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Kaffee aus dem Porzellanbecher

Die Manufaktur in Dubi bietet eine umweltfreundliche Alternative zum Pappbecher. Am Samstag ist Tag der offenen Tür.

Jetzt auch in Porzellan und mit Zwiebelmuster: Generaldirektor Vladimir Feix mit einem Kaffeebecher „To Go“.  Fotos:
Jetzt auch in Porzellan und mit Zwiebelmuster: Generaldirektor Vladimir Feix mit einem Kaffeebecher „To Go“. Fotos: © Steffen Neumann

Vladimir Feix trinkt seinen Tee bevorzugt aus einer feinen Porzellantasse mit dem berühmten Zwiebelmuster. Denn er ist Generaldirektor der Porzellanmanufaktur Cesky Porcelan in Dubi (Eichwald). Doch heute macht er eine kleine Ausnahme. Der Tee kommt in einem Becher. Auch der ist verziert mit Zwiebelmuster. Oben aber ist das Gefäß luftdicht von einem blauen Deckel verschlossen. „Wir sehen die Notwendigkeit, schnell eine Lösung gegen Einwegprodukte aus Plaste zu finden. Und Porzellan kann Teil dieser Lösung sein“, erklärt Feix. Der Becher, aus dem er gerade trinkt, ist dabei gar nicht neu.

„Solche Modelle hatten wir bereits im Angebot“, sagt Petra Klazrova, Marketingchefin der Manufaktur. Neu ist dagegen der Deckel. Der scheint zunächst dem Ansinnen, Plaste zu verbannen, entgegenzustehen. Allerdings ist er aus Silikon und kann also theoretisch bis zu 100 000-mal gereinigt und verwendet werden, ohne dass sich irgendwelche Stoffe davon ablösen.

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„Das ist wichtig, denn nicht anders ließe sich der Einsatz von Silikon rechtfertigen“, sagt Klazrova. Den Deckel produziert die Manufaktur nicht selbst, hat bei der Auswahl des Lieferanten allerdings auf die Einhaltung strenger Richtwerte geachtet, vor allem jene, die die Verträglichkeit mit der Gesundheit betreffen.

Komplett aus Porzellan: Ein neuer Brunnen ziert jetzt das Firmengelände.
Komplett aus Porzellan: Ein neuer Brunnen ziert jetzt das Firmengelände. © Steffen Neumann

Entsprechend lang dauerte die Lieferantensuche und führte letztendlich nach Deutschland zu der Firma König Porzellan aus dem bayerischen Thiersheim. „Das treibt die Kosten in die Höhe. Der Deckel kostet paradoxerweise mehr als unser Becher“, so Klazrova weiter.

Doch mit rund 100 Kronen (umgerechnet 4 Euro) ist der Preis immer noch fair. „Natürlich geht das auch billiger, aber dann kommt der Deckel für 6 Kronen aus China, keine Hygienevorschriften wären eingehalten und die Farbe würde ausbleichen. Das wäre kontraproduktiv“, sagt Klazrova, „und würde nicht zu unserem Porzellan passen.“

Noch ist der Porzellanbecher für den Kaffee für unterwegs, oder „coffee to go“, wie es heute heißt, im Anfangsstadium. Aber Vladimir Feix ist davon überzeugt, dass er die Einwegprodukte ersetzen kann. „Wir gehören vielleicht zu den ersten in Tschechien, aber die Idee haben wir ja nicht erfunden. Im Ausland sind Mehrwegbecher bereits gang und gäbe“, sagt er und erinnert an eines seiner Vorbilder: die Keramikbecher für Glühwein auf den Weihnachtsmärkten in Dresden und Wien. „Auf dem Markt in Teplice sind wir die einzigen in Tschechien, die das anbieten.“

Die Manufaktur verhandelt derzeit mit ersten Partnern über einen großflächigen Einsatz der Öko-Becher. Als Abnehmer sind die Sandwich-Kette Crocodille oder der Fast-Food-Gigant KFC im Gespräch. Der Eishockey-Verein Verva Litvinov hat bereits Porzellan-Becher für das Freiluftspiel gegen Sparta Prag in Dresden geordert.

„Wir verhandeln auch mit der Tankstellenkette Benzina, aber die haben erst mal wegen Unklarheiten mit der Reinigung abgelehnt“, sagt Marketingchefin Klazrova. Dabei wäre das ein prima Instrument zur Kundenbindung. „Nur bei Benzina bekommt der Kunde wieder einen sauberen Becher.“ Klazrova sieht Potenzial für den Porzellanbecher überall, wo Becher eingesetzt werden, so zum Beispiel auch in Zahnarztpraxen.

Das Verwaltungsgebäude der Porzellanmanufaktur in Dubi (Eichwald).
Das Verwaltungsgebäude der Porzellanmanufaktur in Dubi (Eichwald). © Steffen Neumann

Wer sich einen Becher zulegen will, hat am Samstag dazu Gelegenheit. Da öffnet die Manufaktur mal wieder ihre Türen für die Öffentlichkeit. Das passierte bisher nur alle zehn Jahre. Diesmal können Besucher bereits nach fünf Jahren, zum 155. Jubiläum der Manufaktur, den Porzellanmalerinnen über die Schultern sehen.

„Bei uns arbeiten in der Tat fast nur Frauen, vielleicht nur zehn Männer“, sagt Klazrova. Für den Festtag wird in der Manufaktur extra am Samstag gearbeitet, um den Besuchern einen möglichst authentischen Eindruck zu vermitteln. Die Besucher kommen in kleinen Gruppen in alle Bereiche. Teil des Tages der offenen Tür ist auch ein großer Porzellanmarkt, auf dem die To-go-Becher verkauft werden.

Die Becher sind aber nur ein kleiner Teil im breiten Sortiment der Manufaktur. Allein das legendäre Zwiebelmuster-Porzellan umfasst aktuell 850 verschiedene Teile. Es wird seit 1886 in Lizenz der Porzellanmanufaktur Meißen hergestellt. Ein weiteres Standbein sind große Tassen, sprich Pötte, für Kaffee oder Tee. Die gehen vor allem nach Deutschland. „Die Deutschen scheinen echte Pott-Liebhaber zu sein“, mutmaßt Klazrova.

Zum Tag der offenen Tür gibt es noch eine echte Rarität zu sehen: ein neuer Brunnen, nur aus Porzellan. Er wurde vom Bildhauer Jiri Lastovicka entworfen und besteht aus über 300 Porzellan-Teilen. Er wiegt 640 Kilogramm. Nach fast acht Monaten Produktionszeit wird er am Samstag feierlich eingeweiht.

Besichtigung der Manufaktur: 24. August, 8-16 Uhr, Haupteingang Tovarni-Straße gegenüber Porzellanmuseum. Jeder Besucher erhält ein Geschenk.

www.cesky.porcelan.cz

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