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Jungfüchse mit neuen Ideen

Die sportlichen Planungen für die nächste Saison liegen trotz Corona nicht auf Eis. Ein Spiel mit vielen Ungewissheiten.

Vereinsvorsitzender Bernhard Stephan (li) und Sportlicher Leiter Sebastian Wolsch (re) des ES Weißwasser arbeiten bei der sportlichen Planung eng miteinander zusammen.
Vereinsvorsitzender Bernhard Stephan (li) und Sportlicher Leiter Sebastian Wolsch (re) des ES Weißwasser arbeiten bei der sportlichen Planung eng miteinander zusammen. © Steffen Bistrosch

Nach dem plötzlichen Saisonaus Mitte März trainiert der Eishockeynachwuchs des ES Weißwasser inzwischen wieder. Jetzt soll der Grundstein für eine neue Saison gelegt werden, vor deren Start allerdings viele Fragezeichen stehen. Der Vorsitzende des Vereins, Bernhard Stefan, und der Sportliche Leiter, Sebastian Wolsch bezogen vorab Stellung zu aktuellen Themen.

Verlauf und Ende der Saison waren so im Vorfeld nicht absehbar. Wie lautet ein kurzes sportliches Fazit?

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Wolsch: Ich denke, aus sportlicher Sicht können wir zufrieden sein. Die U 9 und U 11 haben die Erwartungen mehr als erfüllt, nur das U-13 Team blieb hinter den Erwartungen zurück, die U 15 stand mit zwei Spielen weniger als die Konkurrenz auf dem zweiten Platz der ostdeutschen Meisterschaft, die wiedererstarkte U 17 erreichte die Relegation zum Wiederaufstieg in die 1. Division, die U 20 platzierte sich auf Rang drei.

Hoffnung und wichtiges Sprungbrett für die professionelle Zukunft vieler Spieler ist das U 17-Team. Nach dem Abstieg im letzten Jahr schien der Wiederaufstieg durch das Erreichen der Relegation realistisch. Jetzt ist das Prozedere unklar, der DEB als Verband will möglicherweise gänzlich auf einen Auf- und Abstieg verzichten.

Wolsch: Derzeit geht der ostdeutsche Verband davon aus, dass ein Turnier mit Crimmitschau und Wolfsburg um den Aufstieg gespielt wird. Termine, Modus und Spielort sind nicht bekannt. Falls kein Turnier möglich sein sollte, werden die Mannschaften so gesetzt wie zu Beginn der vergangenen Saison. Wir erkennen darin eine Ungleichbehandlung, im Fuchsbau wird es bis auf absehbare Zeit kein Eis geben, einige unserer Spieler haben bereits ihren Wechsel angekündigt bzw. vollzogen. In Süddeutschland wird nächste Saison einfach mit zwei Teams mehr gespielt. Eine deutlich einfachere und bessere Lösung. Wir haben deshalb das DEB Schiedsgericht kontaktiert und rechnen mit der Antwort bis Mitte Juni.

Die Ungewissheit, wo Weißwasser nächstes Jahr spielt, macht die Zusammenstellung der U 17-Mannschaft sicher nicht leichter.

Wolsch: Sicher, wir sind ständig auf der Suche nach Spielern, die uns helfen können, auch über die Landesgrenzen hinaus. Wir schauen in alle Richtungen und streben Kooperationen an. Die Statute des DEB machen es uns unmöglich, beispielsweise auf sächsischer Ebene eng miteinander zusammenzuarbeiten. Derzeit blicken wir verstärkt in Richtung Tschechien. Unser Anspruch ist die 1. Division.

Weißwasser hatte im 5-Sterne-Ausbildungsprogramm des DEB im vergangenen Jahr den 4. Stern verloren. Soll dieser zurückgeholt werden?

Wolsch: Unser Problem bestand darin, dass wir zu wenige Spieler im U 17-Bereich hatten, eine Frage des Abstiegs und der damit verbundenen Spielerabgänge. Unser Ziel ist ganz klar, wir wollen uns verbessern und den Stern zurückholen.

