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Kamenzerin tritt mit Zastrow als FDP-Doppelspitze an

Kristin Franke ist mit Holger Zastrow für die Landtagswahl aufgestellt. Die Kinderbuchautorin stammt aus Kamenz. Jetzt lebt sie in Leipzig.

Kristin Franke (37) machte in Kamenz Abitur, studierte in Dresden Germanistik und Philosophie an der TU. Jetzt will sie für die FDP in den Landtag einziehen. „Es gibt gerade einen Generationswechsel in der Partei“, weiß sie.
Kristin Franke (37) machte in Kamenz Abitur, studierte in Dresden Germanistik und Philosophie an der TU. Jetzt will sie für die FDP in den Landtag einziehen. „Es gibt gerade einen Generationswechsel in der Partei“, weiß sie. © PR

Kamenz. Ihren ersten Zeitungsbericht für die Sächsische Zeitung schrieb Kristin vor fast genau 21 Jahren. Da hieß sie noch Duschek und war zarte 16. Sie lernte auf dem hiesigen Gymnasium, wohnte bei den Großeltern am Langen Gässchen und wollte einfach mal in den Journalismus reinschnuppern. Es ging in ihrem allerersten Bericht der Jugendredaktion übrigens um die künftige Nutzung des alten Stadtbades. Zwei Jahrzehnte später sind die Skater immer noch im Park zu Gange. Die Umgestaltung des Areals ist geglückt und schreibt eine kleine Erfolgsgeschichte.

Und Kristin? Die ist mittlerweile 37 Jahre jung, Mutter von drei Kindern, erfolgreiche Verlegerin und Kinderbuchautorin in Leipzig. Und sie kandidiert im September zur Landtagswahl für die FDP. Allerdings nicht auf einem hinteren Listenplatz. Sondern auf Platz 2 der Landesliste. Gleich hinter Urgestein Holger Zastrow. „Wir sind sozusagen die gegensätzliche Doppelspitze“, sagt die ehemalige Kamenzerin.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Denn eigentlich ist die Wahl-Leipzigerin erst seit Ende 2017 überhaupt Parteimitglied. Und hat seitdem einen ziemlich steilen Aufstieg hingelegt. Bereits im Januar 2018 wurde sie in den Landesfachausschuss Bildung gewählt. Und als es im August einen kleinen personellen Notstand im Vorstand der Kreis-FDP gab, fragte man sie, ob sie nicht kandidieren will. Kristin wollte. Dann folgte direkt die Anfrage, ob ich nicht für den Landtag kandidieren möchte – von Sven Morlok persönlich, dem ehemaligen Wirtschaftsminister. Dass sie sich wenig später gegen einige männliche Mitbewerber durchsetzte, ist wohl ihrer beredten Art und selbstbewusstem Auftreten zu verdanken. Mit einer flammenden Bewerberrede auf dem Landesparteitag holte sie sich großen Respekt und das Vertrauen der Parteimitglieder. „Ich war lange vorher ein politischer Mensch, aber erst vor einiger Zeit hatte ich das Gefühl, mich noch mehr engagieren zu müssen“, sagt sie. Die FDP schoss der Unternehmerin und Mutter in Werten und Zielen am nächsten ins Herz. „Ich denke schon immer liberal, habe ein starkes Freiheitsgefühl. Das steckt in unserer ganzen Familie“, erklärt sie.

Erfolgreich als Buchautorin

Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Zeit einfach reif war. Dass ihre drei Kinder nicht mehr ihre ungeteilte Aufmerksamkeit brauchten. Dass Emil, der Älteste, elf geworden war. Und die Zwillinge schon sieben. Dass ihr kleines Unternehmen läuft, sich die Kinderbücher gut verkaufen. Mittlerweile hat Kristin Franke zwölf davon geschrieben, diese im Eigenverlag verlegt und noch selbst illustriert. Das aktuelle ist in Arbeit und erscheint am 1. August. Es heißt „Ein unvergessliches Abenteuer“. Diesmal geht es um drei Mäuse, nicht um Elfen, Feen und Zauberer, in deren magische Welt sie sonst regelmäßig eintaucht – inspiriert durch die eigenen Kinder. „Die gesamte Bandbreite ihrer Gefühle kann ich so verarbeiten. Da ist von Freundschaften die Rede, aber auch von Traurigkeit, Wut. Oder von Eifersucht.“

