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Käufer für Hess-Hallen sind gefunden

Zwei Firmen teilen sich künftig das Gelände. Eine davon hat ihren Hauptsitz in Polen, die andere kommt aus Löbau.

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Von Marcus Scholz

Die Spatzen haben es schon eine ganze Weile von den Dächern gepfiffen – jetzt ist es offiziell: In den derzeit leerstehenden Hess-Hallen im Löbauer Gewerbegebiet West wird bald wieder das Licht angeknipst. Nach über einem Jahr, sind mit der Firma VDS-Verkehrstechnik und dem polnischen Unternehmen Prosperplast, endlich neue Käufer für den riesigen Gebäudekomplex gefunden worden.

„Es war keine einfache Zeit, aber jetzt sind alle Verträge unterschrieben“, sagt Dieter Geyer. Der für die Vermittlung der Hallen zuständige Immobilienmakler aus Erkrath nahe Düsseldorf ist froh, dass am Ende doch noch alles gut über die Bühne gegangen ist. Denn die Verhandlungen der letzten Monate mit potenziellen Käufern und Investoren sind sehr zäh verlaufen. „Unternehmen sind plötzlich abgesprungen, es mussten Gespräche mit Gläubigern geführt werden und wir hatten auch noch einige technische Probleme zu bewältigen“, sagt Geyer. Bei der Vermittlung der Hallen hätten ihm vor allem Gemeinden und Landkreise viele Steine in den Weg gelegt. Laut dem Makler haben diese alles dafür getan, Firmen die sich für den Standort Löbau interessiert haben, mit allen Mitteln in ihrer eigenen Gemeinde zu halten. „Interessierte Firmen bekamen auf einmal richtig gute Offerten unterbreitet, damit sie ihren Standort nicht zugunsten von Löbau aufgeben“, erzählt Geyer, der mittlerweile aber zufrieden mit dem Endergebnis ist.

Auch Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos), zeigt sich erfreut ob der positiven Entwicklung im Fall Hess. „Wir sind froh, dass endlich Käufer präsentiert werden können“, sagt das Löbauer Stadtoberhaupt. Die Schwierigkeiten die es beim Verkauf der Gebäude gegeben hat, sind auch ihm bekannt. Zum Beispiel hätten die meisten der interessierten Unternehmen zuerst kräftig umbauen müssen, um die Hallen später überhaupt für ihre Zwecke nutzen zu können. Das habe dann natürlich die Interessenten abgeschreckt. Die beiden neuen Eigentümer werden sich den Gebäudekomplex in Zukunft teilen, arbeiten aber völlig unabhängig voneinander. Neue Grundstücksgrenzen sind dafür schon gezogen worden.

Aber welche beiden Firmen sollen sich schon bald während der Arbeitszeiten nicht in die Quere kommen? „Bei den Käufern handelt es sich um eine deutsche und eine polnische Firma“, erklärt Dieter Geyer. Verkehrsteilnehmern dürfte das deutsche Unternehmen bekannt sein. Denn die Firma VDS-Verkehrstechnik hat ihren Hauptsitz bereits in Löbau. Über die Gründe für die Investition in den Hess-Komplex, wollen die Experten für Radarfallen und Co. noch keine Angaben machen. Beim Unternehmen aus dem Polnischen handelt es sich um die Firma Prosperplast GmbH. Sie hat neben ihrem schlesischen Firmensitz auch noch Zweigstellen in Tschechien und in der Nähe von Ingolstadt. Die Oberlausitz ist für die Plastikproduzenten aber keineswegs Neuland. „Wir haben auch schon einen Standort in Oderwitz, der ist aber zu klein geworden“, sagt Peter Nocon, Geschäftsführer von Prosperplast in Deutschland. In Polen werde hauptsächlich produziert, vor allem plastische Erzeugnisse für Haus, Garten und Garage. Die ehemaligen Hess-Hallen in Löbau sollen ab Herbst als Logistikzentrum dienen und von da aus die Kundschaft mit fertigen Erzeugnissen beliefert werden. „Der Standort Löbau bietet dafür sehr gute Möglichkeiten, denn er liegt günstig zur Autobahn“, sagt Nocon. Er habe sogar schon einige neue Mitarbeiter eingestellt. Allerdings werde das Unternehmen längst nicht so viele Beschäftigte haben, wie zu seiner Zeit Hess Lichttechnik. Das könnte sich aber auch ändern. „Wer weiß was in einem Jahr passiert. Es ist nichts ausgeschlossen“, sagt Peter Nocon.

Das Löbauer Gewerbe wird mit den Investitionen von Prosperplast und VDS-Verkehrstechnik wieder um ein Stück breiter aufgestellt sein. Schon bald können die bestehenden Firmen im Gewerbegebiet West ihre neuen Nachbarn in Empfang nehmen. Am 31. August 2013 öffneten die Werkstore von Hess Lichttechnik an der Löbauer Weststraße zum letzten Mal ihre Pforten. Seitdem stehen die Produktionshallen leer und haben auf einen Käufer gewartet.