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Juwelenraub: Dubioses Angebot nun doch bestätigt

Zunächst hatten die Behörden dementiert, über ein zwielichtiges Angebot aus Israel informiert worden zu sein. Nun stellt sich heraus, dass doch eine E-Mail einging.

Ende November hatten bislang Unbekannte unschätzbar wertvolle Schmuckstücke aus dem Grünen Gewölbe geraubt. Nun gibt es dubiose Kaufangebote.
Ende November hatten bislang Unbekannte unschätzbar wertvolle Schmuckstücke aus dem Grünen Gewölbe geraubt. Nun gibt es dubiose Kaufangebote. © P.M. Hoffmann

Dresden. Im Fall des aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Schmucks hat die Staatsanwaltschaft Dresden ein dubioses Kaufangebot nun doch bestätigt. Eine israelische Sicherheitsfirma habe die Behörde darüber informiert, dass ein anonymer Absender in verschlüsselten E-Mails für zwei Schmuckstücke neun Millionen Euro gefordert habe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Jürgen Schmidt am Dienstag. Über die Seriosität des Angebots gibt es bisher keine Erkenntnisse.

Die Information der Firma namens CGI war den Angaben zufolge an Schmidt geschickt worden, der zwar Pressesprecher ist, aber mit den Ermittlungen nichts zu tun hat. Da er vorige Woche im Urlaub war, konnte die Staatsanwaltschaft den Eingang zunächst nicht bestätigen.

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Warum die Firma CGI an den Pressesprecher schrieb und nicht an die Behördenleitung oder an die Polizei, ist bisher unklar. Schmidt sagte, der Absender sei in einer automatischen Abwesenheitsnotiz über Ansprechpartner und deren Kontaktdaten informiert worden. Gemäß den Vorgaben in der Staatsanwaltschaft sei eine automatische Weiterleitung von E-Mails nicht erlaubt. Dieser Hinweis sei ebenfalls Bestandteil der Abwesenheitsnotiz gewesen. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub am Montag habe er den Mailverkehr umgehend an die zuständigen Ermittler weitergeleitet. Dort werden die Angaben aus Israel nun ausgewertet.

Bei den weiteren Ermittlungen zu dem Kaufangebot wird es auch darum gehen, wer die Firma CGI überhaupt damit beauftragt hat, sich um den Verbleib der Juwelen zu kümmern. Der 75 Jahre alte Firmen-Eigentümer Jacob Perry hatte der ARD gesagt: „Wir wurden von einer Anwaltskanzlei beauftragt, die den Verwaltungsrat des Museums vertritt.“ Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) betonen jedoch, man habe das Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv nicht engagiert. Auch die Förder- und Freundeskreise des Museums legen Wert auf die Feststellung, mit den Israelis nichts zu tun zu haben. Die CGI selbst ließ eine SZ-Anfrage zu ihren Auftraggebern bislang unbeantwortet.

Sächsische Sicherheitsunternehmen äußern sich auf Anfrage kritisch zu dem Vorgehen der Firma. „Mein Kontakt in Israel hält CGI nicht für seriös“, sagt Lutz Peschel, Leiter von Alldek Saxonia, einer der größten Wirtschaftsdetekteien Sachsens. Peschels Informationen zufolge arbeitete CGI-Chef Zvika Nave bei der Polizei, ehe er sich mit dem ehemaligen Chef des israelischen Inlands-Geheimdienstes und Ex-Wissenschaftsminister Jacob Perry 1998 selbstständig machte.

Vielmehr glauben Peschel und sein israelischer Geschäftsfreund, CGI versuche, mit dem angeblichen Auftrag zur Klärung des Kunstraubs für sich Werbung zu machen. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft für Hinweise auf die Täter eine Belohnung von 500.000 Euro ausgesetzt, das sei ja auch „recht lukrativ“.

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Perry hatte bereits im Februar 2017 sein Mandat im israelischen Parlament abgeben müssen. Entgegen seiner ursprünglichen Behauptung, jahrelang in der israelischen Armee gedient zu haben, gab er erst nach Recherchen von Journalisten zu, wegen eines Herzfehlers nie einen Militärdienst absolviert zu haben.