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Kamenz will die Westtangente

Ortsumgehung. Andersals Straßenbauamt undLandratsamt lehnt dieKreisstadt die Südspangevon Gelenau nach Wiesaab: Hutbergnah ist besser.

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Von Frank Oehl

Das Erwartete ist eingetreten: Im Raumordnungsverfahren zur Ortsumgehung von Süden her und damit zur Entlastung der Pulsnitzer Straße, nimmt die Kreisstadt selbst eine andere Haltung ein, als der Vorhabenträger und die Kreisverwaltung. Damit stehen nun schwierige Debatten bevor, um das dringende Vorhaben nicht gänzlich zu gefährden.

Sowohl Straßenbauamt als auch das Landratsamt favorisieren die so genannte Südspange, also die zunächst mal kürzeste Variante: Hinter Gelenau wird die Straße rechts an den Kreuzungspunkt Hohe/Bischofswerdaer Straße geführt. Holger Wohsmann, Chef in Meißen, hat die Argumentationslinie vorgegeben, die sich amtsintern auch die Macherstraße zu eigen gemacht hat: Kamenz ist mehr Ziel, als Hindernis des Verkehrs. Mit der Fertigstellung der Autobahnspange sei eine günstige Umfahrung schon gegeben. Der Verkehrsfluss in die Stadt könne deshalb ausreichend über die Hohe Straße in Richtung Behördenzentrum abfließen. Eine übergebührliche Belastung der Nebelschützer Straße sei nicht zu befürchten.

Genau hier kanalisiert sich aber der größte Bürger-Widerstand. In mehreren Einwohnerversammlungen hat sich das Rathaus auch mit der Meinung der Betroffenen in Wiesa und Lückersdorf-Gelenau auseinander gesetzt. Jeweils der anderen Seite wird die Straße gern gegönnt, und natürlich konnte man auch von den Stadträten aus Lückersdorf-Gelenau kein „rein objektives“ Urteil in der Sache erwarten. Sowohl Bettina Koreng, als auch Manfred Schlotter stützen die Meinung des Straßenbauamtes, weil sie eine unangemessene Belastung des naturnahen Hut- und Waldberg-Areals und der dortigen sanften Besiedlung befürchten. Koreng: „Außerdem würde damit dem von allen abgelehnten Gesteinsabbau Vorschub geleistet.“ Ähnlich argumentierten auch die Bürger von dort, was sich in Unterschriftensammlungen manifestiert.

Die größte Liste freilich kommt aus der Nebelschützer Straße, wo bekanntlich auch das Malteserkrankenhaus seine Adresse hat. Tatsächlich sieht auch das Rathaus die Gefahr, dass der „Netzverbund“ zur neuen Staatsstraße 102 durchaus genutzt würde, was über kurz oder lang den erneuten Ausbau der gerade sanierten innerstädtischen Trasse nach sich zöge. Stadtrat Harald Märkt (CDU): „Diese Kosten fließen in die Betrachtung des Straßenbauamtes aber gar nicht erst ein.“ Wolfgang Schubert (PDS) und andere hinterfragten sogar gänzlich den Sinn der Südspange: „Sie bringt keine wesentlichen Effekte, demzufolge wäre das Geld insgesamt nicht richtig eingesetzt.“

Die Stadt rückt in ihrer mit Mehrheit abgesegneten Stellungnahme die verkehrstechnischen und städtebaulichen Fragen in den Mittelpunkt. Die hutbergnahe Westtrasse könnte direkt in die Nordverbindung zum Kreisel Bernbruch weitergeführt werden, was nicht nur die Pulsnitzer, sondern das gesamte Staatsstraßennetz in Kamenz entlasten würde. Landrätin Petra Kockert hat gestern auf SZ-Nachfrage die südspangenfreundliche Stellungnahme des Kreises bestätigt, sich aber weiteren Gesprächsbedarf mit Meißen und dem Rathaus vorbehalten. Den sieht auch der Bürgermeister. „Wir müssen unsere Entscheidung nun weiter transportieren.“ Denn: Nur eine einheitliche Position könne dem ganzen Vorhaben dienlich sein.