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Junges Leben zieht in altes Gemäuer

Ebersbach. Familie Jordan ersteigerte ein altesUmgebindehaus und hat es liebevoll saniert.

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Von Romy Kühr

Für die meisten älteren Ebersbacher ist es wohl noch immer „der Rösler Elsa ihr Haus“. Für Mandy und Andreas Jordan ist es ein Lebenstraum. „Wir wollten immer schon ein Umgebindehaus“, sagt Andreas Jordan. „Schließlich ist es ja typisch für unsere Gegend hier.“ Vor allem die gemütliche Blockstube als Zentrum des Hauses, wo sich die Familie trifft, hatte es ihnen angetan. Außerdem wollte das junge Paar nicht neu bauen, sondern ein altes Haus kaufen. „Da hat man erst mal ein Dach über dem Kopf und kann nach und nach alles ausbauen, so wie das Geld da ist“, sagt Mandy Jordan und bekräftigt: „Dazu kann ich jungen Leuten nur raten.“

Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus – die „Rösler Elsa“ betrieb hier bis in die 80er Jahre eine Mangel und einen Lebensmittelladen – fanden die Jordans im Jahr 2000 in einem Versteigerungskatalog. Das Haus, schätzungsweise Baujahr 1850, wurde zwangsversteigert. Es war in einem maroden Zustand. „Alle Medien waren bereits abgeklemmt, das Dach hatte große Löcher, so dass es reinregnete“, erinnern sich die beiden. Trotzdem steigerten sie mit und erhielten den Zuschlag.

In zweieinhalb Jahren machten sie dann ihr Häuschen bewohnbar. Den Sommer 2000 verbrachten die frisch gebackenen Hausbesitzer erst einmal damit, das Gebäude zu sichern und abzudichten. Und sie warteten auf die Fördermittel. „Die gibt es allerdings nur für die Erneuerung der Außenhülle“, erklärt Andreas Jordan. Die Außenfassade muss im ursprünglichen Zustand bleiben, so schreibt es der Denkmalschutz vor. Das empfanden die Jordans aber nicht als Einschränkung. „Im Gegenteil, wir wolltenso viel wie möglich von der originalen Bausubstanz erhalten.“ Dazu gehören auch die roten Handstrichziegeln am Giebel. Sie sind eine Besonderheit an dem Haus. „Es gibt wohl nur vereinzelte Umgebindehäuser mit solchen roten Ziegeln“, so Mandy Jordan.

Die meisten Restaurierungsarbeiten verrichteten die Hauseigentümer in Eigenleistung. So errichteten sie zum Beispiel eine spezielle Dämmung im Obergeschoss. Ein Gemisch aus Kork, Holzhackschnitzeln und Lehm verhindert, dass die vorhandene Bausubstanz durch Tauwasser Schaden nimmt. „Dafür hab’ ich bestimmt acht Tonnen Material hoch geschleppt“, schätzt der Hausherr. Für einige Arbeiten war jedoch die Hand von Spezialisten gefragt. „Es gibt schon Filous hier in unserer Gegend, die noch mit traditionellen Techniken arbeiten“, meint Andreas Jordan. So verlegte der Seifhennersdorfer Dachdeckermeister Frank Sonnenberg ein dem Original getreues Schieferdach. Ofenbauer Jürgen Cieslak setzte detailgetreu einen alten Kachelofen aus einem Abrisshaus in Jordans Wohnküche wieder zusammen. Dort sorgt er jetzt für wohlige Wärme. Spezielle Techniken, die so ein altes Haus erfordert, haben sich die jungen Hauseigentümer auch von anderen Umgebindehausbesitzern abgeschaut. „Durch so ein Bauprojekt lernt man unheimlich viele Leute kennen“, lacht Mandy Jordan. „Wir haben oft andere um Rat gefragt und alles Mögliche ausprobiert. Genauso kommen jetzt auch Leute zu uns und fragen, wie wir das gemacht haben.“

Seit September 2003 wohnt die mittlerweile dreiköpfige Familie in ihrem Umgebindehaus. Das Erdgeschoss ist jetzt fertig, das Herzstück bildet die große gemütliche Wohnküche in der Blockstube. Jetzt geht es an den Ausbau des Obergeschosses. Zum diesjährigen „Tag des offenen Umgebindehauses“ wollen sie aber ihre Haustür noch nicht für Besucher öffnen. „Dafür sieht es bei uns noch zu sehr nach Baustelle aus“, meint Mandy Jordan. „Aber zu einer Führung durch das Umgebindeland Ebersbach gehen wir auf jeden Fall mit. Vielleicht können wir uns bei anderen noch was abschauen für den Innenausbau.“

www.umgebindeland.de