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Bischofswerda

Kamenz kämpft um den Kaiser

Großveranstaltungen bleiben vorerst verboten. Was heißt das für die Hutberg-Saison, den Bautzener Theatersommer und andere Events im Landkreis?

Roland Kaiser steht für den 29. August auf der Kamenzer Hutbergbühne im Programm. Darf er auftreten?
Roland Kaiser steht für den 29. August auf der Kamenzer Hutbergbühne im Programm. Darf er auftreten? © Archivfoto: kairospress

Bautzen/Kamenz. Großveranstaltungen sind wegen der Corona-Pandemie vorerst bis zum 31. August verboten. Pech für alle Roland-Kaiser-Freunde, die den Star zwei Tage vor Ablauf dieser Frist auf der Hutbergbühne Kamenz erleben wollen? 

Kamenz kämpft um das Konzert. Oberbürgermeister Roland Dantz: "Wie kann es sein, dass das Konzert mit Roland Kaiser am 29. August möglicherweise ausfällt, das Lollapalooza-Festival eine Woche später in Berlin  aber stattfinden darf?"  Aus seiner Sicht  sollte man über Ausnahmen für Veranstaltungen nachdenken, die  wenige Tage vor dem 31. August geplant sind, wenn bestimmte Sicherheitsanforderungen, wie das Tragen von Mund-Nasen-Masken oder die Begrenzung der Teilnehmerzahl, erfüllt sind. 

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Es sei sinnvoll, sagt Roland Dantz, Szenarien zu entwickeln, die an bestimmte Lagebeschreibungen  gebunden sind und einen Katalog von Kriterien beinhalten, bei deren Erfüllung die eine oder andere Veranstaltung  doch genehmigt werden könnte.

"Die Festlegung eines festen Termins hat den Vorteil, dass sie auf ihre Weise im Sinne eines radikalen Schnitts des Davor und Danach eindeutig ist. Das andere – in unseren Augen flexiblere - Vorgehen böte die Möglichkeit, zeitnah auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren", sagt er. Allein auf der Hutbergbühne sind im Juli und August fünf hochkarätige Konzerte geplant - angefangen mit DJ Bobo am 11. Juli.

Bisher keine Definition für Großveranstaltungen

Mit seinem Wunsch nach Flexibilität steht Roland Dantz nicht allein. Um planen zu können, brauchen Veranstalter verlässliche Grundlagen. Doch die gibt es bisher nicht. Was eine Großveranstaltung ist, wurde bisher vom Freistaat Sachsen nicht definiert. Zwar hieß es wiederholt, darunter würden Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern fallen. Doch rechtlich verbindlich sind diese Aussagen nicht.  

Bund und Länder haben sich verständigt, dass Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt bleiben, weil sie in der Infektionsdynamik eine große Rolle spielen. Das Gesundheitsministerium erklärt dazu: "In unserer aktuellen Corona-Schutz-Verordnung haben wir dies noch nicht festlegen können, da diese nur bis zum 3. Mai gilt. Zur Anzahl von Teilnehmern für eine Großveranstaltung ist in Sachsen nichts festgelegt."

Wegen der nicht vorhersagbaren Dynamik der Krise und der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Entwicklung der Infektionszahlen könne das Ministerium zurzeit  keine Aussagen zu künftigen Festlegungen treffen. 

Für Theatersommer schon 10.000 Karten verkauft

Für den Bautzener Theatersommer hat das Deutsch-Sorbische Volkstheater bereits  von sich aus Vorkehrungen  für den Infektionsschutz getroffen. 998  Zuschauer finden auf den Traversen im Hof der Ortenburg Platz. Verkauft werden für jede Vorstellung aber nur maximal 500 Karten, um zwischen den einzelnen Besuchergruppen einen Sicherheitsabstand zu gewährleisten,  sagt Intendant Lutz Hillmann. Er steht auch einer Mund-Nasen-Schutzpflicht aufgeschlossen gegenüber.

Der Theatersommer zählt aus seiner Sicht nicht zu den Großveranstaltungen. "Natürlich werden wir  alle Hygienevorschriften erfüllen, um die Besucher, aber auch unsere Mitarbeiter zu schützen." 

10.000 Karten wurden für den Theatersommer bereits verkauft oder reserviert, größtenteils per Mail oder Telefon, weil die Theaterkasse erst seit diesem Dienstag wieder geöffnet ist. "Diese  große Nachfrage zeigt die Sehnsucht der Menschen nach Normalität", sagt Lutz Hillmann. 

