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Justizministerin Brigitte Zypries empfängt heute Görlitzer Gymnasiasten in Berlin

Die Schüler der Klasse 9.1 am Augustum-Annen- Gymnasium haben unter 3000 Einsendungen bei einem Schülerwettbewerb den zweiten Platz belegt.

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Von Ingo Kramer

Für Christoph Haje und seine Mitschüler aus der Klasse 9.1 am Görlitzer Augustum-Annen-Gymnasium war das Thema Grundrechte eigentlich schon abgeschlossen: „Unser Lehrer hat uns zwar von dem Wettbewerb erzählt, aber wir haben davon nichts erwartet“, erzählt der Schüler. Dann kam die Überraschung: Unter 3000 Einsendungen beim Schülerwettbewerb „Die Grundrechte im Visier“, den das Bundesjustizministerium und die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet hatten, haben sie den zweiten Platz belegt und ein Berlin-Wochenende gewonnen. Justizministerin Brigitte Zypries hat die Görlitzer zur Siegerehrung eingeladen.

Seit Herbst hat sich die Klasse im Unterricht mit ihrem Lehrer Hubertus Kaiser und Referendarin Katja Junge mit dem Grundgesetz, das am morgigen Sonnabend 60 Jahre alt wird, befasst. „Jede Gruppe musste einen Artikel aus dem Gesetz aussuchen“, sagt Christoph Haje. Dann führten die Neuntklässler dazu Interviews und schrieben Artikel, die sie als „Görlitzer Grundrechtreport“ in einer Broschüre zusammengefasst haben.

Bei alledem haben sie das Grundgesetz an der Realität getestet. Anne-Theres Heinsch und ihre Gruppe etwa haben sich mit Artikel 3, wonach niemand wegen seiner Rasse benachteiligt werden darf, auseinandergesetzt. „Wir haben Ausländer und Deutsche befragt“, sagt sie. Ergebnis: Die Deutschen haben zum Teil ein paar Vorurteile, aber alles in allem kommen in Görlitz Ausländer und Deutsche gut miteinander klar. Artikel 3 ist für die Schüler in Görlitz also gewahrt.

Post hat sich nicht geäußert

Etwas anders sieht es bei der Gruppe aus, die sich mit der Unverletzlichkeit des Briefgeheimnisses befasst hat. „Die Post hat sich dazu nicht geäußert“, beklagt Claudia Dienel. Bei der Befragung von Passanten allerdings hat sich niemand gefunden, der nach der Wende jemals einen geöffneten Brief im Kasten hatte. Insofern scheint das Gesetz auch an dieser Stelle gewahrt. Andere Schüler befassten sich mit der Menschenwürde, dem Recht auf Leben und der Benachteiligung Behinderter. „Der Besuch in der Behindertenwerkstatt war sehr interessant“, sagt Gerit Gebauer.

Letztlich stand für alle Gruppen weniger das Wälzen von trockenen Gesetzesbüchern im Mittelpunkt, sondern eher die Suche nach deren praktischer Umsetzung in Görlitz. Das war es dann auch, was den Schülern Spaß gemacht hat.

Spaß wollen sie jetzt auch in Berlin haben. Von heute bis Sonntag reisen elf von ihnen in die Hauptstadt. Dort treffen sie heute Justizministerin Brigitte Zypries, die mit den drei Gewinnerklassen diskutieren will. Das restliche Programm ähnelt eher einer Klassenfahrt. Die Schüler durften es selbst zusammenstellen: Unter anderem wollen sie im Filmpark Babelsberg und bei Madame Tussauds vorbeischauen.