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Meißen

Borkenkäfer machen Kahlschlag nötig

Die Tiere haben große Teile des Stadtwaldes vernichtet. Die Stadt rechnet mit einem Verlust von knapp einer Viertelmillion Euro.

Fichten fallen flächendeckend dem Borkenkäfer zum Opfer. Nossen trifft es besonders hart. Rund ein Viertel seines Stadtwaldes wird derzeit abgeholzt.
Fichten fallen flächendeckend dem Borkenkäfer zum Opfer. Nossen trifft es besonders hart. Rund ein Viertel seines Stadtwaldes wird derzeit abgeholzt. © Claudia Hübschmann

Nossen. In zwei Jahren wird es keine einzige Fichte mehr im Nossener Stadtwald geben. Auf rund 24 Prozent der knapp 143 Hektar großen Fläche stehen diese Nadelbäume. Aber nicht mehr lange. Seit Anfang Dezember vorigen Jahren musste mit der Rodung begonnen werden. Fichten auf einer Fläche von insgesamt 35 Hektar sind betroffen. Alle sind vom Borkenkäfer befallen. Noch etwa ein bis zwei Monate werden die Fällarbeiten dauern. Förster Steffen Kühn von Sachsenforst stellte in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend die Situation um den kommunalen Baumbestand vor.

Überall richtet der Borkenkäfer großen Schaden an. In Nossen allerdings besonders, da der Stadtwald im Vergleich zu anderen Kommunen einen hohen Anteil an Fichten besitzt. Für Nossen ein enormer finanzieller Verlust. Noch vor zwei Jahren hatten 35 Hektar Holz laut Kühn einen Wert von etwa 250.000 Euro. „Jetzt etwa noch 10.000 Euro“, erklärte er. Zwar könne das Holz der Fichten noch genutzt und damit verkauft werden – der Borkenkäfer befindet sich nur unter der Rinde – , aber aufgrund der vielen nötigen Abholzungen ist der Wert im Keller. Und Holz könne auch nicht ewig gelagert werden, sagte Kühn.

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Am Ende kostet die Rodung die Stadt also nichts, aber der Erlös ist eben sehr gering. Und das Wiederaufforsten ist teuer. „Ein Hektar kostet etwa 10.000 Euro.“ Zehn Hektar sollen in diesem Jahr wieder aufgeforstet werden. Als Ideen zur Finanzierung nannte Kühn Pflanzaktionen mit der Bevölkerung.

Auch in Nossen sind die Borkenkäfer aktiv. Das hat fatale Folgen.
Auch in Nossen sind die Borkenkäfer aktiv. Das hat fatale Folgen. © SZ/Uwe Soeder

In diesem Zusammenhang bat der Förster die Stadträte um Mitarbeit. Gemeinsam könnten Pflanzungen organisiert werden. In welcher Höhe es Fördergelder geben wird, weiß Kühn derzeit noch nicht. Entsprechende Programme sind noch nicht bekannt, mit den Zahlen sei im März oder April zu rechnen. Bisher gab es von der EU 75 Prozent der Investitionskosten.

Welche Baumarten neu gepflanzt werden sollen, steht aber schon fest. „Standorttypische Gehölze wie Eiche, Buche oder Ahorn.“ Fakt ist, „Fichten haben in unserer Region keine Zukunft mehr“, sagte der Förster. Doch welche Baumarten überleben können, sei noch unklar. „Standardrezepte seitens der Wissenschaft gibt es nicht“, sagte er. Die einheimischen Bäume wachsen seit Jahrhunderten hier, deshalb gehe man davon aus, dass sich diese Bäume auch jetzt mit der Klimaerwärmung arrangieren werden. Doch diese ist enorm im Vergleich zu den Jahrzehnten davor. „Ob ganz fremdländische Bäume in unser Gesamtökosystem passen, ist aber auch unklar“, erklärte Kühn. Zudem sind die Waldeigentümer auf Fördertöpfe angewiesen. Und bisher werden nur einheimische Nadelholzarten gefördert.

Doch wenn die Trockenheit weiter anhält, dann haben die jungen Pflänzchen keine Chance. Deshalb werde inzwischen lieber im Herbst oder Spätsommer angepflanzt, in der Hoffnung, dass „die Anwachswahrscheinlichkeit höher ist“, sagte Kühn. Pflanzungen im Frühjahr finden weniger statt. Zudem sei es günstig, sogenannte Container-Bäume zu setzen. Diese wurden bereits in einem Kunststoffbehältnis kultiviert und haben somit einen festen Wurzelballen, weshalb sie meist leichter als ein wurzelnackter Baum ohne Erde anwachsen.

Neben den Fichten besteht der Nossener Stadtwald aus zehn Prozent Kiefern und Lärchen. Beide Baumarten sind in Nossen noch nicht vom Borkenkäfer befallen, doch zukünftig könne dies auch passieren. Auf 66 Prozent der Waldfläche stehen überwiegend verschiedene Laubgehölze, den größten Anteil bildet dabei die Eiche mit 28 Prozent.

Doch nicht nur der Stadtwald ist gefährdet. Steffen Kühn, der auch für die Verkehrssicherung an Straßen verantwortlich ist, sagte: „Im vorigen Jahr sind durch die Trockenheit sehr viel mehr Laubgehölze abgestorben als in den Jahren zuvor.“