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Kaffeerösterei startet mit neuem Café

Eigentlich wollte Peter Büttner in Görlitz schon Ostern wieder eröffnen. Corona machte seine Pläne zunichte. Das Warten aber hat sich gelohnt.

Peter Büttner hat gut lachen: Seine seit Weihnachten geschlossene Kaffeerösterei auf der Rauschwalder Straße 48a eröffnet am Freitag endlich wieder.
Peter Büttner hat gut lachen: Seine seit Weihnachten geschlossene Kaffeerösterei auf der Rauschwalder Straße 48a eröffnet am Freitag endlich wieder. © Nikolai Schmidt

Eigentlich war das alles völlig anders geplant. Eigentlich wollte Peter Büttner mit seiner Kaffeerösterei die alten Räume in der Rauschwalder Straße 48a verlassen und in ein großes Lokal im Stadtzentrum ziehen. Dorthin, wo die Touristen sind. Fast alle Genehmigungen hatte er zusammen.

Bis auf eine: Vom Immissionsamt. Dort war die Sorge groß, dass der Kaffeegeruch die Nachbarn stören könnte. Der Katalysator, den er für den Preis eines Mittelklassewagens hätte kaufen wollen, reichte dem Amt nicht. „Ich hätte einen riesigen Schornstein bauen müssen, zwei Meter höher als das nächstgelegene Wohnhaus“, sagt er. Der wäre aber so schwer geworden, dass er von unten auf hätte breit und massiv errichtet werden müssen. Das war nicht drin, also gab der 57-Jährige auf. „Ein Jahr habe ich damit verschenkt“, sagt er.

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Am Ende fehlten Tischplatten

Stattdessen ist er in der Rauschwalder Straße geblieben, hat Weihnachten für eine Umbaupause geschlossen, wollte Ostern wieder öffnen – und wurde diesmal durch kein Amt, sondern durch Corona ausgebremst. „Die Baufirma beschäftigt polnische Mitarbeiter, die plötzlich nicht mehr über die Grenze kamen“, berichtet Büttner. Am Ende hing alles an neuen Tischplatten, die nicht geliefert werden konnten.

Aber jetzt ist alles fertig und – auch mit Hilfe von Fördermitteln aus dem europäischen Efre-Programm – schicker denn je. So wird Büttner am Freitag endlich wieder eröffnen. Was in der Schließzeit passiert ist, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Aus der Rösterei mit ihren vier Tischen ist ein richtiges Café für den Stadtteil geworden – mit 30 Sitzplätzen unter Wahrung der Corona-Abstandsregeln. Später sollen noch zwei, drei Tische hinzukommen, sodass dann etwa 40 Gäste sitzen können.

Rösterei bleibt der Schwerpunkt

Platz ist genug da, denn Büttner hat eine Wand herausgenommen und seine Fläche somit auf rund 100 Quadratmeter verdoppelt. Nur die Röstanlage steht nach wie vor da, wo sie immer stand. „Die Rösterei ist mein Schwerpunkt, das Café ist zusätzlich“, erklärt er. Aber ringsherum gibt es ja kein Café, sodass es eine Bereicherung für den Stadtteil sein kann.

Der größte Hingucker ist ein Wandbild, das der Görlitzer Künstler Torsten Bähler gesprüht und gemalt hat. Es zeigt – wie soll es anders sein – eine Kaffeeanbaulandschaft. Und es ist ein Suchbild. Zehn Tiere hat der Künstler darin versteckt – manche auf den ersten, manche aber auch erst auf den zehnten Blick zu erkennen. „Endlich mal keine Landeskrone“ ist der Satz, den Büttner schon mehrfach von begeisterten Betrachtern gehört hat. Aber alle zehn Tiere hat bisher kaum einer gefunden.

Büttner stellt Kaffeemarmelade her

Auch vieles andere ist komplett neu: Die Toiletten, die Küche, eine Abfüll- und eine Einschweiß-Maschine, die Verkaufsregale. In Letzteren steht bei Weitem nicht nur Kaffee, sondern auch alles, was irgendwie damit zu tun hat: Mühlen, Espressokocher in vier verschiedenen Farben, von Büttner selbst gemachte Marmeladen, die verschiedene Früchte und Kaffee enthalten, außerdem Schokoladen mit und ohne Kaffee. Demnächst kommt sogar noch Kaffeehonig hinzu. Imker ist Büttner aber nicht: Den Honig bezieht er von der „Windfege“ aus Friedersdorf bei Görlitz.

Dass er fast neun Monate Schließzeit wirtschaftlich überstehen konnte, hat vor allem einen Grund: Er hat die ganze Zeit über weiter geröstet. Seine 17 Kaffeesorten, die je nach Saison variieren, verkauft er längst nicht mehr nur im eigenen Laden, sondern unter anderem in zwei Rewe-Märkten, bei Edeka auf der Dresdener Straße, bei seiner Frau Regine im Görlitzer Fass, in der Landskron-Brauerei, im Salü und in einer Nieskyer Weinhandlung. „Demnächst nimmt auch eine Bäckerei meinen Kaffee ins Sortiment“, freut er sich.

Beim Denkmaltag mit dabei

Überhaupt sprüht er nur so vor Zukunftsplänen. So will er mit seinem Kaffee wieder mehr auf Außenveranstaltungen präsent sein, zum Beispiel auf der Naschallee und nächstes Wochenende beim Tag des offenen Denkmals. Und er will eigene Pralinen mit Kaffee herstellen. Allerdings wird es langsam zu viel für einen Einzelkämpfer. Deshalb ist er auf der Suche nach einem Konditor, der auch beim Verkauf hilft. „Den würde ich auch zum Rösten anlernen wollen“, sagt er. Wenn er jemanden hätte, könnte er das Café vielleicht auch am Wochenende öffnen. Ab diesem Freitag ist es erst einmal nur von Montag bis Freitag geöffnet, immer von 10 bis 17 Uhr.

Und wenn sich jemand findet, kann sich Büttner um die nächsten Zukunftspläne kümmern. Draußen will er zunächst mal einen Pavillon und zwei Tische aufstellen, später könnten noch weitere Tische hinzukommen. Drinnen sind jederzeit Familienfeiern für bis zu 40 Leute möglich, früher oder später will Büttner einmal im Monat zum Brunch einladen, Weinverkostungen von seiner Frau sind ebenfalls angedacht, vielleicht auch mal Musikabende mit Wein und leichtem Essen.

Laden hat sich herumgesprochen

Aber funktioniert all das in dieser Lage? Immerhin liegt die Rösterei etwas versteckt, nicht direkt an der Straße, sondern hinter dem Neubau des Cube-Fahrradladens. „Doch, doch“, sagt Büttner, „Touristen kommen zwar nicht, aber unter den Görlitzern hat es sich herumgesprochen.“ Seit die Hoy-Reha schräg gegenüber eingezogen ist, seien noch viel mehr Menschen auf die Rösterei aufmerksam geworden. Auch die Nachfrage nach Feierlichkeiten in seinen Räumen steigt. Die Wiedereröffnung am Freitag findet aber ohne große Feier statt. Peter Büttner kauft Sekt ein, bäckt Kuchen – und freut sich auf Gäste.

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