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Kahlschlag für besseren Hochwasserschutz

Dutzende Bäume, die zu nah am Weickersdorfer Dorfbach standen, wurden gefällt. Es soll Ersatz geben – an einem besseren Standort.

© Steffen Unger

Weickersdorf. Manch einer in Weickersdorf sieht es mit Argwohn, was Mitarbeiter des Bischofswerdaer Bauhofes seit einigen Tagen an „ihrem“ Dorfbach treiben. Erst setzten sie an einem langen Stück gleich hinterm Bürgerhaus die Säge an und fällten zahlreiche Bäume. In dieser Woche rodeten sie die Wurzeln mithilfe eines Kleinbaggers. Es ist licht geworden in der Weickersdorfer Ortsmitte. Ortsbewohner Günther Grohmann wundert sich darüber und wandte sich deswegen an die SZ. „Viele Jahre standen die Bäume am Bach, ohne dass es einen störte. Jetzt wurden sie alle gefällt. Fragen Sie doch mal nach, warum das geschieht. Haben sich vielleicht die Gesetze geändert?“, mutmaßt unser Leser.

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Eine Gesetzesänderung hat es nicht gegeben, ergab eine Nachfrage im Bischofswerdaer Rathaus. Stattdessen musste die Stadt handeln, vor allem im Interesse des Hochwasserschutzes. Rathaus-Sprecher Sascha Hache: „Die Kommunen sind für die Unterhaltung der Gewässer 2. Ordnung zuständig. Diese Zuständigkeit liegt bei der Stadt Bischofswerda in Verantwortung des kommunalen Bauhofs. Bei der Baumfällung entlang der städtischen Flächen handelt es sich um eine Gewässerunterhaltungsmaßnahme.“ Die Wurzelteller der Bäume gefährdeten diesen Angaben zufolge den Lauf des Baches. Durch Ansammlungen von Grüngut und Müll war ein einwandfreier Abfluss des Baches nicht mehr gegeben. Weiterhin zerstörten die Wurzeln den Randbereich so sehr, dass bereits Teile von diesem eingestürzt sind bzw. drohten, einzustürzen, erläutert der Stadtsprecher. Die Folge wäre eine Verschlammung des Baches einhergehend mit einem nicht mehr ordnungsgemäßen Abfluss des Wassers gewesen. „Schlimmstenfalls hätten bei Starkregen Überschwemmungen gedroht“, sagte Sascha Hache.

Der Bauhof leistet jedes Jahr für genehmigte Fällungen entsprechende Ersatzpflanzungen. Als Ersatz für die gefällten Bäume sollen noch in diesem Jahr auf einem naheliegenden städtischen Flurstück Erlen gepflanzt werden. Doch anders als die Bäume, die jetzt verschwunden sind, werden sie nicht mehr direkt am Bach, sondern ein Stück davon entfernt stehen.

Nur noch bis zum 28. Februar dürfen Bäume gefällt werden – ausgenommen nur der Forst. Das Baumfällverbot gilt nicht nur in Bischofswerda, sondern bundesweit. Festgeschrieben ist es im Bundesnaturschutzgesetz. Im Interesse des Artenschutzes von Tieren dürfen Bäume und Sträucher nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar eines Jahres beseitigt werden. Dabei regeln die Städte und Gemeinden in eigener Verantwortung, welche Bäume sie unter besonderen Schutz stellen. Dafür ist dann eine Fällgenehmigung erforderlich. In Bischofswerda betrifft das unter anderem alle Laubbäume mit einem Stammumfang von über einem Meter, gemessen in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden, Großsträucher mit einer Höhe von mindestens drei Metern sowie alle frei wachsenden Hecken. Obstbäume, Bäume und Sträucher in Kleingärten im Sinne des Kleingartengesetzes, Pappeln, Birken, Baumweiden und abgestorbene Bäume in Gärten und auf bebauten Grundstücken fallen in Bischofswerda dagegen nicht unter den Schutz der Baumschutzsatzung. Auch Nadelbäume wurden vor einigen Jahren daraus gestrichen. Das heißt, man darf diese Bäume ohne Genehmigung fällen, jedoch nur innerhalb der fünf Monate von Oktober bis Februar. (SZ/ir)