SZ +
Merken

Junges Team umsorgt alte Menschen

Das „Roschertal“ in Mittelherwigsdorf ist eine komplexe Pflegestätte. Die SZ schaute sich einmal um.

Teilen
Folgen

Von Angelika Dornich

Hochwasser zieht seine Runden auf dem Gelände der Seniorenwohnanlage „Zum Roschertal“. Nein, gemeint ist nicht schon wieder die Flut, sondern der Hauskater. „Ich habe den damals im August noch kleinen Kerl aus der Mandau gerettet“, erzählt Geschäftsführer Thomas Lange, „und mir deswegen auch vorbehalten, ihm diesen Namen zu geben.“ „Hochwasser“ hat seitdem in der Wohnanlage der Sozialstation Mittelherwigsdorf einen vollen „Pflegeplatz“ und genießt so manche Schmusestunde bei den menschlichen Bewohnern. Zehn sind es in der Seniorenwohngemeinschaft „Sonnenblume“, und die neun Wohnungen vom Betreuten Wohnen sind auch alle belegt.

„Aber das ist nicht alles, wir bieten ein ganzes Programm an“, sagt Lange. Dazu gehören ebenso in Mittelherwigsdorf der ambulante Pflegedienst, Urlaubs- und Verhinderungspflege bei den Betroffenen daheim sowie in Oybin das Senioren- und Pflegeheim „Waldfrieden“, die gefragte Kurzzeitpflege, und Essen auf Rädern aus der eigenen Heimküche. „Unser Unternehmen hat sich in einer ganz schönen Geschwindigkeit entwickelt“, sagt Lange. 2004 mit vier Leuten angefangen, stehen jetzt 46 Leute auf der Lohnliste. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden rund 3,5 Millionen Euro investiert.

Zum 1.Mai 2010 wurden der private Kranken- und Altenpflegeservice und die Gesellschaft, die das Heim in Oybin betreibt, zur LH Betreuungs- und Pflege GmbH vereint. Das „L“ steht für Thomas Lange, das H für den weiteren Gesell-schafter Bert Handschick. Am 1.November wurde der kleine Zittauer Pflegedienst Tippelt und Knakowski übernommen und ab Mai soll ein eigener Fahrdienst eingerichtet werden. Seit dem 1. November hat die Gesellschaft auch einen eigenen Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit: Marko Schmidt. Und seitdem gibt es die monatliche Seniorenzeitschrift „De Loarve“ der Sozialstation, in der man auch im Internet „blättern“ kann.

„Wir sind aber noch lange nicht fertig, arbeiten konsequent daran, besser zu werden“, sagt der ehrgeizige Geschäftsführer, der Wert auf Professionalität legt. Seine Frau Sylvia Lange steht ihm als Qualitätsbeauftragte zur Seite. Aufs Teamfoto sind allerdings beide nicht zu bekommen. Dafür frühstückt er gern mit allen seinen Mitarbeitern gemeinsam, wenn es sich einrichten lässt. Wie zum Beispiel am ersten Mittwoch in diesem Jahr. Da bedient der Chef sogar die anderen mit Kaffee. Außer diesem ist für ihn wichtig, dass man dabei mal an einem Tisch schnell über ein Problem oder anderes Dienstliche reden kann. Vor allem mit den Pflegedienstkräften. „Wir haben eine stabile Verwaltung mit zwei hauptamtlichen Pflegedienstleiterinnen aufgebaut“, sagt er – Steffi Moisel in Mittelherwigsdorf und Annette Leupolt in Oybin. Aber am Frühstückstisch fehlt eine ganz wichtige Frau: Verwaltungsmitarbeiterin Elke Anders, die gute Seele des Hauses. Sie bewacht das Telefon. Mit Hochachtung spricht Lange von der 52-Jährigen: „Es ist bewunderns-wert, wie sie alles schafft und mit den Macken des Chefs klarkommt.“ Auch dass sie bei jedem Wetter vom Oberdorf gelaufen kommt und sich von keinem aus der Sozialstation – nicht mal von ihm – mit dem Auto mitnehmen lässt, erfährt man am Frühstückstisch. Und dass bei den Senioren und ihren Angehörigen erheblicher Aufklärungsbedarf über die ganze Pflegeproblematik und die Pflegestufen bestehe. „Auch wenn wir zurzeit viel Arbeit haben, muss ich sagen, dass oftmals stationäre Pflege vermieden werden könnte, wenn eher ein häuslicher Pflegedienst einbezogen würde“, so Lange. Was man da manchmal vorfinde, da frage man sich, wie die Betroffenen das überhaupt bewältigt haben, bestätigt Schwester Steffi. „Die meisten warten zu lange.“ Gerade Seniorenklubs und die Volkssolidarität müssten sich Fachleute zu Beratungen holen.

Die Sozialstation Mittelherwigsdorf hat selbst zwei ausgebildete Pflegeberater. Auf Zusatzausbildungen der Fachkräfte werde hier sowieso Wert gelegt. So gibt es auch zwei Wundschwestern und zwei Mentoren für die Lehrlingsausbildung. Derzeit werden in Oybin und in Mittelherwigsdorf je zwei Altenpfleger ausgebildet. Kater „Hochwasser“ hat sich inzwischen wieder ein gemütliches Plätzchen im Aufenthaltsraum der Seniorenwohngemeinschaft gesucht.

Der 91-Jährige Werner Böttger wartet indes in seiner Wohnung in der Seniorenwohnanlage, dass mal wieder jemand nach ihm gucken kommt. „Ich fühle mich aber sehr wohl und gut betreut hier“, sagt er.

www.pflegedienst-mittelherwigsdorf.de