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Kamenz: Friedwald startet im Herbst

Nach langem Hin und Her wird im Oktober das alternative Bestattungsareal bei Brauna eingeweiht. Doch die Kritik an dem Vorhaben reißt nicht ab.

In Radebeul gibt es einen so genannten Friedwald schon länger. So in der Art könnte es bald auch auf dem Areal in Brauna aussehen.
In Radebeul gibt es einen so genannten Friedwald schon länger. So in der Art könnte es bald auch auf dem Areal in Brauna aussehen. © Matthias Schumann

Kamenz. Lange war der geplante Friedwald in Kamenz umstritten, mittlerweile ist es aber schon länger beschlossene Sache, dass ein solches Areal kommt - und nun steht fest: Im Herbst soll der Friedwald eingeweiht werden. 

Bis dahin war es ein langer Weg. So mündete der Wunsch der Menschen in der  Region nach einer alternativen Bestattungsform in einer Petition. Mehr als 900 Bürger hatten ihre Forderung nach einem Bestattungswald in oder bei Kamenz mit ihrer Unterschrift zum Ausdruck gebracht. Letztlich sprach sich auch die Stadt für den Friedwald aus. Besonders die Fraktion der Linken im Stadtrat hatte sich für das Thema stark gemacht.  Da es im Stadtgebiet von Kamenz keinen geeigneten Grund und Boden gab, rückte ein Areal bei Brauna in den Fokus.

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Bereits 2018 schlossen der Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Schönteichen mit dem Waldbesitzer sowie der Friedwald GmbH  als Betreiber einen Vertrag. Durch die Eingemeindung von Schönteichen obliegt die Angelegenheit nun der Stadt Kamenz. 

Stadtrat beschließt Friedhofssatzung

Die erlässt dazu jetzt eine Friedhofssatzung. Diese hat der Stadtrat am Mittwoch mit Zwölf Ja-Stimmen und zwölf Stimmenthaltungen beschlossen. Zuvor rief das Thema zum wiederholten Mal kritische Stimmen auf den Plan. Die naturnahe Bestattungsform hat nicht nur Befürworter. Vor allem aus christlichen Kreisen gab es deutlichen Widerspruch.

Dieser wurde  nochmals von Stadtrat Jörg Bäuerle (Freie Wähler) bekräftigt. Wenn auch  "vor allem aus ökonomischer Sicht". "Wir sollten noch einmal das Risiko eines vorzeitigen Scheiterns oder der Insolvenz überprüfen. Hat die Stadt eine rechtsgültige Absicherung, wenn die Friedwald GmbH die Betreibung vorzeitig einstellen sollte?", wollte er wissen. Ein anwesender Vertreter des Unternehmens konnte die Sorge schnell ausräumen.

Auch Pfarrer Michael Gärtner von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde nutzte die Fragestunde. "Ich habe ein letztes Mal Gedanken zu diesem Bestattungswald. Wir wissen, dass das alles beschlossene Sache ist und respektieren den Wunsch als Kirchgemeinde", so der Pfarrer. "Dennoch bitte ich, die seelsorgerischen Gründe nicht aus dem Auge zu lassen. Der Bestattungswald ist nicht gut erreichbar, vor allem für ältere Menschen. Und in der Zeit der Trauer tut ein Besuch eines Grabes gut. Und es tut auch gut, etwas tun zu können - und sei es nur, die Blumen zu gießen", so Michael Gärtner. Dies wäre im Friedwald nicht möglich.

Nur biologisch abbaubare Urnen erlaubt

Nichtsdestotrotz geht es mit großen Schritten vorwärts. Die forstrechtliche Gestattung liegt vor, seit Januar auch der Genehmigungsbescheid des Landratsamtes. Durch die Satzung ist das Areal nun als Friedhof gewidmet. Neben den Einwohnern der Stadt und deren Ortsteilen hat jedermann das Recht, mittels Urne dort beigesetzt zu werden. Die Mindestruhefrist beträgt 20 Jahre. Für eine Beisetzung sind nur Urnen aus biologisch abbaubaren Materialien zugelassen, Umbettungen sind nicht zugelassen.

Im Bestattungswald sind durch Angehörige keinerlei Pflege-Eingriffe zugelassen. Das heißt:  keinerlei Grabschmuck, Kerzen, Lampen, Erinnerungsstücke, Grabmale, Gedenksteine oder Baulichkeiten. Grundsätzlich soll die Fläche ein naturnaher, forstwirtschaftlich bewirtschafteter Wald unter Rücksichtnahme auf den Naturschutz bleiben. 

Im Oktober wird feierliche Eröffnung des Friedwaldes gefeiert. In diesem Zusammenhang wird  der Stadtrat diskutieren, ob ein Kreuz aufgestellt und  ein symbolischer Bezug zu Lessings Ringparabel errichtet werden soll. Auch über eine ökumenische Segnung  wird nachgedacht. 

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