merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Schwimmhalle oder Spaßbad?

Der Kreis baut ein neues Hallenbad. Es braucht mehr Erlebnischarakter, um mehr Wasserratten anzuziehen.

Eine Rutsche macht Laune. Auch die neue Schwimmhalle in Kamenz wird eine solche Spaß-Attraktion bekommen. Ein Gutachter hat festgestellt, dass mit einer Mischnutzung des Hallenbades auch die besten betriebswirtschaftlichen Effekte verbunden sein könnten.
Eine Rutsche macht Laune. Auch die neue Schwimmhalle in Kamenz wird eine solche Spaß-Attraktion bekommen. Ein Gutachter hat festgestellt, dass mit einer Mischnutzung des Hallenbades auch die besten betriebswirtschaftlichen Effekte verbunden sein könnten. © Nikolai Schmidt

Kamenz. Der Landkreis baut in Kamenz ein neues Hallenbad. Als Ersatz für das alte, das in die Jahre gekommen ist und teuer saniert werden müsste. Das hat der Kreistag im Mai beschlossen. Mittlerweile steht offenbar fest, dass die neue Halle in der Nähe der alten errichtet wird. Letztere kann den kompletten Betrieb weiter absichern, was vor allem auch für das Schulschwimmen in der Region wichtig ist. Jetzt liegt ein umfangreiches Gutachten vor, das klären soll, welche Nutzungsvariante die beste und effektivste ist. Schwimmsporthalle oder Spaßbad oder eine Mischung aus beidem? Die Untersuchung ist auch für die Förderung des Vorhabens wichtig. Erst, wenn sie geklärt ist, kann der Bau starten, für den etwa eineinhalb Jahre veranschlagt sind.

Wenn die Sauna Geld bringt

Das Gutachten hat die Projekt M GmbH erstellt. Sie ist auf Tourismus und Bäderprojekte spezialisiert und hat schon etwa 2.000 Vorhaben begleitet. Auch diese Erfahrungswerte liegen dem Untersuchungsergebnis zugrunde. Detlef Jarosch, Bereichsleiter der Projekt M GmbH, zog jetzt folgendes Fazit: „Wasser kostet Geld. Sauna bringt Geld.“ Und um Geld geht es vor allem. Nicht nur die 15-Mio-Euro-Investition muss sich am Ende als nützlich erweisen, auch die Betriebskosten einer Hallennutzung übers Jahr stehen im Fokus. Der Kreis musste 2017 etwa 327.000 Euro zuschießen, was 51 Prozent Kostendeckung entspricht. Und selbst, wenn man den „Gemeindesitzanteil“ der Stadt Kamenz hinzurechnet, bleibt ein erhebliches Defizit.

Anzeige
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS
Große Jubiläumsaktion bei XXL KÜCHEN ASS

Zum 25-jährigen Geburtstag gibt es bei den sieben XXL KÜCHEN ASS-Fachmärkten in Sachsen den gewohnten Service und tolle Jubiläumsangebote.

Wie kann es weiter reduziert werden? Nun, nagelneue Technik kann die laufenden Betriebskosten (Energie- und Wasserverbrauch, Reparaturen und Instandsetzungen) deutlich senken, klaro. Aber auch die „Preisstruktur für die öffentliche Nutzung“ steht im Mittelpunkt. Und in dieser Hinsicht hängt natürlich vieles von den Besucherzahlen ab, also der touristischen Anziehungskraft. „Der Ersatzneubau hat das Potenzial für eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen um 35 Prozent für den Badebereich und um 65 Prozent für den Saunabereich“, heißt es. Das freilich wird an Voraussetzungen geknüpft: So brauche es ein erfolgreiches Marketing für die öffentliche Nutzung. Und vor allem einen deutlich vergrößerten Saunabereich. Die Rede ist von mindestens vier Saunen und Erweiterungsmöglichkeiten im Außenbereich – also die Errichtung von Blockhäusern. Außerdem bräuchte es unbedingt eine Gastronomie im Hallenbad. „Ein Getränke- und Speisenangebot erhöht die Verweildauer der Gäste und damit die durchschnittlichen Einnahmen je Besucher.“ Offen freilich bliebe, ob sich die Gastronomie am Ende auch selbst finanziert. Dass der Landkreis als Betreiber selbst für warme Würstchen sorgt, ist wohl auszuschließen. Also müsste fremdvermietet werden.

