merken
PLUS Pirna

Kaiser, Könige und Zar auf dem Königstein

Eine Sonderausstellung erzählt von prominenten Gästen auf der Festung. Mit Leihgaben aus halb Europa.

Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH, und Kurator Andrej Pawluschkow an der alten Personenwaage, auf der viele gekrönte Häupter gewogen wurden, wie August der Starke und Preußens Soldatenkönig.
Dr. Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein gGmbH, und Kurator Andrej Pawluschkow an der alten Personenwaage, auf der viele gekrönte Häupter gewogen wurden, wie August der Starke und Preußens Soldatenkönig. © Marko Förster

August der Starke, Sachsens berühmtester Kurfürst, geboren vor 350 Jahren, wird gern als arg beleibter Monarch dargestellt. Ein richtiger Wanst galt im Barock als Zeichen von Wohlstand und Macht. Aber wie schwer war er wirklich? Das können die Besucher des Königsteins seit Sonnabend in der neuen Sonderausstellung in der Magdalenenburg erfahren – und dabei eine kleine Überraschung erleben.

In einem Wiegebuch sind die Daten überliefert. Am 6. Mai 1717, kurz vor seinem siebenundvierzigsten Geburtstag, brachte August, der auch König von Polen war, immerhin 121 Kilogramm auf die Waage. Bei einer Körpergröße von 1,76 Metern ist das schon beachtlich. Aber was wohl weniger bekannt ist: Er speckte in den nächsten zehn Jahren gehörig ab, fast vierzig Kilogramm. Am 2. September 1727 jedenfalls wog er nur noch 84 Kilogramm, um in den nächsten fünf Jahren wieder fast zwanzig Kilogramm zuzunehmen.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Die Waage Augusts des Starken

Die weitgehend im Original erhaltene Balkenwaage mit Sitzschemel, auf der sich August wiegen ließ, ist das wohl spektakulärste Objekt der Schau „Hohe Gäste auf Sachsens schönster Feste“, die wegen der staatlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie mit zwei Monaten Verspätung eröffnet wurde. Das öffentliche Wiegen auf höfischen Festen galt als willkommenes Unterhaltungsprogramm. Dafür ließ August 1712 im Johannissaal der Festung Königstein, dem heutigen Neuen Zeughaus, eine Personenwaage installieren.

Im Februar vergangenen Jahres fanden Mitarbeiter der Festung die verloren geglaubte Waage bei Aufräumarbeiten in einem Keller der Alten Kaserne. Für den Historiker Andrej Pawluschkow, der seit dreißig Jahren auf der Festung arbeitet und die Ausstellung kuratierte, ist das ein Glücksfall, erst recht, weil das dazu gehörige Wiegebuch erhalten geblieben ist, wenn auch nur in einer Abschrift.

Ein Blick in die Ausstellung: eine Büste von Napoleon und die Reproduktion eines Gemäldes von Canaletto.
Ein Blick in die Ausstellung: eine Büste von Napoleon und die Reproduktion eines Gemäldes von Canaletto. © Norbert Millauer

So wissen wir jetzt, dass Friedrich August II. deutlich schwerer als sein Vater August der Starke war, Preußens König Friedrich Wilhelm I. hingegen etwas leichter. Mit sagenhaften 226 Kilogramm ist Nicolo Pozzi, Sänger an der Königlichen Hofoper in Dresden, der Schwerste auf der Liste, Prinz Friedrich August III. indes mit 49 Kilogramm der Leichteste und zugleich der Letzte, gewogen am 28. Oktober 1877.

Nun befasst sich die Sonderausstellung nicht mit den körperlichen Dimensionen gekrönter Häupter oder Prominenter. Das Wiegebuch ist vielmehr eines der Dokumente, auf die Andrej Pawluschkow zurückgreifen konnte, um berühmte Gäste des Königsteins ins rechte Licht zu rücken. Die Idee dazu kam ihm, als er bei der Suche nach einem Gästebuch der Festung, um das Thema Tourismus zu beleuchten, in den Archiven auf sogenannte Eingangsjournale aus dem 18. und 19. Jahrhundert stieß.

Der Eintrag im Eingangsjournal über den Aufenthalt Canalettos auf der Festung am 21. Juni 1754.
Der Eintrag im Eingangsjournal über den Aufenthalt Canalettos auf der Festung am 21. Juni 1754. © Norbert Millauer

In diese wurden alle Gäste des Königsteins namentlich eingetragen. Weil es sich um eine militärisch genutzte Anlage handelte, war eine Besichtigung nur nach Genehmigung des Gouverneurs der Stadt Dresden gestattet – oder als offizieller Gast des Kurfürsten und später des Königs. 1806, mit Beginn der Napoleonischen Kriege, enden diese Journale. Vermutlich, sagt Pawluschkow, war die Festung danach zunächst für Besucher geschlossen. Aber er fand weitere Hinweise, in der Chronik, in Tagebüchern und anderen Schriftstücken.

So versammelt sich in diesen Tagen in Form von ausgezeichneten Gemälden – die Leihgaben kommen aus halb Europa – eine prominente Gesellschaft in der Magdalenenburg. Vor allem Adlige wie Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“, sein Sohn Friedrich II, der „Große“, Russlands Zar Peter I., Napoleon, Kaiser von Frankreich, Franz Joseph I., Kaiser von Österreich, sämtliche Kurfürsten und Könige Sachsens ab August dem Starken nebst Familien – sie alle waren auf dem Königstein.

Gut gelaunter Napoleon

Von manchen sind launige Anekdoten überliefert, etwa von Napoleon, der von Dresden nach dem Königstein geritten ist und am 20. Juni 1813 unangemeldet die Festung mit „Vergnügen“ besichtigte, wie die Chronik berichtet. Er war so gut gelaunt, dass er den Soldaten einen dreißigtägigen zusätzlichen Sold zugestand und den Abstieg zu Fuß statt in einer Sänfte bewältigte. Napoleons Sattel und seine Reitstiefel sind in der Ausstellung zu sehen.

Auch Wissenschaftler und Künstler besuchten den Königstein. Der Hofmaler Canaletto zum Beispiel, der die Festung malte, der Berliner Kupferstecher Daniel Nikolaus Chodowiecki, Carl Gustav Carus oder der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen, der Gast bei der Familie Serre in Maxen war. Sie alle zeigten sich vom Königstein beeindruckt. Die französische Porträtmalerin Louise-Élisabeth Vigée notierte im Februar 1795: „Die Festung Königstein ist eine der schönsten der Welt.“

Alexander von Humboldt, der 1797 auf der Festung Höhenmessungen vornahm, vermerkte in seinem Tagebuch, das sechs Wochen lang im Original zu sehen ist, dass die in der Reiseliteratur genannte Brunnentiefe von 900 Ellen (450 Meter) eine „Lüge“ sei. Das wusste freilich schon Peter der Große, der 1712 auf dem Königstein übernachtete und den Brunnen mit einem Seil auslotete. Tatsächlich ist er 152 Meter tief. Gewogen wurde der Zar indes nicht, jedenfalls gibt es keinen Eintrag im Wiegebuch.

Sonderausstellung bis 21. November, die Festung Königstein ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Mehr zum Thema Pirna