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Kamenzer Bürger gedenken der Opfer nazistischer Gewaltherrschaft

Weit über 100 Menschen versammelten sich gestern an der Gedenkstätte am Robert-Koch-Platz.

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Von Reinhard Kärbsch

Gestern kurz nach 15 Uhr am Kamenzer Ehrenmal für die Opfer des Nazismus: Oberbürgermeister Roland Dantz, Benedikt Ziesch als Vertreter des Landkreises Bautzen, Superintendent Wolfgang Müller von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde, Pfarrer Dr. Michael Kleiner von der Katholische Pfarrgemeinde, Friedhelm Künzel von der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas sowie zahlreiche weitere Bürger legen Kränze, Blumengebinde und -sträuße auf dem Sockel des Denkmals nieder und verneigen sich vor den Opfern der nazistischen Gewaltherrschaft. Diese Zeremonie hat in der Lessingstadt Tradition, seit 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als bundesweiten Gedenktag bestimmte. An diesem Tag im Jahr 1945 hatten sowjetische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit.

Dantz forderte in seiner Ansprache, diesen 27. Januar als Tag des historischen Besinnens auch zum Bedenken der aktuellen Gefahren durch Rechtsextreme, die auch in Kamenz aktiv sind, zu nutzen. Er erinnerte an die Schändung der Stolpersteine und den Aufmarsch von Rechten. Courage der Bürger sei dem entgegenzusetzen. Ziesch trat dafür ein, diese Verbrechen nicht zu vergessen und die Botschaft der Opfer an die Kinder weiterzugeben. Müller sagte, es sei schwer, mit diesen furchtbaren Massakern der Nazis fertig zu werden. Damit fertig zu sein, wie manche wollten, gehe aber nicht. Man müsse die unheilvollen Ursachen erkennen und beseitigen. In Demut und Ehrfurcht vor dem Lebens sehe er Aspekte, vor Gott und den Menschen zu bestehen. Und er rief dazu auf, am 14. Februar in Dresden durch eine Demonstration demokratischer Kräfte der rechten Szene entgegenzutreten. Diese versuche, das Gedenken an die Opfer der allierten Bombenangriffe für eigene politische Zwecke auszunutzen. „Die rechte Szene spricht vom Bombenholocaust und verunglimpft damit die Opfer des Nazismus“, so Müller.. „Dem ist ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen.“

Forschung zu Zeugen Jehovas

Künzel informierte über neueste Forschungsergebnisse zu den Opfern der Zeugen Jehovas. Danach ist von 10400 Opfern, 8000 Inhaftierten und 1400 Ermordeten auszugehen. Die christliche Glaubensgemeinschaft zählte damals in Deutschland 25000 Angehörige. Toleranz und Menschlichkeit seien für ein friedliches Miteinander unverzichtbar, sagte Künzel weiter. Nur im Wissen über diese Verbrechen kann neues Unheil verhindert werden, zitierte er den Philosophen Karl Jaspers. Wolfgang Teichert, der die Initiative zur Bewahrung an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft wie den Förderverein Gedenkstätte Herrental vertrat, erinnerte an das mörderische Geschehen in Kamenz zwischen November 1944 und März 1945, als von 1000 KZ-Häftlingen 200 umgebracht wurden. Ihnen müsse künftig ein ehrendes Gedenken beschieden sein. Er regte einen Dialog zur Gestaltung einer Gedenkstätte an.

Im Anschluss an diese Veranstaltung legten Bürger Blumen an der Gedenktafeln im Herrental und an der Hoyerswerdaer Straße nieder.