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Kaffee Starke schwächelt

Der Umbau wird nun doch teurer als gedacht. Die Kaffeerösterei und die Konditorei stehen auf der Kippe.

Von Britta Veltzke

Der Traum von Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU) noch in diesem Jahr Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen auf dem Rathausplatz zu trinken, scheint geplatzt zu sein. Die Kosten für den Umbau des traditionsreichen Hauses sind unerwartet hochgestiegen: um rund 30 Prozent. Damit würde die Sanierung sowie der Einbau alldem, was nötig ist, eine Konditorei und eine Rösterei zu betreiben nun 1,7 Millionen Euro kosten.

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"Was hast du zu essen mit, Mama?"
"Was hast du zu essen mit, Mama?"

Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Das war das Ergebnis der letzten Aufsichtsratssitzung der städtischen Wohnungsgesellschaft (WGR), die das Gebäude übernommen hat, um es wieder herzurichten. Vor allem die hohen Anforderungen, die die Behörden an lebensmittelverarbeitende Betriebe stellen, haben die Kosten in die Höhe getrieben, heißt es aus dem Aufsichtsrat. „Es ist einfach Wahnsinn, was alles angeschafft und hergerichtet werden muss, um den Hygiene- und Sicherheitsstandards zu genügen“, sagt Aufsichtsrat-Mitglied Matthias Kirsten. Es werde nun neu kalkuliert. „Womöglich müssen Abstriche bei der Rösterei und der Konditorei gemacht werden. An den Wohnungen im ersten Stockwerk wird aber festgehalten“, sagt Kirsten.

Café, Rösterei, Konditorei, samt eigens dafür ausgebildetem Konditor – war das Projekt Kaffee Starke, das sich die städtische Magnet GmbH überlegt hat, womöglich überdimensioniert?

Die Oberbürgermeisterin antwortet auf diese Frage mit einem klaren und nachdrücklichen: „Nein!“ Die Kostensteigerung sei einfach nicht absehbar gewesen, sagt Gerti Töpfer. Für sie ist die Faktenlage nun klar: „Die gegenwärtige Planung überschreitet den Finanzrahmen. Dass das, was wir planen, am Ende bezahlbar ist, ist natürlich die Grundvoraussetzung.“ Von einem Baubeginn im Frühjahr hat sich Gerti Töpfer innerlich verabschiedet: „Der Start wird sich nach hinten verschieben. Das ist jetzt klar. Krampfhaft an einer Fertigstellung in diesem Jahr festzuhalten, wäre nicht sinnvoll“, sagt die Bürgermeisterin, die dem WGR-Aufsichtsrat vorsitzt. Klarer als Baustart und Eröffnungstermin ist für Töpfer hingegen das Ziel: „Wir halten daran fest, dass das Haus saniert wird und ein Café einzieht“, sagt sie.

Das hält auch Annett Margenberg, Vorsitzende der Werbegemeinschaft, für das Wichtigste: „Im jetzigen Zustand ist das Haus ein Schandfleck. Ich begrüße alles, was in der Ecke passiert, um die Umgebung aufzuwerten“, sagt sie.

Besonders Händler im hinteren Bereich der Hauptstraße haben ihre Hoffnung in die Umsetzung des ursprünglichen Projekts mit Rösterei und Konditorei gesetzt, um mehr Laufkundschaft anzuziehen. Margenberg jedoch hat ohnehin nie an das Kaffee Starke als Allheilmittel gegen die Probleme des Boulevards geglaubt. Dass das Konzept nun in abgespeckter Form umgesetzt wird, findet sie nachvollziehbar. „Wenn es nicht finanzierbar ist, geht es eben nicht anders“, sagt Margenberg. Sie hofft nun, dass das Kaffee Starke als „normales“ Café keine Konkurrenz für die Bäckerei am Markt wird. „Es ist keinem geholfen, wenn ein Laden öffnet und dadurch wieder ein anderer schließt“, sagt Annett Margenberg.

Seit vielen Jahren verfällt das Gebäude am Rathausplatz, in dem einst Kaffee geröstet wurde. Mehrere Versuche es wieder herzurichten, sind bereits gescheitert.