Die Gutachter haben auf mehr als 50 Seiten die Wirtschaftlichkeit der Nutzungsvarianten im Detail unter die Lupe genommen. Sie ermittelten folgende Kostendeckungsgrade: Sportbad 60 Prozent, Erlebnisbad 81 Prozent, Mischbetrieb 85 Prozent. Das unterstreicht die Absicht, den Ersatzneubau als Mixtur aus Schwimmhalle und Spaßbad zu konzipieren. Zum Angebotsprofil würde demnach ein wettkampffähiges 25-Meter-Schwimmerbecken (SB) mit fünf Bahnen, ein Lehrschwimmbecken (LSB) mit 75 bis 80 Quadratmetern, ein Planschbecken (PB) mit 30 Quadratmetern und eine 60-Meter-Großwasserrutsche gehören (siehe nebenstehende Skizze). Von besonderer Bedeutung würde – siehe oben – der Saunabereich werden. Mit Dampf- bzw. finnischen Saunen, mit Biosauna, mit Infrarotkabine, Kaltwasserbecken, Ruheraum, Umkleiden und einem größeren Außenbereich. Ein Mehrzweck-Imbissraum als „gehobener Kiosk“ für Besucher wird empfohlen, im Schema links wurde er (noch) nicht herausgestellt.

Neues Eintrittspreismodell

Der Gutachter hat der favorisierten Nutzung auch ein „Preismodell“ zugrunde gelegt. Gegenüber dem Ist-Zustand würde der Eintrittspreis für eine Stunde Schwimmen von 3 auf 3,50 Euro steigen – und bei zwei Stunden von 5,50 auf 6 Euro. Für die Sauna ergäbe sich ein ganz neues Modell – mit 12 Euro für zwei Stunden, 16 Euro für die Tageskarte und sechs Euro für den Übergang zum Bad. Die Stundenvermietung für das Schulschwimmen (168 Euro), das Sporttraining (60 Euro), für Vereine (120 Euro) und sonstige Nutzer (175 Euro) bliebe unverändert. Auf diese Weise könnte der Zuschuss des Landkreises durch den Neubau um 50.000 bis 60.000 Euro pro Jahr gegenüber dem Jahresergebnis 2017 reduziert werden. „Das wirtschaftliche Ziel des Neubaus – die Senkung des kommunalen Zuschussbedarfs für den Landkreis – ist somit erreichbar. Voraussetzung ist die Umsetzung der gutachterlichen Empfehlungen“, heißt es ausdrücklich.

Weiterführende Artikel

Kamenzer Schwimmhalle: Viel Aufwand für nichts

Kamenzer Schwimmhalle: Viel Aufwand für nichts

Eine Sondersitzung des Bautzener Kreistages wurde auf Antrag der AfD einberufen, um über den Neubau zu beraten. Doch dazu kam es nicht.

Der technische Ausschuss des Kreistages wurde am Montag über das Gutachten informiert. Fazit: Das tragfähigste Konzept ist die Mischnutzung. Oder anders: „Wasser kostet Geld. Sauna bringt Geld.“

Das vereinfachte Schema zeigt die Nutzungsvarianten eines Hallenbades im Mischbetrieb. Der „gehobene Kiosk“ für Besucher ist hier noch nicht eingezeichnet.
Das vereinfachte Schema zeigt die Nutzungsvarianten eines Hallenbades im Mischbetrieb. Der „gehobene Kiosk“ für Besucher ist hier noch nicht eingezeichnet. © Entwurf: Landratsamt

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz