machen“, sagt Milling.

In der Stadt locken dagegen geregelte Arbeitszeiten, mehr Freizeit und oft eine bessere Bezahlung. „Der Ansturm auf die Stellen ist groß“, so Barbara Strohbach. So verzeichnet beispielsweise Leipzig mit 337 Ärzten die meisten Tiermediziner im Freistaat und damit rund 20 mehr als noch 2004. 123 Tierärzte arbeiten derzeit in Dresden.

Immer mehr Ärzte würden sich auch für eine Karriere in der Forschung oder in der Pharmaindustrie entscheiden, so die Expertin. Da zunehmend Frauen in den Beruf strebten, spiele zunehmend die familienfreundliche Gestaltung eine große Rolle. Gab es 1997 deutschlandweit noch 10500 Tierärztinnen und knapp 18000 Tierärzte, waren es 2006 bereits 16500 Medizinerinnen und 17700 Mediziner. (dpa)