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Kahlschlag im Privatwald

Mitarbeiter des Staatsforstes fällen Bäume, die nicht ihnen gehören. Die Eigentümer des Waldstücks sind erbost.

Von Marcus Herrmann

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Der Schreck steht Gudrun Ulbricht und ihrer Tochter Anja ins Gesicht geschrieben. Ihr reichlich einen Hektar großes Waldstück am Tännicht der Gemarkung Ehrenberg durchzieht plötzlich eine Schneise. Wo vorher etwa 40 gesunde Buchen, Eichen und Fichten standen, herrscht jetzt Kahlschlag. Nur kleine, runde Stümpfe erinnern noch an Bäume. „Als ob das nicht ausreicht, ist auch unsere Futterkrippe umgekippt worden und kaputt“, sagt Gudrun Ulbricht empört. Vor genau zwei Wochen hat sich die Rodung ereignet. „Wir haben es erst gemerkt, als wir in unserem Waldstück nach dem Rechten sehen wollten. Und konnten es nicht glauben.“ Auch der eilig herbeigeholte Berater und Betreuer für Privatwälder des Forstreviers Hainichen Steffen Kühn, war im ersten Moment erstaunt, konnte den Vorfall jedoch schnell aufklären.

„Da an das Privatgrundstück ein Waldgebiet des Staatsforstes grenzt, konnte es sich in dieser Größenordnung nur um eine versehentliche Missachtung der Grenze durch Mitarbeiter des Staatsforstes handeln“, erklärt Kühn. Dort nachgefragt, wurde der Fehler auch eingestanden.

„Wir konnten anhand von Grundrissen des klar begrenzten Waldgebietes ja auch nachweisen, dass auf unserem Grund und Boden Bäume abgeholzt wurden“, ärgert sich Anja Ulbricht. „Diese Anzahl an gesunden Bäumen, die jetzt nicht mehr da ist, bedeutet für uns den Verlust von barem Geld“, ergänzt sie. Privatförster Steffen Kühn versteht die Aufregung, relativiert aber: „Der Schaden ist nicht so dramatisch. Wir sprechen hier nicht von Tausenden von Euro.“ Trotzdem sind Mutter und Tochter Ulbricht erbost. Dass einfach so – ohne Bescheid oder ein Zeichen des Staatsforstes – in ihrem Wald gerodet und obendrein die Futterkrippe beschädigt wird, wollen sie nicht auf sich sitzen lassen. Auf ein Entgegenkommen der Forstbehörde dürfen sie nach ersten Gesprächen mit Verantwortlichen aber durchaus hoffen.

„Wir räumen unseren Fehler ein und wollen dafür gerade stehen“, sagt Stefan Scholz vom Forstbezirk Chemnitz, Revier Mittweida. Er weist darauf hin, dass versehentliche Grenzüberschreitungen von Waldarbeitern des Staatsbetriebs sehr selten vorkommen. Das ändere aber nichts daran, dass man hier klar in der Verantwortung stünde, so Scholz. Deshalb hätten er und auch Privatforst-Betreuer Steffen Kühn das Gespräch mit den Besitzern bereits gesucht. „Eine Entschädigung für den entstandenen Schaden wird es von uns auf jeden Fall geben“, so Scholz. Konkret sollen die gerodeten Bäume aus dem Privatwald durch Holz aus dem angrenzenden Flurstück des Staatsforstes ersetzt werden. Das wolle man in den nächsten Wochen umsetzen, so der verantwortliche Förster. Außerdem wolle der Staatsforst helfen, die Flurstücke in Zukunft durch deutliche Markierungen besser abzugrenzen.

„Darüber hinaus haben wir ersatzweise neue Einpflanzung von Buchen angeboten, damit am betroffenen Waldstück bald wieder neuer Wuchs herrscht“, erklärt Scholz. Gudrun und Anja Ulbricht aber scheinen dem Frieden nicht zu trauen. „Natürlich hoffen und erwarten wir, dass wir den Schaden irgendwie ersetzt bekommen, auch wenn das kaum möglich ist“, sagt Gudrun Ulbricht. Sie werde aber das Gefühl nicht los, dass der Staatsbetrieb auf Zeit spielt und sich lange nichts tun wird. „Wir wissen nur, dass sich Herr Scholz im Verlaufe des Februars das erste Mal überhaupt persönlich ein Bild machen will“, sagt die 64-Jährige. Wann danach aber etwas passiert, darüber würden die Besitzer im Unklaren gelassen. Stefan Scholz sieht derweil keinen Grund zur Panik. „Leider ist es mir nicht eher möglich, mir das Gebiet anzusehen. Sobald das passiert ist, werden wir zeitnahe eine Lösung finden.“

Das hoffen auch die Ulbrichts. Noch einmal wollen sie so etwas nicht erleben. „Wir stecken seit Jahren viel Arbeit in den Wald. Auch wenn Ersatz geschaffen wird, bleibt das Erlebnis belastend“, sagt Anja Ulbricht. Sie wünscht sich, dass der Staatsforst in Zukunft mehr Sorgfalt walten lässt anstatt vorschnell zur Säge zu greifen.

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