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Kalkreuther Landwirt wird in Riesa freigesprochen

Sieg vor Gericht für Georg Schlickenrieder.

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Es war an einem Sonntagmorgen, am 1. April vor zwei Jahren. Der 56-jährige Roland F. kam mit laut hupendem Auto auf den Reiherhof der Schlickenrieders in Kalkreuth gefahren. Dort lud er einfach zwei Rollen Dachpappe auf, weil er einen Teich anlegen wollte. Georg Schlickenrieder, der Hausherr, kam dazu und es ergab sich rasch ein kurzes Handgemenge. Wer als erstes zuschlug, ist nicht mehr ganz genau zu klären.

Auf Schmerzensgeld gehofft

Am Ende der Keilerei ging der an Schizophrenie und einem Herzfehler leidende Roland F. zu Boden, musste ins Krankenhaus gebracht werden und trug unter anderem einen Jochbein-Bruch davon. Der Invalidenrentner, der seit 2003 eine Betreuerin hat, klagte nun auf 5000 Euro Schmerzensgeld.

Georg Schlickenrieder war deshalb gestern vors Riesaer Strafgericht geladen und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Im Laufe der Verhandlung wurde ihm aber nur noch fahrlässige Körperverletzung zur Last gelegt. Doch auch die konnte ihm nicht nachgewiesen werden. „Man kann nicht sagen, dass der Angeklagte den Geschädigten mit gezielten Schlägen verletzt hat“, so Staatsanwalt Lässig. Viel mehr war es wohl so, dass er sich und sein Eigentum verteidigte. Inwieweit er dabei verhältnismäßig war, blieb ein Stück weit offen. F. und Schlickenrieder kannten sich zu dem Zeitpunkt nur vom Sehen.

Dem Landwirt kam gestern vor Gericht zu Gute, dass es nur zwei Zeugen des Vorfalles gibt: Schlickenrieders Eltern. Sie schilderten den Tathergang so, dass Roland F. zuerst auf ihren Sohn losging. Einen Disput über die gestohlene Dachpappe hätte es nicht gegeben.

Roland F. konnte sich selbst nur sehr unzureichend verteidigen. Der stämmige Kalkreuther konnte kaum sprechen und schaffte es nicht, das Gericht von seiner Opferrolle überzeugen. Auch die Akten der Polizei belegten nicht, dass F. sich mehr geschützt hat als selbst zu schlagen. Dass er stehlen wollte, ist ihm jedoch bewusst.

Letztlich ungeklärt blieben bestimmte Äußerungen. Roland F. hatte behauptet, Georgs Vater Armin Schlickenrieder hätte seinen Sohn vorm Weiterschlagen mit den Worten zurückgehalten: Der Mann ist Bluter. Armin Schlickenrieder sagte jedoch aus, dass er davon gar nichts gewusst habe. Hingegen will Georg Schlickenrieder Morddrohungen gehört haben. Dazu wurde Roland F. aber gar nicht befragt.

Obwohl Staatsanwalt Lässig als Vertreter der Anklage auf einen Vergleich und damit einen Täter-Opfer-Ausgleich hinauswollte, blieb Verteidiger Peter Pohl bei der Forderung nach Freispruch seines Mandanten. „Jeder hat das Recht, sein Eigentum angemessen zu verteidigen“, so der Anwalt. „Was muss man sich als Opfer denn noch gefallen lassen?“

Verletzungen tun ihm leid

So wurde Georg Schlickenrieder freigesprochen, weil er offensichtlich aus Notwehr gehandelt hat. Es blieb am Ende die Erkenntnis, dass er vom Diebstahl überrascht war und dementsprechend reagierte. „Die schweren Verletzungen von Roland F. tun ihm leid“, sagte Schlickenrieders Verteidiger. Er machte aber auch klar, dass Rückforderungen der Krankenkasse anstehen und er bei einem anderslautenden Richterspruch in Berufung gegangen wäre.K.Krüger-Mlaouhia