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Junges Paar will seine Ernte teilen

Am Rotstein setzen Odilia Jarman und Florian Schneider auf alternative Landwirtschaft. Wer bei ihnen mit zupackt, erhält Ernteanteile.

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Von Constanze Junghanß

Die eigene Ernte soll zum eigenen Leben reichen. Diesen Anspruch haben die Engländerin Odilia Jarman und der deutschstämmige Florian Schneider schon lange. Zwar nicht so lange, wie sie sich kennen, denn das sind sechs Jahre, aber mit der Beziehung wuchs der Wunsch, nicht nur zu heiraten, sondern alternativ zu leben. Was dem englischen Paar dazu fehlte, war ein Hof auf dem Land.

In England wäre das nur schwer möglich gewesen. Dort kostet Land mit Haus und Hof bedeutend mehr als im restlichen Europa. Und so machte sich das Paar 2010 auf die Suche nach einem Bauernhof in anderen Ländern. Es reiste im Wohnwagen mit den Kindern drei Monate durch Europa. Immer auf der Suche nach dem Traumbauernhof, der auch das finanzielle Budget nicht übersteigen sollte. „Galizien wäre eigentlich schön gewesen“, erzählt das Paar. Doch schließlich fiel die Entscheidung auf das Land in dem Florian aufgewachsen ist: Deutschland. Aber es war nicht das heimische Franken, sondern die ferne Oberlausitz, wo die junge Familie schließlich haltmachte. Denn dort entdeckte sie den stark sanierungsbedürftigen Hof zu Füßen des Rotsteins. „Wir kannten die Gegend bereits, da mein Schwager in Görlitz studiert hat und zu dieser Zeit noch in Melaune lebte“, sagt Odilia Jarman. Den Besuchen folgte ein kurzer Wohnungswechsel nach Görlitz, bevor es endgültig aufs Land ging. Doch der Einzug musste noch warten, eine Mietwohnung in Sohland wurde zum Übergangsquartier. Zuviel musste neu vorgerichtet werden, und auch jetzt ist das Paar noch kräftig am werkeln. Schließlich musste auch auf dem erworbenen Land von zweieinhalb Hektar etwas passieren. „Wir haben ja den Anspruch, uns selbst zu ernähren“, sagt die Tochter eines Gärtners. Und das will sie mit ihrem Mann, der bereits auf der britischen Insel als Gärtner arbeitete, auch umsetzen. „Auch unsere Familie und die britische Oma unterstützen uns und kommen gern zu Besuch“, erzählt die 34-Jährige. Inzwischen hat sich die Familie um einige Zwei- und Vierbeiner vergrößert: Schafe „mähen“ die Wiese, Laufenten fangen die Schnecken weg, Katzen erlegen die Mäuse. Sieben Hühner sorgen für Frühstückseier.

Die Neusohländer wollen jetzt ihre Landwirtschaft nicht mehr nur zum Selbstzweck betreiben. Sie suchen Verbündete für ein Experiment der ganz anderen Art. Das heißt „solidarische Landwirtschaft“. Im Vordergrund stehen gemeinsame Arbeitseinsätze, als eine Mitbeteiligung an der Ernte auf freiwilliger Basis. „Wer mitmacht, erwirbt Anteile für Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln, Kraut, Kräuter und so weiter. Je nach Saison, was gerade auf den Feldern unterhalb des Rotsteins ohne Chemie angebaut wird“, erklärt Florian Schneider und nennt es ein Tauschgeschäft: Arbeitsleistung gegen gesunde Nahrung.

Der 34-Jährige ist voll mit der Arbeit auf dem Hof beschäftigt, seine Frau arbeitet als freie Übersetzerin und ist Dozentin an der Volkshochschule. Denn allein vom Hof leben lässt es sich noch nicht. Auch wenn es der Traum beider ist, der nun am Rotstein gelebt und sich erfüllen wird. (mit SZ/sg)

Eine öffentliche Infoveranstaltung zur „solidarischen Landwirtschaft“ findet heute, 18 Uhr, in der Schwaben-Pfeil-Stube in Reichenbach statt. Dazu wird der Dokumentarfilm „Die Strategie der Krummen Gurken“ gezeigt.