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Kamenz verliert das Sozialamt

Weitere Wege, kaum Parkplätze – mit der Konzentration von Kreisämtern in Bautzen müssen sich Bürger aus Kamenz und Hoyerswerda umstellen. Das stößt auf Kritik.

Der Landkreis zieht Anfang des Jahres das Sozialamt aus Kamenz nach Bautzen ab. Später sollen weitere Ämter folgen. Sowohl das Ausländeramt, als auch das Gesundheitsamt in seiner jetzigen Struktur verbleiben am Verwaltungsstandort (im Bild).
Der Landkreis zieht Anfang des Jahres das Sozialamt aus Kamenz nach Bautzen ab. Später sollen weitere Ämter folgen. Sowohl das Ausländeramt, als auch das Gesundheitsamt in seiner jetzigen Struktur verbleiben am Verwaltungsstandort (im Bild). © SZ/Uwe Soeder

Kamenz . Das Landratsamt konzentriert seine Mitarbeiter. Zum einen in der Kreisstadt Bautzen selbst, wo man sich ab Ende Januar in den sanierten Bahnhof einmieten wird. Aber auch an der Peripherie des Landkreises. Stärker ist Hoyerswerda betroffen, aber selbst der gut aufgestellte Verwaltungsstandort an der Macherstraße in Kamenz wird eingedampft. Als Erstes zieht zum Beispiel das Sozialamt von der Schwarzen Elster an die Spree.

Das sorgt für einige Verstimmung. Nicht nur bei den Beschäftigten, die weitere Arbeitswege haben, sondern auch bei der Kundschaft. Zum Beispiel bei SZ-Leser Herbert Schwarz aus Kamenz. Anknüpfend an Aussagen der SPD-Politikerin Petra Köpping vor der Landtagswahl stellt er fest, dass offenbar selbst für die Verwaltung kaum nennenswerte Effekte der Kreisreform von 2008 vorliegen. „Und was hat sie den Bürgern gebracht?“ Selbst das Kfz-Kennzeichen BZ für alle wurde zurückgenommen, was allerdings eine weise Entscheidung gewesen sei. „Wie man hört, werden jetzt Dezernate von Kamenz nach Bautzen verlegt. Was soll damit erreicht werden?“ Ein Effekt liege auf der Hand: Mitarbeiter und Bürger müssten mehr Kilometer bewältigen, was der klimabedeutsamen Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu wider laufe. Auch sei eine vernünftige ÖPNV-Alternative bisher nicht erkennbar. „Außerdem werden kreiseigene Immobilien leergezogen. Was wird damit?“

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Auch Jugendamt betroffen

Auf SZ-Anfrage hat die Kreisverwaltung die Pläne konkretisiert. „Mit dem Bezug des Bahnhofes wird es verwaltungsinterne Umzüge geben“, bestätigt Frances Lein von der Pressestelle. KfZ-Zulassung und Fahrerlaubnisbehörde ziehen innerhalb von Bautzen um. Die Standorte Kamenz und Hoyerswerda bleiben bestehen. Die Sozialamt-Bereiche Schwerbehindertenrecht, Wohngeldstelle, Elterngeld und BaföG werden in Bautzen konzentriert. Das betrifft weitgehend auch das Jugendamt. „In Kamenz verbleiben jedoch der Allgemeine Soziale Dienst, die Amtsvormünder und Beistände.“ Außerdem solle bis Ende 2020 auch das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt in Bautzen zentralisiert sein, womit sich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten deutlich verbesserten. Alle Betroffenen seien informiert. Dort, wo die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, wird den Beschäftigten die Möglichkeit der Telearbeit eingeräumt, heißt es.

Keine Abgabe von Liegenschaften

Die Pressesprecherin bestätigt auf Nachfrage weiter, dass es bisher keine Pläne gebe, sich am Standort Kamenz von kreiseigenen Liegenschaften zu trennen. Auch wolle man prinzipiell an allen drei großen Standorten festhalten, wobei die Abläufe natürlich „effektiv und kostengünstig“ gestaltet werden müssten. Im Übrigen werde in Bautzen ernsthaft an einer Verbesserung der oft kritisierten Parksituation gearbeitet. So gerade am Bahnhof. Zur möglichen Verbesserung der ÖPNV-Verbindung zwischen Kamenz und Bautzen – ein Dauerthema – seien im Moment noch keine konkreten Aussagen möglich.

Überrascht vom baldigen Umzug des Sozialamtes nach Bautzen ist der Kamenzer OB. „Im Kreistag wurde das bisher nicht kommuniziert“, so Kreisrat Roland Dantz. „Innerhalb der Kreisstadt macht die Ämterkonzentration gewiss Sinn. Auf Kosten des ländlichen Raumes nicht.“ Die Erreichbarkeit der Ämter müsse einen hohen Stellenwert haben. „Und da zählt Nähe – wie übrigens auch der Slogan der Malteser lautet. Wer an die rein digitale Abarbeitung von Verwaltungsvorgängen glaubt, der irrt.“

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