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Keine Kurzarbeit bei Accumotive

Während bei anderen Automobilzulieferern die Bänder stillstehen, geht die Produktion in den Kamenzer Batteriefabriken weiter. Was läuft hier anders?

Der Parkplatz vor dem Kamenzer Werk der Mercedes-Tochter Accumotive ist voll. Hier läuft die Produktion normal weiter - und das obwohl sie in vielen Autofabriken derzeit ruht.
Der Parkplatz vor dem Kamenzer Werk der Mercedes-Tochter Accumotive ist voll. Hier läuft die Produktion normal weiter - und das obwohl sie in vielen Autofabriken derzeit ruht. © René Plaul

Kamenz. Der Parkplatz vor dem Kamenzer Werk der Mercedes-Tochter Accumotive ist voll wie immer. Hier wird offensichtlich ganz normal gearbeitet. Ein paar Kilometer weiter in Straßgräbchen ein ganz anderes Bild. Bei der TD Deutsche Kompressoren GmbH (TDDK) ist der Parkplatz wie leer gefegt. Wenige Autos zeugen vom kleinen Krisenstab, der im Werk die wichtigsten Funktionen überwachen und am Laufen halten muss. 

Beides sind Automobilzulieferer. Bei TDDK sind die Aufträge weggebrochen. Hintergrund ist der Stillstand in der Autoindustrie infolge der Corona-Krise - europaweit. Deshalb stehen, so begründet es TDDK, die Bänder der Klimakompressoren-Produktion still. Die Kompressoren sind das Herzstück der Autoklimaanlagen. Mit Blick auf die seit Tagen eingestellte Produktion betont das Unternehmen zudem, dass ihm die Gesundheit der Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen sei. 

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Schichtübergabe nur noch digital

Was ist anders bei Daimler? Das fragt sich mancher in Kamenz. Es seien ja sehr viele Mitarbeiter in den großen Fabriken und man solle doch Mindestabstände einhalten. Zweifel werden laut, ob das immer möglich ist. Es könnte ja auch die Produktion insgesamt gefährdet sein, wenn sich der Virus einschleicht.

„Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter steht für Daimler an erster Stelle“, versichert Daimler-Sprecherin Stefanie Krugsberger. Gerade für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion habe das Unternehmen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ergriffen. Die seien auch mit dem Betriebsrat abgestimmt.

So habe das Unternehmen die Schichten vollständig entkoppelt, sodass sich Mitarbeiter im Schichtwechsel nicht mehr begegnen. Die Schichtübergabe erfolge auf digitalem Weg. Das Ziel sei eine maximale Reduzierung der persönlichen Kontakte.

Die Sprecherin will Sorgen ausräumen und versichert: „Wir achten darauf, dass unsere Beschäftigten während der Arbeit einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten.“ Zudem gebe es jetzt eine flexible Schichtaufteilung für Beschäftigte mit Kindern, Pausenzeiten seien entzerrt und Gruppentreffen durch die digitalen Schichtübergaben minimiert worden. Die Hygienemaßnahmen habe man weiter intensiviert.

Nähere Details dazu nennt die Sprecherin nicht. "Sofern es die Aufgabe zulässt, arbeiten auch unsere Beschäftigten in Kamenz mobil von zu Hause", setzt sie aber hinzu. Das Unternehmen sei zugleich mit Behörden im Gespräch, um die Schutzvorkehrungen anzupassen: „Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau.“

1.300 Mitarbeiter in zwei Werken

Und warum geht nun der Stillstand der Automobilindustrie derzeit scheinbar an Accumotive vorbei?  Stefanie Krugsberger spricht von „wichtigen strategischen Anlaufthemen“, also einer Anlaufphase wie eben in der Elektromobilität. Diese Bereiche seien von Arbeitsunterbrechungen und Kurzarbeit ausgenommen. Dazu gehören innerhalb der Elektro-Offensive von Mercedes die Batteriefabriken in Kamenz: „Deshalb läuft der operative Betrieb dort weiter“, so Stefanie Krugsberger.

Die Deutsche Accumotive produziert am Standort Kamenz als 100-prozentige Tochter der Mercedes-Benz AG seit 2012 Antriebsbatterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge von Mercedes-Benz und Smart sowie Nutzfahrzeuge. In den beiden Batteriefabriken sind derzeit rund 1.300 Mitarbeiter beschäftigt. Gerade diese Fabriken seien „ein wichtiger Teil des globalen Batterie-Produktionsverbunds von Mercedes-Benz Cars mit Standorten auf drei Kontinenten“, sagt Krugsberger.

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