„Ich habe mir damit vor Jahren einen langgehegten Traum erfüllt. Mir war schon früh klar: Irgendwann schreibe ich mal ein Kinderbuch“, sagt die studierte Germanistin. Irgendwie war dafür aber nie Zeit. Nach zwei Lehraufträgen im Fachbereich Mediävistik an der Technischen Universität zog sie 2007 nach Leipzig und arbeitete als Fernsehautorin. Mittlerweile ist sie ihre eigene Chefin und Geschäftsführerin der TinyFoxes KG. „Ich habe nicht mit so großem Erfolg gerechnet. Nachdem 2016 mein erstes Buch herauskam, konnten wir uns bald vor Anfragen nicht retten“, freut sie sich. Und die Erfolgsgeschichte wird weiter geschrieben. Vor allem die Idee, die Bücher mit zauberhaften Wandtattoos und hölzernen Türchen zu komplettieren, kommt an.

Besuch bei Sachsen Fahnen

„Ich weiß natürlich als Chefin von fünf Mitarbeitern, was ich ihnen schuldig bin“, sagt sie. Kristin Franke kennt die Hürden und Befindlichkeiten, mit denen kleine und mittelständige Unternehmen kämpfen. Auch hier fühlt sie sich in der FDP aufgehoben. Dass Bildung, Familie und Soziales Themen sind, die sie künftig angehen wird, dürfte zudem klar sein. „Ich war selbst alleinerziehende Mutter. Ich weiß genau, wovon ich spreche, wenn man als Frau Arbeit und Kinder unter einen Hut bekommen muss“, sagt sie. Mittlerweile hat sie ihren Ehemann seit sieben Jahren an der Seite und hinter sich stehen. „Ohne die Unterstützung der Familie würde das alles nicht gehen.“ Denn der Wahlkampf hat begonnen. Wenige Wochen trennen sie von der Landtagswahl in Sachsen. Dass sie mittlerweile in Gremien sitzt, Podiums-Diskussionen führt, wöchentlich fünf Wahlkampftermine hat, sie von einem Wahlkampf-Team unterstützt wird und Christian Lindners Nummer im Handy gespeichert ist, ist normal. „Er hat mal gesagt: ‚Das Herz muss voller sein, als die Hose‘. Und so ergeht es mir gerade zu hundert Prozent“, lacht sie. Auch Kamenz stand auf ihrer Wahlkampf-Tour. Kristin Franke besuchte jetzt die Sachsen Fahnen GmbH. „Als künftige Abgeordnete ist es mir ein Anliegen, bessere Rahmenbedingungen für mittelständische Unternehmen zu schaffen. Auch bei Sachsen Fahnen herrscht seit Jahren Fachkräftemangel. Es werden händeringend Azubis im Bereich IT und in der Produktion gesucht. Für Siebdruck könnte ich mich übrigens begeistern, da kommt meine Leidenschaft für Farben und Print durch“, sagt sie.

Als Kristin mit 18 Jahren über eine Stadtratssitzung schreiben sollte, spürte sie übrigens schon instinktiv, dass sie auf der falschen Seite saß. Als Pressevertreterin war sie unabhängige Berichterstatterin, wollte aber gern selbst konstruktive Vorschläge bringen und diskutiert am Ende fleißig mit. „Man hat mich nie wieder zu einer Sitzung geschickt“, lacht sie. Dafür ist sie nun dort angekommen, wo sie augenscheinlich hingehört.

Kristin Franke bei Sachsen Fahnen. Sie probiert selbst einen Arbeitsgang aus. 
Kristin Franke bei Sachsen Fahnen. Sie probiert selbst einen Arbeitsgang aus.  © privat

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