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Kahlschnitt vor der Haustür

Bäume und Koniferen müssen vor einem Wohnblock weichen. Die Mieter ärgert das – es gibt aber eine einfache Erklärung.

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Von Stephan Paul

Seit ein paar Wochen schaut Gudrun Neumann nicht mehr so gern von ihrem Balkon in der Lauschestraße 22. Der Grund: „Das ganze schöne Grün vor unserem Hauseingang ist verschwunden“, schildert die 74-Jährige. Dazu gehörten zwei Bäume, Koniferen und Blumenrabatten. „Zwei Wochen vor Weihnachten ist alles weggemacht worden“, sagt Frau Neumann und ergänzt: „Jetzt sieht es hier wieder so aus, wie damals, als wir eingezogen sind – grau und ziemlich dreckig.“ Und das ist jetzt 23 Jahre her. Gemeinsam mit ihrem Mann Johannes erinnert sie sich: Im Laufe der Jahre hat sich das Bild vor dem Neubaublock aber deutlich verbessert. Familie Neumann und die anderen Mieter haben sich lange Zeit um ihren Vorgartens gekümmert. „Wir haben die Hecken verschnitten und uns um die Blumenbeete gekümmert“, sagt die Olbersdorferin. Seit einigen Jahren hat das eine Zittauer Firma übernommen, die von der Wohnbaugenossenschaft Zittau beauftragt worden ist. „Die haben sich auch gut um alles gekümmert“, meint Frau Neumann. Die gleiche Firma war es schließlich, die den Auftrag für den Kahlschnitt von der Zittauer Wohnungsgenossenschaft, die Eigentümer des Blocks ist, bekommen hat. Der Grund für den Kahlschnitt lässt sich leicht erklären. Der Vorstandsvorsitzende der WG, Frank Sefrin, erklärt die Maßnahme: „Die Wurzeln der Koniferen und von einer Fichte haben im Erdreich Schaden angerichtet.“ So soll es mehrere undichte Stellen an Rohren geben, die durch den Wuchs verursacht worden sind. Deswegen war der Kahlschnitt notwendig.

Neue Bäume werden vor dem Wohnblock von Familie Neumann und den anderen Mietern nicht mehr gepflanzt. Das würde auch keinen Sinn machen, denn nach ein paar Jahren könnte wieder das gleiche Problem auftreten. „Wir pflanzen aber für jeden gefällten Baum an einer anderen Stelle einen neuen“, sagt Sefrin. Ob in Zukunft nur noch Gras oder zumindest noch Blumen gepflanzt werden, vermag Sefrin aktuell noch nicht zu sagen: „Da bin ich ehrlich gesagt überfragt, aber wir werden in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen.“ Die Mieter der Lauschestraße, inklusive Frau Neumann wünschen sich das jedenfalls: „Es müssen ja nicht unbedingt neuen Bäume oder Hecken sein, aber über eine gepflegte Blumenrabatte würden wir uns schon freuen.“