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Kamenz legt Baselitzhaus auf Eis

Die Unterhaltung des angestrebten Museumsfür moderne Kunst istnicht gesichert. Die Stadt hat dafür kein Geld.

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Von Frank Oehl

Seit mehr als zwölf Jahren sucht die Stadt Kamenz eine sinnvolle Nachnutzung für das alte Krankenhaus am Damm. Das war stets auch eine museale Aufgabe, schließlich hatte hier im 19. Jahrhundert Gottfried Bönisch mit dem Barmherzigkeitsstift eines der ersten sächsischen Krankenhäuser in öffentlicher Hand gegründet. Fast zehn Jahre alt sind die Pläne, daraus ein Georg-Baselitz-Haus zu machen, das dem Schaffen des weltbekannten Malers gewidmet ist. Die Investition wäre noch zu stemmen gewesen, die Unterhaltung offenbar nicht. Jetzt kam der Georg-Baselitzhaus-Verein zusammen, um sich die Karten ganz neu zu legen. Die SZ erläutert das Ergebnis:

Hat sich die Stadt von dem Baselitzhaus verabschiedet?

Ja, bis auf Weiteres. Jedenfalls sind die Voraussetzungen für das Vorhaben nicht mehr gegeben, so dass es „auf Eis gelegt wird“, wie Baselitzvereinschef Bernd Asselmann sagt. Land und Bund wollten gemeinsam mit der Stadt den Umbau finanzieren. Dafür standen fünf bis sechs Millionen Euro unter anderem über die Städtebauförderung parat. Kamenz hatte den Beschluss gefasst, eine Million Euro für die Investition solange beiseite zu legen, bis es losgehen kann.

Woran ist das Baselitzhaus-

Vorhaben gescheitert?

Eindeutig an den ungeklärten Unterhaltungskosten für das Kunstmuseum. Sie hätten mindestens 400000 Euro im Jahr betragen. Selbst bei einem guten Zuspruch von Kunstinteressierten nicht nur aus der Region und Sachsen, wären etwa 120000 Euro Zuschuss nötig gewesen. Kamenz hat immer erklärt, dazu nicht imstande zu sein und eine Lösung mit dem Landkreis angestrebt. Dabei war auch eine Kombination mit dem Museum der Westlausitz im Gespräch gewesen. Dessen Leiterin Friederike Koch hatte ein Stiftungskapital von etwa vier Millionen Euro errechnet, um das Defizit mit den Zinsen auszugleichen. Mittlerweile kursieren sogar 5 bis 10 Millionen Euro.

Warum hat die Stiftungsidee

keinen Erfolg gehabt?

Die Finanzkrisen von 2008/09 und 2011 waren Kunstprojekten eher abträglich. Es ist nicht gelungen, geldkräftige Mäzene für das Baselitzhaus zu begeistern. Stattdessen wurde die Idee verfolgt, das Haus an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu binden. Der Weggang des Kurators nach London hat diesen Weg verbaut. Jetzt soll Georg Baselitz, der mehrfach seine Bereitschaft erklärt hatte, Werke zur Verfügung zu stellen, über die neue Lage ins Bild gesetzt werden. Man will anfragen, ob Baselitz selbst Investoren oder Stifter aus seinem weitläufigen Bekanntenkreis gewinnen könnte.

Hält die Stadt die eine Million Euro weiter auf der Halde?

Nein, Oberbürgermeister Roland Dantz, der die Stadt selbst im Vorstand des Baselitzhaus-Vereins vertritt, hat klargestellt, dass das Geld nicht mehr zur Verfügung steht. Es fließt zum Beispiel auch in den beschlossenen Erwerb einer Industriefläche am Ochsenberg.

Wird sich der Baselitzhaus-

verein jetzt auflösen?

Eher nicht. Die etwa 20 Mitglieder sind aufgerufen, sich bis Mitte März zu überlegen, ob man auch für ein modifiziertes Vereinsziel zur Verfügung stehen würde. Eine klare Mehrheit tendiert dazu, die anderen müssten austreten, heißt es aus dem Verein.