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Kamenz und Pulsnitz möbeln Rathäuser auf

Die Städte stecken viel Geld in die Sanierung ihrer Verwaltungssitze. In beiden Fällen wird's teurer als ursprünglich geplant.

Auch wenn es beim flüchtigen Blick nicht gleich auffällt - Fenster und Fassade des Kamenzer Rathauses müssen saniert werden.
Auch wenn es beim flüchtigen Blick nicht gleich auffällt - Fenster und Fassade des Kamenzer Rathauses müssen saniert werden. © 2017 [email protected]

Kamenz/Pulsnitz. In Pulsnitz wird schon etliche Jahre über die Sanierung des Rathauses beraten, aber immer noch nicht gebaut. Nun wird am Ende das Kamenzer Rathaus noch eher mit Sanierungsarbeiten starten. Bereits in diesen Sommer soll es losgehen, allerdings in Abschnitten.

Bei dem Vorhaben geht es  um die Fenster sowie eine Sanierung des Turmes und der Fassade. Dieser Teil wird nun allerdings verschoben. Das hat unterschiedliche Gründe. Die Fertigung der Fenster sei sehr aufwendig und langwierig gewesen, Corona habe die Planungen gebremst, heißt es aus dem Rathaus. Außerdem stünden die benötigten Gelder nicht in dem hohen Umfang zur Verfügung, der inzwischen ermittelt wurde.

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Bei der Bauvorbereitung sei erkannt worden, dass die  geplante Summe allein von der Turmsanierung  aufgefressen würde, so Stadtsprecher Thomas Käppler. Schon  die Gerüstkosten würden mit 150.000 Euro veranschlagt. Gerade für die kleinen Türmchen (Filialen) sei der Aufwand immens.  

Kamenz braucht mehr als 60 neue Fenster

So geht es jetzt erst einmal mit den Fenstern los. Für die plant die Stadt 320.000 Euro ein. Saniert wurde das Rathaus zwar bereits in den 1990er-Jahren für knapp fünf Millionen Euro. Dabei ging  es aber hauptsächlich um den Innenbereich. Die Fassade erhielt damals nur einen neuen Anstrich. Nach 25 Jahren seien Erhaltungsarbeiten nun einfach nötig. 

Die Fenster aus DDR-Zeiten blieben damals ganz außen vor. Sie waren noch in gutem Zustand und die Verwaltung kostenbewusst, heißt es aus dem Rathaus. Doch jetzt entsprechen sie nicht mehr den Standards. Nur auf der  Wetterseite konnten mit Hilfe von Fördermitteln vor einigen Jahren 15 Fenster erneuert werden. Die verbliebenen 62 plus drei Fenstertüren werden nun ausgetauscht, zwei historische Fenster restauriert. Im August sollen die Bauarbeiten beginnen.

Turm und Fassade sollen dann in einem zweiten  Bauabschnitt 2021 drankommen. Das gehe nicht ohne Gerüst. Dabei ist zu beachten, dass der Bau nicht mit dem Forstfest kollidiert. Vor allem am Rathausturm bröckele Putz von der Wand. So habe im  Winter bereits ein Kletterteam Sicherheitsmängel beheben müssen.  Außerdem würden sich immer mehr Risse durch die gesamte Fassade ziehen. 

Darüber hinaus werde in den  Brandschutz investiert.  Stadtsprecher Käppler geht noch einmal von einem größeren sechsstelligen Betrag aus, abgefedert mit Fördermitteln.  Heizung und Elektroanlage stehen dann auch noch in der Warteschleife.         

Pulsnitz braucht ein komplett neues Dach

In Pulsnitz ist es nicht mit Fenstern und  Fassade getan. Obwohl auch dort nach der Wende schon einmal saniert wurde, aber offenbar ohne solche Problemzonen wie  Brandschutz und den Dachstuhl anzupacken. Der den Mitarbeitern auf den Kopf zu fallen drohe, wie es Bürgermeisterin Barbara Lüke drastisch beschreibt. Das Gebäude sei in seiner Statik gefährdet.

Inzwischen wird bei den Kosten für die Sanierung von 4,8 Millionen Euro ausgegangen.  Bisher basierten niedrigere Prognosen wohl nur  auf Schätzungen oder Studien. Im Gebäude selbst tut sich derzeit wenig. Der Denkmalschutz war jüngst  noch unterwegs. Großes Thema sind die historischen Dachgauben, die wieder hergestellt werden sollen sowie der Rats- und Trausaal. Der wird  denkmalgerecht nach unten verlegt und künftig etwas niedriger ausfallen.

Fachleute legten in den vergangenen Monaten zudem  das Rathaus-Innenleben hinter Verkleidungen und Einbauten frei. Sie stießen zum Beispiel auf marode Balkenköpfe. Weitere böse Überraschungen seien zum Glück nicht mehr zutage gekommen, schätzt Bauamtsleiter Kay Kühne ein. 

Im Gebäudeteil neben dem Ratskeller werde besondere Rücksicht auf den Denkmalschutz genommen, dort würden zum Beispiel Balkendecken erhalten. Demgegenüber wird das  große Eckgebäude im Grunde total entkernt. Auch das Dach und der Dachstuhl kommen runter. Bis auf die Wände würden nur Fragmente bleiben. So entsteht viel Platz, um die Räume neu aufzuteilen und einen Lift zu integrieren.

Am Pulsnitzer Rathaus ist es bei der Sanierung nicht mit der Fassade getan, die eigentlich noch ganz passabel aussieht. Die Probleme stecken unter dem Dach.
Am Pulsnitzer Rathaus ist es bei der Sanierung nicht mit der Fassade getan, die eigentlich noch ganz passabel aussieht. Die Probleme stecken unter dem Dach. © 2017 [email protected]

 Der Bauantrag liegt im Landratsamt und muss dann auch noch vom  Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) abgesegnet werden. Das ist ein Staatsbetrieb, der den Kommunen auf die Finger schaut, die mit solchen Großprojekten wenig Erfahrung haben. Die Behörde begleitet solche großen kommunalen Projekte, prüft auch, was gefördert wird  und was nicht.

Die Stadt rechnet mit einem Zuschuss von 90 Prozent für das Mammutvorhaben und für Ende Oktober mit dem Baustart im Gebäude. Dann steht das Rathaus schon fast ein Jahr leer.  Nach außen sichtbar sollen die  Abbrucharbeiten aber erst nach dem Pfefferkuchenmarkt Anfang November werden, damit der noch ungestört über die Bühne gehen kann. 

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