SZ +
Merken

Kämpfe um Bautzen

Vor 190 Jahren waren auch Gebiete im Landkreis Kamenz von den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft betroffen. Der Dresdener Autor Manfred Prescher stieß auf interessante Details...

Teilen
Folgen

Von Manfred Prescher

Ausgangspunkt der Untersuchungen war ein Hinweis von Herrn Müller, Schmied aus Lieske, der in Neumanns Ortslexikon des Deutschen Reiches, Leipzig und Wien 1894, Seite 981, folgende Notiz fand: „Weißig bei Kamenz; 19. Mai 1813, Treffen mit York”.

Unter York ist General von York gemeint, der zunächst in französischen Diensten stand, aber durch die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember 1812 den Franzosen die weitere Gefolgschaft versagte und auf die Seite Russlands übertrat. Damit bestärkte er Zar Alexander von Russland in seinem Entschluss, den Kampf gegen Napoleon bis zu dessen Sturz fortzusetzen.

Von Interesse sind die Ereignisse um den und am 19. Mai 1813, um zu klären, ob ein Treffen in Weißig bei Kamenz tatsächlich stattgefunden hat. Es könnte sich auch um eine Ortsverwechselung handeln, wie sie leider sehr oft vorkommt. Dabei muss man berücksichtigen, dass in der älteren Literatur das Wort „Treffen“ auch als Bezeichnung für eine Schlacht gewählt wurde.

Zunächst etwas zur historischen Situation im Frühjahr 1813: Am 16. März 1813 hatte Preußen Frankreich den Krieg erklärt, nachdem es bereits am 28. Februar 1813 mit Rußland ein Bündnis geschlossen hatte. Im März 1813 begann der Frühjahrsfeldzug der Verbündeten Armeen gegen die Streitkräfte Napoleons in Deutschland. Nach Anfangserfolgen erlitten sie im Mai in der Schlacht bei Großgörschen eine Niederlage und traten den Rückzug in Richtung Bautzen an, um die Spreelinie zu verteidigen. Das Hauptquartier der Russen wurde in Wurschen bei Bautzen eingerichtet. Im Verlaufe des Rückzuges kam es am 19. Mai 1813 im Raum Königswartha-Weißig-Hermsdorf zu Verteidigungsgefechten, in denen es den Preußen gelang, den Franzosen Verluste zuzufügen und deren Vormarsch zeitweilig aufzuhalten. Die für Napoleon siegreiche Schlacht von Bautzen am 20. / 21. Mai 1813 brachte taktische Erfolge und konnte über die sich abzeichnende endgültige militärische Niederlage noch einmal hinwegtäuschen, aber verhindern konnte sie sie nicht mehr.

An diesen Kämpfen waren beteiligt: Ein russisches Korps unter dem Kommando von General Bardoy des Tolly, zu dessen Bestand 9 000 Mann Infanterie, 3 000 Mann Kavallerie und 84 Geschütze gehörten. Das russische Landwehrkorps unter Kommando des Generals York hatte 4 000 Infanteristen, 1 200 Kavalleristen und 36 Geschütze in seinem Bestand. Die Schlesische Armee unter dem Befehl von Marschall Blücher war ebenfalls beteiligt. In Gedenken an diese Schlacht steht ein Blücher-Denkmal in Weißig bei Hermsdorf/Hoyerswerda. Gegner war das V. französische Korps unter Befehl des General Lauriston mit 23 000 Infanteristen, 1 500 Kavalleristen und 88 Geschützen.

(wird fortgesetzt)