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Junge Ukrainer zu Gast

Radebeul. 2007 ist eine neue Schulpartnerschaft mit dem Land Sachsen vorgesehen.

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Von Sandro Rahrisch

Dicke Tränen standen Bogdan Okontschuk am Sonnabend in den Augen, als er den Bus betrat, der ihn zurück in seine Heimat brachte. Der 15-jährige Ukrainer hatte vier Monate bei einer Gastfamilie in Radebeul gelebt, ging hier zur Schule und lernte fast fließend Deutsch. Die Rückkehr in das kleine Dorf Golowtschinzi bedeutet für den Jugendlichen eine ungewisse und zugleich düstere Zukunft. „In drei Jahren wird der Junge ganz auf sich gestellt sein“, sagte Henry Weyhmann von der Kinderarche Sachsen. „Perspektiven haben Heimkinder in der Ukraine kaum.“

Seit sechs Jahren bemüht sich der Verein gemeinsam mit dem Radebeuler Rotary Club um intensive Austauschprogramme und materielle Unterstützung des Kinderheims. Das Projekt steht unter dem Motto „Jugendhilfebrücke Ukraine“. „Wenn die Schüler nach ihrem Besuch unsere Sprache beherrschen, lässt sie das hoffen – auf ein Studium und ein Leben im Freistaat.“ Deshalb strebt die Kinderarche spätestens für kommendes Jahr einen regelmäßigen Schüleraustausch mit dem Kinderheim an, in dem derzeit 180 Knirpse untergebracht sind. Der Wunsch komme aus dem ukrainischen Staatsministerium, sagte Weyhmann begeistert. „Jetzt suchen wir händeringend nach einer geeigneten Schule hier in der Umgebung.“ Das Gymnasium Luisenstift, das erst im Fokus stand, scheide jedoch aus. Die Bildungseinrichtung habe bereits jede Menge Partnerschaften.

„Die Kinder leben sich schnell in ihrer neuen Heimat ein“, sagte Henry Weyhmann. Bis die Sprachbarriere überwunden sei, dauere es zwar ein paar Wochen. Doch dann gebe es einen Ruck.

So schnell, wie sich die Jugendlichen an Sachsen gewöhnt haben, fielen sie daheim in ihren alten Trott zurück. „Das Leben in dem ukrainischen Dorf ist völlig stehengeblieben. Als wir das Kinderheim im Jahr 2000 besuchten, stand humanitäre Hilfe an erster Stelle.“ Damals sei es in allererster Linie um saubere Toiletten und warme Kleidung gegangen.