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Bautzen: Spreehotel vor dem Verkauf

Interessenten für das leer stehende Gebäude gab es viele, doch bislang kam kein Deal zustande. Nun sieht es besser aus.

Fast zwei Jahre lang steht das Spreehotel schon leer. Der Besitzer sprach von vielen Interessenten, doch bislang seien die Verhandlungen am Bebauungsplan der Stadt gescheitert, erklärt er. Dieser lässt nicht zu, dass auf dem Gelände Wohnungen entstehen.
Fast zwei Jahre lang steht das Spreehotel schon leer. Der Besitzer sprach von vielen Interessenten, doch bislang seien die Verhandlungen am Bebauungsplan der Stadt gescheitert, erklärt er. Dieser lässt nicht zu, dass auf dem Gelände Wohnungen entstehen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Still ist es auf dem Gelände des ehemaligen Spreehotels. Das Haus, in dem erst Hotelgäste und später Geflüchtete wohnten, steht seit fast zwei Jahren leer. Doch das soll nicht mehr lange so bleiben. Laut SZ-Informationen gibt es inzwischen einen ernstzunehmenden Kaufinteressenten. Ein Deal könnte schon bald zustande kommen.

Noch gehört das Haus der Firma Jasika Holding aus Hamburg. Unternehmenschef Mirko Stemmler hält sich bedeckt, wenn es um konkrete Informationen zum Interessenten geht. Er bestreitet zwar nicht, dass das Gebäude nun kurz vor dem Verkauf steht, betont aber auch: „Ein Deal ist es erst dann, wenn ein Kaufvertrag unterschrieben ist. Und das ist noch nicht der Fall.“ Wann dieser Schritt vollzogen wird, könne er nicht sagen. Mirko Stemmler will aber rechtzeitig darüber informieren. Für ihn wäre es ein Abschluss. Mit dem Verkauf des Bautzener Spreehotels möchte sich der Investor aus Bautzen zurückziehen.

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Statt über den anstehenden Deal zu sprechen, redet Stemmler über die zurückliegenden Monate. Und über die Schwierigkeiten. Dass das Hotel zum Ladenhüter mutierte, habe keinesfalls daran gelegen, dass niemand das Gebäude haben will. „Es gab in letzter Zeit nicht nur einen Interessenten, sondern mehr als zehn. Darunter waren auch Ortsansässige“, erklärt er und spricht von „tollen Plänen“, welche die potenziellen Käufer für das Gelände am Stausee hatten. Sehr konkret seien die Angebote gewesen, sagt der Investor, ohne aber weiter ins Detail zu gehen. Mit dem Kaufpreis habe man sich ebenfalls einigen können, betont er, verrät seine Preisvorstellung aber nicht. Dafür formuliert er seine Kritik deutlich: „Die Kaufverhandlungen scheiterten immer an der Stadt.“

Stadt versteht Kritik nicht

Im Bautzener Rathaus hat man kein Verständnis für die kritischen Worte des Investors. „Der Verkauf des Gebäudes hat an sich nichts mit uns zu tun“, erklärt Stadtsprecher André Wucht. Man habe dem Hausbesitzer dennoch Hilfe angeboten. Das Amt für Wirtschaftsförderung sei gleich auf ihn zugegangen, als klar war, dass er das Haus verkaufen will. In den eigenen Netzwerken habe man sich umgehört, ob jemand Interesse an dem Hotel hat.

Es geht bei Mirko Stemmlers Kritik aber nicht nur um die Hilfe bei der Suche nach Kaufinteressenten, sondern vor allem um den Bebauungsplan. Der sieht vor, dass das Gelände lediglich für eine touristische Nutzung vorgesehen ist. Das heißt, es wäre kein Problem, das Gebäude zu einem neuen Hotel umzubauen. Das heißt aber auch, auf dem Gelände darf kein dauerhaftes Wohnen stattfinden. Das Spreehotel darf damit nicht zu einem Mehrfamilienhaus werden. Der neue Besitzer könnte es nicht an einen Anbieter für Betreutes Wohnen vermieten, und das Gelände dürfte auch nicht als Bauland für Eigenheime genutzt werden.

Damit aber am Ende aus dem Haus keine Investruine wird, hatten einige Stadträte schon vor Monaten eine Anpassung des Bebauungsplanes gefordert – darunter die Fraktionschefs von SPD und Linke. Bei der CDU entwickelte man sogar die Idee, die Stadt könne selbst das Areal kaufen, den Bebauungsplan ändern und dann die neue Fläche zu einem neuen Eigenheimstandort ausbauen. Doch die Stadt blieb bei diesem Thema hart. Zum einen deshalb, weil auf dem Gelände für das Wohnen der Lärmschutz erweitert werden müsste. Das wiederum würde die Stadt viel Geld kosten.

Freizeit und Wohnen nicht kompatibel 

Und es gab damals noch eine weitere Begründung: Wohnungen an dieser Stelle würden die Aktivitäten der an der Talsperre ansässigen Unternehmer stark einschränken. Das könne nicht das Ziel in diesem Naherholungsgebiet sein. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Freizeit und Wohnen dort nicht kompatibel miteinander sind“, erklärt André Wucht.

Linken-Fraktionschef Steffen Grundmann gehört zu jenen, die sich damals für eine Änderung des Bebauungsplanes eingesetzt haben. Weil er selbst als Sozialarbeiter in dem Haus tätig war, liegt ihm das Spreehotel am Herzen. „Es würde mich sehr freuen, wenn es jetzt einen Käufer gebe“, sagt er. Eine Jugendherberge könnte er sich vorstellen, vielleicht auch ein neues Hotel für den kleinen Geldbeutel.

Im Vier-Sterne-Haus gingen jahrelang Hotelgäste ein und aus. Später wohnten Asylbewerber dort, zuletzt noch anerkannte Flüchtlinge. Doch auch sie mussten im Dezember 2017 das Gebäude verlassen.

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