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Döbeln

(K)ein Brunnen für die Esel

Der Schlossberg hat eines seiner hübschen Details zurück. Es ist das I-Tüpfelchen der Straße, die derzeit ausgebaut wird.

Der Eselbrunnen am Leisniger Schlossberg ist zurück, und zwar mit neuem Auffangbecken, das dem Original entspricht. Das zeigt das Foto von der Einweihung im Jahr 1938.
Der Eselbrunnen am Leisniger Schlossberg ist zurück, und zwar mit neuem Auffangbecken, das dem Original entspricht. Das zeigt das Foto von der Einweihung im Jahr 1938. © Dietmar Thomas

Leisnig.Wer durch Leisnig schlendert, der entdeckt neben arg baufälligen Häusern auch so manches liebenswerte Detail. Der Eselbrunnen am Schlossberg hat lange dazugehört – und jetzt ist er wieder eines zweiten Blickes wert. Denn im Zuge des laufenden Straßenbaus hat die Kommune auch die Überholung des Brunnens in Auftrag gegeben.

Abgehakt, kann Jörg Wolf jetzt sagen. Der Steinmetz und Bildhauer aus Ottendorf bei Dresden ist in der vergangenen Woche mehrfach in Leisnig gewesen und hat an dem Brunnen gearbeitet. Am längsten hat es gedauert, den Rochlitzer Porphyr für das Brunnenbecken zu besorgen. Mehrere Monate hat er auf die Lieferung des Steinblockes gewartet.

Das Brunnenoberteil mit dem Eselrelief ist „nur“ gereinigt worden.
Das Brunnenoberteil mit dem Eselrelief ist „nur“ gereinigt worden. © Dietmar Thomas

Der war mit 2,4 Tonnen wahrlich ein Schwergewicht. Das bearbeitete Becken wiegt immerhin noch knapp 800 Kilogramm. Es vom Hof der Firma Brücken- und Spezialbau Meißner im Leisniger Gewerbegebiet, wo die Handwerker gearbeitet haben, auf den Schlossberg zu bringen und dort aufzustellen, ist durchaus eine Herausforderung gewesen. Mit Unterstützung des Bauhofteams allerdings haben es Jörg Wolf und sein Mitarbeiter letztlich doch geschafft.

Das Becken musste neu angefertigt werden, weil das alte in die Jahre gekommen und schließlich kaputt gegangen war. Außerdem hatte es mit dem Original von 1938 nicht mehr viel gemein. Wahrscheinlich ist es zu DDR-Zeiten durch ein beliebiges Auffangbecken ersetzt worden.

Das Neue hat der Steinmetz und Bildhauer abgerundet und damit so gestaltet, wie es seinerzeit der Leisniger Bildhauer Loose geplant und umgesetzt hatte. An dem von ihm angefertigten Relief im oberen Teil haben die Handwerker jetzt lediglich Reinigungsarbeiten ausgeführt und die „ausgefransten“ Kanten etwas abgerundet. Für mehr Hygiene und, weil es einfach zeitgemäß ist, setzten sie einen Abfluss aus Edelstahl ein. Immerhin wird der Brunnen mit Quellwasser gespeist und niemand dürfte etwas dagegen haben, wenn sich Spaziergänger dort einmal erfrischen oder Kinder ein wenig herumplanschen.

Einweihung des Brunnens im Jahr 1938. 
Einweihung des Brunnens im Jahr 1938.  © Stadtarchiv Leisnig

Der Eselbrunnen soll an ein Stück Geschichte Leisnigs erinnern. Angeblich kamen die Steuer zahlenden Einwohner über Jahrhunderte hinweg dafür auf, dass sich die Stadt einige Dutzend Esel leistete. Deren Aufgabe war es, die schweren Mehl- und Getreidesäcke von den Mühlen an der Mulde über den Schlossberg zu den Märkten in die Oberstadt zu schleppen. Zu jener Zeit hat sich ungefähr in der Mitte des Schlossberges eine Wasserstelle befunden, an der die Tiere kurz halten und Wasser saufen konnten.

Hommage an heimliches Wappentier

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Dass Leisnig aus diesem Grund zu seinem im Volksmund lange verwendeten Beinamen „Esel-Leisnig“ gekommen sein soll, hat der Ottendorfer Steinmetz bei seiner Arbeit an dem Brunnen auch gehört. Gereizt hat ihn an diesem Auftrag die Arbeit mit dem Material Porphyr. Das sei mit einem relativ hohen Quarzanteil ein wenig schwerer zu bearbeiten als der gelbliche, sächsische Sandstein, mit dem es Jörg Wolf im Dresdener Raum ansonsten zu tun hat.

Vor ein paar Jahren war er schon einmal in der Region tätig, hat auf dem Friedhof in Sitten eine imposante Grabanlage in Ordnung gebracht. Am Wiederaufbau der Frauenkirche hat er mit vielen weiteren Künstlern und Handwerkern ebenfalls mitgewirkt.

Von Apfel- bis Saubrunnen

Wohl kaum eine andere Stadt in der Region kann so viele Brunnen und Wasserspiele vorweisen wie Leisnig.

Auf dem Marktplatz ist Leisnigs jüngstes Wasserspiel, der sogenannte Apfelbrunnen, zu finden.

An der Kirchstraße, nicht weit vom Markt entfernt, gibt es das nächste Wasserspiel.

Auf dem Neumarkt erinnert eine Ferkelgruppe mit einem Wasserlauf auf Knopfdruck daran, dass der Neumarkt einst Saumarkt hieß und dort vor Jahrhunderten Ferkelmärkte abgehalten wurden.

Auf dem Lindenplatz steht Leisnigs wohl ältester Brunnen: die Wassermarie. Die Anlage wurde zum Heimatfest 1902 von auswärtigen Leisnigern als Heimatbrunnen gestiftet und 1903 eingeweiht. (DA/sig)

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