Wie steht es um die finanziellen Rahmenbedingungen beim Stammverein?

Stefan: Das lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Unsere großen Sponsoren haben signalisiert, dass sie uns auch weiterhin unterstützen wollen und können. Dadurch haben wir aktuell keine Liquiditätsprobleme im Nachwuchsbereich. Dass kein Spielbetrieb stattfindet und beispielsweise das Wohnheim leer steht und damit keine Einkünfte generiert, war so nicht eingeplant. Was die kommende Spielzeit angeht, lässt sich nicht vorhersagen. Der EHC hat bereits signalisiert, mit einem kleineren Etat ins DEL 2-Rennen gehen zu müssen, die Auswirkungen auf unsere Kooperation müssen wir abwarten. Möglicherweise profitieren wir von einem der Hilfspakete für Vereine, die derzeit vom Landessportbund Sachsen geschnürt werden.

Wie lautet der sportliche Anspruch in der kommenden Saison?

Wolsch: Wir wollen noch mehr Kinder für unseren Sport gewinnen. Die U 9 und U 11 sollen unter Trainer Torsten Hanusch weiter auf hohem Niveau spielen. In der U 13 haben wir mit Christian Rösler einen neuen Cheftrainer, zudem sollen verstärkt jüngere leistungsstarke Spieler eingesetzt werden. Die Anträge dafür laufen bereits. Die U 15 mit Trainer André Mücke soll weit oben mitspielen. Die U 17 muss in der 1. Division spielen und die Klasse halten. Die U 20 wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben.

Was bedeutet der letzte Punkt konkret?

Stefan: Diesbezüglich haben wir uns Gedanken gemacht, ob die Division „3“ unser Anspruch sein kann. Das Niveau reicht aus unserer Sicht nicht, potenzielle Spieler für den EHC weiterzuentwickeln. In dem Altersbereich ist es schwierig, Spieler in Weißwasser zu halten. Für viele beginnt die Ausbildung oder Studium. Wir haben uns entschieden, eine U 23 zu bilden, die in der Regionalliga antreten wird. Junge, ambitionierte Spieler können sich so auf einem höheren Niveau anbieten, die Durchlässigkeit in den professionellen Bereich wird erleichtert, und gleichzeitig müssen wir nicht bis Duisburg oder Kassel reisen. Junge Spieler haben mehr Zeit für ihre Entwicklung.

Ein weiterer Vorteil ist, dass meist samstags gespielt wird, also dann, wenn die Profis pausieren. In der Regionalliga erwarten uns mit Sicherheit spannende Derbys, etwa gegen Niesky und natürlich andere Teams aus der Region. Vielleicht findet auch der eine oder andere Spieler den Weg zurück in den Fuchsbau. Dadurch können wir eine Menge Geld, das sonst für die Jahrgänge einer spielfähigen U 20-Mannschaft benötigt worden wäre, anderweitig im Nachwuchs einsetzen.

In den letzten zwei Jahren ist viel passiert beim ESW, in der Geschäftsstelle, bei der sportlichen Leitung, den Trainern. Die Tendenz scheint positiv, auch wenn nicht alle Baustellen geschlossen sind.

Stefan: Wir haben vieles geändert, um eine Trendwende zu schaffen. Wir haben auch jetzt neue Ideen, die aus den Erkenntnissen der letzten Saison resultieren. Von der Geschlossenheit unseres gesamten Teams und den sportlichen Ergebnissen her haben wir ein sehr gutes Jahr verzeichnet. Und wir werden trotz Corona gut in die Saisonvorbereitung starten, auch wenn einige Dinge zum Saisonstart im Ungewissen liegen. Ich bin optimistisch, dass Weißwasser eine gute Adresse für den Eishockeynachwuchs bleibt.

Gespräch: Steffen Bistrosch

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