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Schülerlotse weg: Eltern schlagen Alarm

An einer viel befahrenen Straße in Kamenz fehlt seit Schuljahresbeginn der Verkehrshelfer. Das ist für die Kinder gefährlich.

Wenn Kinder auf dem Schulweg viel befahrene Straßen überqueren müssen, sollte ein Schülerlotse vor Ort sein. In Kamenz fehlt es derzeit an der Pulsnitzer Straße an einem engagierten Verkehrshelfer. Die Stadt würde sich über Interesse freuen.
Wenn Kinder auf dem Schulweg viel befahrene Straßen überqueren müssen, sollte ein Schülerlotse vor Ort sein. In Kamenz fehlt es derzeit an der Pulsnitzer Straße an einem engagierten Verkehrshelfer. Die Stadt würde sich über Interesse freuen. © Symbolfoto: dpa

Kamenz. Seit 2012 stand Lothar Knoll in der Schulzeit an der Pulsnitzer Straße und leitete die Grundschüler vom Gickelsberg sicher über selbige. Montag bis Freitag, bis zu drei Stunden am Tag. Bei Wind und Wetter, Regengüssen, Sonne oder Schnee. Gern hat er das gemacht, auch wenn das Aufstehen manchmal schwerfiel. Und manch ein Autofahrer nicht der netteste war. Nun ist Lothar Knoll nicht mehr da. Nach sieben Jahren Kellewinken ist Schluss. Und kein anderer wollte bislang seinen Posten übernehmen.

Das stößt vielen natürlich gerade zum Schuljahresbeginn sauer auf. Vor allem den Eltern der Abc-Schützen, die mittlerweile bald ihre dritte Schulwoche beginnen. Auch über die großen Ferien hat sich niemand auf die Ausschreibung für die ehrenamtliche Tätigkeit gefunden. Kein Wunder – muss man schon Frühaufsteher sein und gegen Mittag auch eventuell noch einmal eine Stunde zur Verfügung stehen. Das ist genau immer dann, wenn andere sich gern noch einmal im Bett umdrehen oder einen Mittagsschlaf einlegen. Der Job wäre ansonsten eigentlich für Rentner wie gemacht. Was also tun?

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Job für Frühaufsteher

„In der Stadt Kamenz gibt es zurzeit zwei Stellen, an denen Schulweghelfer benötigt werden. Der eine hat seinen Ort an der Grundschule am Forst. Diese Stelle ist glücklicherweise schon besetzt“, so Rathaussprecher Thomas Käppler. „Bei der anderen handelt es sich um die besagte Stelle an der Pulsnitzer Straße. Der dortige Schulweghelfer wird für die Grundschule am Gickelsberg in Höhe der Zufahrt Richtung Herrental am Roten Turm eingesetzt, da hier die Grundschüler die stark befahrene Pulsnitzer Straße queren müssen“, heißt es. Zwischen 7 und 8 Uhr müsste der Schülerlotse also zur Verfügung stehen. Das würde fürs Erste den Bedarf Abdecken. Die meisten Schüler werden nach der Schule von ihren Eltern aus dem Hort abgeholt. „Wir danken auf diesem Weg auch noch einmal Lothar Knoll für seine ehrenamtliche Tätigkeit“, sagt Thomas Käppler. Und da die Betonung auf „ehrenamtlich“ liegt, kann man sich vorstellen, dass es mit der Vergütung nicht so ganz üppig aussieht.

Mit Aufwandsentschädigung

Die Bezahlung erfolgt auf der Grundlage der „Satzung der Stadt Kamenz über die Entschädigung für ehrenamtliche Tätigkeit“. So ist in dieser in Paragraf 1 geregelt, dass der Durchschnittssatz bei einer zeitlichen Inanspruchnahme von beispielsweise bis zu drei Stunden 15 Euro beträgt. Daraus ergibt sich zwar ein nettes kleines Zubrot, aber auch nicht viel mehr. Enthusiasmus muss man schon mitbringen für den Job. Selbstverständlich sei der Schulweghelfer während seines Ehrenamtes aber versichert. Die Stadt sucht nun händeringend nach Interessenten – unter anderem auch Eltern, Großeltern, Rentner – die die Zeit aufbringen können, während der Schulzeit fünfmal pro Woche und bei jeder Witterung vor Ort zu sein, um den Grundschülern beizustehen.

Wie attraktiv das Ganze für Langzeitarbeitslose oder Hartz IV-Empfänger ist, muss im Einzelfall auf dem Amt hinterfragt werden. „Eine pauschale Aussage ist nicht möglich, denn die Rahmenbedingungen eines jeden ALG II-Empfängers sind individuell. Inwieweit es also empfehlenswert ist, dieses Ehrenamt zu leisten, kann daher nur individuell beantwortet werden“, sagt Thomas Käppler. „Vielleicht gäbe es aber auch den Beweggrund, wieder mehr unter Menschen zu kommen?“ Die Stadtverwaltung würde sich jedenfalls sehr freuen, wenn sich jemand findet.

Übrigens: In Großbritannien werden Schülerlotsen als sogenannte „Lollipop-Man / Lady“ bezeichnet, da sie ein mannshohes Stoppschild in der Hand halten, das wie ein riesiger Dauerlutscher aussieht. Sowohl ihre Uniform als auch das Schild sind überwiegend in gelber Leuchtfarbe mit weißen Reflektoren-Streifen gehalten. Ganz so aufregend wird es in Kamenz und Deutschland nicht gehandhabt. Man sieht aber die Gewichtigkeit, die andere Länder darauf legen. Egal wie: Auch die Schüler der Gickelsbergschule brauchen dringend wieder ihren Schülerlotsen.

Für weitere Infos, besonders was die genauen Anwesenheitszeiten betrifft, sollten sich Interessenten mit dem Sachgebiet Jugend und Soziales, Frau Jannasch, unter Telefon 03578 379232 in Verbindung setzen.

Was tut ein Schülerlotse?

Ein Schülerlotse (offizielle Bezeichnung in Deutschland: Verkehrshelfer) hat die Aufgabe, Schülern das sichere Überqueren einer Straße zu ermöglichen.

Am Lotsenpunkt werden die Schüler einzeln oder in kleinen Gruppen über die Fahrbahn geleitet. Hierzu wartet der Schülerlotse eine genügend große Lücke im Verkehrsstrom ab.

Er macht sich gegenüber den Verkehrsteilnehmern mittels seiner Schülerlotsenkelle bemerkbar.

Den Verkehr anhalten dürfen Schülerlotsen nicht, sondern sie geben den Fahrzeugführern durch ein deutliches Zeichen zu erkennen, dass Kinder am Schutzweg die Fahrbahn queren wollen.

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