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Kaltwasser: Hilfe zur Selbsthilfe

Die Gemeinde Neißeaue kämpft nicht nur um das Fortbestehen ihres Schulstandortes, sondern auch um den Erhalt der drei kommunalen Kindergärten. Dazu gab es am Dienstag eine erste öffentliche Diskussion im Gemeinderat in Kaltwasser.

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Von Ullrich Martin

Jerzy Stroiny fuhr am Dienstag, eine Stunde vor Mitternacht, mit einem besonders dicken Paket über die Neiße zurück nach Polen. Der Bürgermeister der Stadt und Gemeinde Piensk hatte über 1000 Imagebroschüren im Gepäck, die er zuvor während der Sitzung des Gemeinderates der Partnergemeinde Neißeaue erhielt. Stroiny wertete diese zweisprachige Broschüre (SZ berichtete bereits über deren Inhalt) „als sehr gelungen, um die Beziehungen weiter zu vertiefen und die bisherigen Gemeinsamkeiten noch besser zu repräsentieren.“ Diese Gemeinschaftsinitiative auf buntem Papier, kofinanziert durch die Europäische Union, wird vor allem im Hinblick auf den Beitritt Polen in die EU am 1. Mai nächsten Jahres mit dazu beitragen, dass die Menschen beiderseits der Neiße erfahren und verstehen, „wie sich der Aufbruch unserer Region nach Europa vollzieht.“ Darüber waren sich Deutsche und Polen einig.

Einig waren sich der Piensker Bürgermeister und sein Amtskollege aus der Neißeaue, Hermann Walter, aber auch darüber, dass es mit dem von polnischer Seite vorgeschlagenen Bau einer ständigen Fußgängerbrücke bis zum 1. Mai 2004 nichts werde. Der Grund seien die knappen Haushaltskassen. „Aber“, sagte Walter, „wir werden auf lange Frist mit den Polen in der EU leben.

Dazu bedarf es schneller Lösungen.“ Eine Lösung, allerdings nur für drei Tage, wird es schon am Beitrittstag des östlichen Nachbarn geben: Die polnische Armee baut eine Brücke über den Grenzfluss, ähnlich wie beim nun schon traditionellen Brückenfest. „Ohne großes politisches Getue. Die Menschen sollen was draus machen an diesen Tagen“, wie der Gemeinderat versicherte.

Heiß diskutiert wurde zum Tagesordnungspunkt „Konzeption zur weiteren Entwicklung der kommunalen Kindergärten“. Der Ausgangspunkt dazu, niedergeschrieben in einem wirtschaftlichen Gutachten: Die Gemeinde leistet sich mit ihren drei Einrichtungen „einfach zu viel“. Sie sind zu unrentabel von der Kinderzahl her, Sach- und Personalkosten und der Druck zum Dichtmachen „von oben“ tun ein übriges.

Der Bürgermeister nannte Zahlen: In der Gemeinde werden 57 Kinder betreut, in Kaltwasser 12 (Kapazität 15), in Deschka 16 (25). Groß Krauscha liegt da mit 29 Kinder noch gut im Rennen. Dazu kommt der kirchliche Kindergarten in Zodel, der voll ausgelastet ist.

Die 25 Gäste, die ihr Heimrecht in Kaltwasser bei dieser öffentlichen Sitzung nutzten, waren gekommen, um nicht gegen eine eventuelle Schließung ihres Kindergartens schon im kommenden Frühjahr zu protestieren. Im Gegenteil. Junge und ältere Kaltwasseraner machten gemeinsam mit dem Gemeinderat Vorschläge, wie sie die Einrichtung erhalten wollen. Da war von ehrenamtlicher Betreuung ebenso die Rede wie von freiwilligen Bauleistungen. Zwei Rentner brachten es auf den Punkt: Ihr könnt alles machen, aber nehmt uns nicht den Kindergarten. Gleichzeitig beteuerten Sie: Wenn Ihr uns braucht, dann machen wir auch mit! Bürgermeister Walter bezeichnete diese Bereitschaft als „Hilfe zur Selbsthilfe.“

Das Fazit dieses Tagesordnungspunktes: In den nächsten Wochen werden Gesprächsrunden in den Kindergärten geführt, um Lösungen zu finden. Ende November erfolgt im Rat eine weitere Runde. Und: Gemeinderat und Bürger sind sich einig, dass bei Senkung der Kosten und dem Ausnutzen örtlicher Ressourcen alle drei Kindergärten überleben können.