Für Lebensart-Messe läuft die Planung weiter

Mit kreativen Vorschlägen im Sinne des Infektionsschutzes planen auch andere Veranstalter, wie das Unternehmen Das Agenturhaus aus Lübeck, das jedes Jahr im Juni die Messe LebensArt in Großharthau ausrichtet. Um die Abstände zwischen den Ständen zu vergrößern, könne man im Schlosspark beispielsweise eine noch größere Fläche als bisher belegen, sagt Geschäftsführer Martin Schmidt. 

Da das Gelände abgesperrt ist und man durch den Eintritt einen Überblick über die Zahl der Menschen hat, die sich darauf gerade aufhalten, ließe sich die Zahl der Besucher regulieren. "Erforderlichenfalls müssen wir Gäste am Eingang bitten, eine Stunde zu warten und einen kleinen Spaziergang zu machen", sagt Martin Schmidt. Um Besucherströme zu entzerren, könnte er sich sogar vorstellen, die LebensArt in diesem Jahr um einen vierten Tag zu verlängern.

Alles das sind Vorschläge, von denen noch nicht klar ist, ob sie eine Chance auf Realisierung bekommen. Das von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder vereinbarte Pauschalverbot von Großveranstaltungen bis Ende August habe bei Veranstaltern, Mitarbeitern, Ausstellern und Lieferanten für eine große Verunsicherung gesorgt, sagt Martin Schmidt gegenüber Sächsische.de.

Rammenauer Leinentage in abgespeckter Form?

So steht es auch in einer Mail, die er unmittelbar nach Bekanntwerden der Festlegung an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) sowie die Minister Roland Wöller (CDU) und Martin Dulig (SPD) geschrieben hat. Darin bittet Martin Schmidt, "möglichst unter Einbeziehung der Expertise der Veranstaltungswirtschaft einen differenzierten Kriterienkatalog zu entwickeln, der eine fundierte Planung und eine ebensolche Prüfung durch die zuständigen Ämter möglich macht".

Es sei ein Unterschied, ob eine Veranstaltung beispielsweise in einer Halle oder Open Air stattfindet, ob jeder freien Zugang hat oder Eintritt erhoben wird, ob internationales Publikum erwartet wird oder die Besucher vorwiegend aus der Region kommen, ob es ein Bühnenprogramm gibt oder die Gäste eine weitläufige Fläche nutzen können. 

Martin Schmidt betont den Charakter der LebensArt als Markt. Daran orientiert sich auch das Barockschlosss Rammenau bei der Planung der diesjährigen 25. Leinentage Ende August. Schlossleiterin Ines Eschler: "Unsere Vorstellungen gehen in die Richtung, die Leinentage in Form eines Marktes als reine Open-Air-Veranstaltung durchzuführen." Die Aussteller würden dann nur den Wirtschaftshof und den Park, nicht die Schlossgebäude nutzen. Das Bühnenprogramm müsste wahrscheinlich ausfallen. "Wir prüfen, was möglich ist", so Ines Eschler.

Erste Stadtfeste sind bereits abgesagt

Auch hinter den Stadtfesten steht ein Fragezeichen. Erste Feste, wie der Bautzener Frühling und das Bierstadtfest in Radeberg, wurden bereits abgesagt. Pulsnitz hat sein für Mai geplantes Stadtfest auf das Wochenende vom 18. bis 20. September verschoben. Organisator und Eventmanager Thomas Träber aus Kamenz habe mit allen Künstlern und Ausstellern telefoniert und um ein passendes Wochenende gerungen. 90 Prozent der Programmpunkte habe er jetzt im Kasten. Aber immer noch alles unter Vorbehalt.

In Großröhrsdorf wird es in diesem Jahr kein Einigkeitsfest geben, das habe aber schon vor dem Ausbruch der Pandemie festgestanden, sagt die Präsidentin des Einigkeitsvereins, Ute Wirth. Der habe derzeit nicht die Kraft, ein Fest in der Größenordnung zu organisieren, so dass ein Sommerfest in kleinerem Rahmen mit Vogelschießen und Entenrennen im Gespräch war, um die Traditionen hoch zu halten. Unter den jetzigen Umständen ruhe die Vereinsarbeit. Ute Wirth: Volksfeste sollen ja erst ganz zum Schluss wieder erlaubt werden.

Andere Veranstalter warten noch ab. In Bischofswerda ist für Mittwochabend eine Beratung der Aktionsgemeinschaft Schiebocker Tage 2.0 anberaumt. 

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