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Käufer für Glasinvest in Sicht

Die TLG will bis Ende April einen Investor finden. Dass der auch betreutes Wohnen aufnimmt, hofft die Volkssolidarität.

Von Ines Scholze-Luft

Es gammelt vor sich hin, das marode Hochhaus auf dem Glasinvest-Gelände an der Meißner Straße in Radebeul-Ost. Mancher, der dort regelmäßig vorbeikommt, hat die Hoffnung auf Veränderung schon aufgegeben. Nachdem so viele Pläne für das Areal vorgestellt wurden, scheint es nun vergessen.

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Der Schein trügt. Hinter den Kulissen ist es mitnichten ruhig. Zu denen, die gern aktiv werden würden, gehört Frank Stritzke, der Geschäftsführer der Volkssolidarität (VS) Elbtalkreis-Meißen. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Grundstücken für das betreute Wohnen. Auch in Radebeul. Dabei hat er eines ganz besonders im Blick: Glasinvest.

Fast täglich kommen neue Anträge für diese Wohnform auf seinen Tisch, sagt Frank Stritzke. Über 270 Anfragen sind es inzwischen. Alle diese Antragsteller möchten in eine seniorengerechte Wohnung des Vereins einziehen. Am liebsten in den Sidonienhöfen in Radebeul-Ost. Doch die vor einem Jahr eingeweihten 46 Wohnungen sind vergeben. Und die Aussichten, dass sie schnell wieder frei werden, gering.

Was Frank Stritzke natürlich freut. Die Volkssolidarität war nicht nur die Erste im Landkreis, die eine solche Wohnanlage eröffnete – 1997 in Radebeul. Sie hat sich inzwischen darauf spezialisiert, betreibt 70 solcher Einrichtungen in Sachsen. Acht davon im Kreis Meißen. Mit einem Leerstand gegen null. Und mit all den Merkmalen, die bei Senioren gefragt sind, von Barrierefreiheit und zentraler Lage bis zu Pflegedienst und Hausmeister. Selbstständig bleiben steht an oberster Stelle, sagt der Geschäftsführer. Bis zur Pflegestufe 3, der Schwerstpflege, greift das betreute Wohnen.

Angesichts des wachsenden Bedarfs an Seniorenwohnungen kann sich Frank Stritzke vorstellen, in einem Jahr 100 solcher Wohneinheiten neu zu schaffen. In Arnsdorf wurde jetzt ein neues Projekt vorgestellt. Auch in Radebeul möchte die Volkssolidarität weitermachen. Nicht irgendwo. Schön gelegen, zentrumsnah und doch ruhig sollten die Flächen sein. Das wäre vorstellbar bei Glasinvest.

Aber solche Gebiete sind rar. Erst recht in Radebeul. Denn eines müssen die Wohnungen vor allem sein: erschwinglich. In die teuren Lagen will der Verein nicht gehen. Hat sich deshalb auch nicht im Dichterviertel niedergelassen. Da war der Grundpreis zu hoch, sagt Frank Stritzke. „Schließlich sind wir ein Wohlfahrtsverband.“ Bei 7,35 Euro beginnt die Kaltmiete in den Sidonienhöfen. Die Betriebskosten sind mit 2,50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt. Bei dem Niveau will die Volkssolidarität bleiben. Für neue Wohnungen denkt der Geschäftsführer auch an ein Grundstück unweit der Sidonienhöfe. Und natürlich an Glasinvest. Bedarf für 40 bis 60 Wohneinheiten an der Stelle hat die Volkssolidarität schon bei der Stadt angemeldet.

Am Thema Glasinvest sei die Stadt dran, sagt Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Gespräche laufen mit Investoren und der TLG. Denn die TLG Immobilien GmbH ist Eigentümerin der Fläche. Gehört aber selbst dem US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star. Die TLG will das Grundstück verkaufen. Mehrere Interessenten haben deshalb auch schon im Rathaus an die Tür geklopft.

Allerdings gibt es für die Glasinvest-Fläche einen Bebauungsplan. Der sieht neben kleinteiligen Handelsflächen auch Wohnungen und Büros vor. Und bezieht Nachbargrundstücke zur Freiligrathstraße ein. So die Fläche, wo die Wohnungsgenossenschaft Lößnitz bauen will. Das Gebiet soll insgesamt entwickelt werden, sagt Jörg Müller.

Deshalb lehnte der Stadtrat im vergangenen Sommer einen Antrag der TLG ab, einen Teilbereich separat zu gestalten. Auch die Wohnungsgenossenschaft muss den grundsätzlichen Startschuss für diesen städtebaulichen Schwerpunkt abwarten.

Wie lange das noch dauert, hängt vor allem von der Meißner Straße ab. Nicht umsonst liegt sie im B-Plan mit drin. Denn ohne die Meißner geht rund um Glasinvest nichts los. Erst muss planerische Klarheit herrschen über Straßenverlauf und Haltestellenlösung, sagt der Baubürgermeister. Eine Grundforderung dabei: Straßenbahn- und Autoverkehr müssen sich verbessern. Ob das im derzeitigen Straßenquerschnitt möglich ist oder mehr Platz benötigt wird, ist noch nicht entscheiden.

Die Abstimmung läuft. Danach richtet sich, ob und wie das Glasinvest-Grundstück betroffen ist. Dann erst kann auch dort im Detail geplant werden. Jörg Müller: „Das ist wie am Bahnhof Ost. Es muss passen, braucht deshalb seine Zeit.“

Über grundsätzliche Baustrukturen wie Baufluchten, Wegebeziehungen, Standorte der Baukörper hat die Stadt die Interessenten vorab informiert. Viele Bewerber habe es gegeben, sagt Klaus-Dieter Schwensen, Niederlassungsleiter der TLG Immobilien GmbH, Süd. Sie hat das Gebiet zum Verkauf ausgeschrieben.

Ende des Monats soll feststehen, wer der Käufer ist. Da im Moment noch verhandelt wird, will Schwensen über die Interessenten nichts Konkretes sagen. Nur so viel: „Wir verkaufen jetzt an einen Investor, einen, der wirklich bauen will.“