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Kameraden in der Klemme

Aufgrund von Steuerausfällen geht es der Gemeinde Obergurig finanziell schlecht. Das hat weitreichende Folgen, zum Beispiel für die Feuerwehr.

© Steffen Unger

Von Katja Schäfer

Obergurig. Damit das Tanklöschfahrzeug aus der oder in die Halle fahren kann, muss ein Außenspiegel abgeklappt werden. Dennoch bleibt das Manövrieren Millimeterarbeit. Weil in der Fahrzeughalle zu wenig Platz ist, können die Kameraden erst draußen ins Feuerwehrauto steigen. Das alles frisst bei Einsätzen unnötig Zeit. Doch die Enge im Gerätehaus ist nicht das einzige Problem, mit dem die Feuerwehr Großdöbschütz-Obergurig klarkommen muss – und das noch viel länger als gedacht.

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Eigentlich wollte die Gemeinde Obergurig dieses Jahr mit dem Bau eines neuen Gerätehauses beginnen. Schon seit einigen Jahren bemüht sie sich darum. „Die Planungen sind fertig“, berichtet Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU). Doch der Baustart muss verschoben werden, weil kein Geld für das Projekt da ist. In Obergurig gilt eine Haushaltsperre. Grund dafür ist, dass eine Firma mit 300 Beschäftigten, die bisher der größte Steuerzahler in der Gemeinde war, ihren Stammsitz nach Geldern in Nordrhein-Westfalen verlegt hat. Wie der Bürgermeister erklärt, fallen damit nicht nur künftige Steuereinnahmen weg, sondern die Gemeinde musste die Steuern zurückzahlen, die sie letztes und dieses Jahr schon erhalten hatten; insgesamt 1,7 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen nur 390 000 Euro, die die Firma laut eines neuen Bescheides für 2017 und 2018 zahlt. Infolgedessen musste Obergurig zum Beispiel Steuern und Kita-Beiträge erhöhen, die Vereinsförderung kürzen und Investitionsvorhaben streichen oder verschieben. Eins davon ist das neue Gerätehaus. „Wir brauchen es ganz dringend“, betont Daniel Kalley, der die Ortsfeuerwehr Großdöbschütz-Obergurig leitet.

Die Bedingungen im derzeitigen Domizil, das seit 40 Jahren genutzt wird, sind seinen Aussagen nach kaum noch akzeptabel. Bürgermeister Thomas Polpitz, der selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, weiß das nur zu gut. „Das Gerätehaus erfüllt die aktuellen DIN-Normen nicht. Es kann nur noch mit Ausnahmegenehmigung betrieben werden“, sagt er.

Nachwuchs gesucht

Die Fahrzeughalle ist zu klein, das Gebäude sehr verwinkelt und eng. Der Schulungsraum befindet sich im Obergeschoss. Zudem liegt das Depot abseits am Rand von Großdöbschütz, ist nur über schmale verwinkelte Straßen zu erreichen. Das kostet die Feuerwehrleute, die im Jahr im Durchschnitt zehn Einsätze haben, bei der Fahrt zum Gerätehaus und beim Ausrücken mit dem Löschfahrzeug wertvolle Minuten.

Dass es im Haus keine getrennten Umkleideräume und Duschen für Herren und Damen gibt, ist im Moment nicht all zu schlimm, weil die rund 15 aktiven Kameraden allesamt Männer sind. Doch die Ortsfeuerwehr würde gern auch Frauen aufnehmen. „Wir suchen dringend Nachwuchs“, sagt Daniel Kalley. Er hofft, dass ein modernes Gerätehaus hilft, neue Mitstreiter zu gewinnen. Das geplante Objekt wird auf jeden Fall deutlich verbesserte Bedingungen bieten. Die Gemeinde will es nicht komplett neu bauen, sondern das ehemalige Landwarenhaus an der Großdöbschützer Hauptverkehrsstraße umgestalten und mit einem Anbau ergänzen. Gegenwärtig ist in dem Gebäude, das Obergurig im Sommer letzten Jahres gekauft hat, noch ein Futtermittelhandel untergebracht, doch der zieht im Herbst in ein neues Domizil auf dem Gelände der Pink-Mühle in Großdöbschütz um.

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Für das neue Gerätehaus, dessen Bau nun möglichst im nächsten Jahr starten soll, sind unter anderem zwei Fahrzeugstellplätze mit großen Toren geplant sowie getrennte Umkleideräume und Sanitäranlagen für Männer und Frauen. Der Schulungsraum, der wie alles andere ebenerdig angeordnet wird, soll künftig auch als Seniorentreff dienen. 650 000 Euro will die Gemeinde Obergurig investieren und dafür einen Kredit aufnehmen. „Wir hoffen auf Fördermittel aus dem Leader-Programm. Wenn das nicht klappt, werden wir uns um eine Fachförderung bemühen“, sagt Thomas Polpitz. Mit dem Baubeginn rechnet der Bürgermeister nicht vor Mitte nächsten Jahres. Bezugsfertig sein wird das neue Gerätehaus voraussichtlich erst Ende 2020. Bis dahin müssen die Feuerwehrleute von Großdöbschütz und Obergurig weiter irgendwie mit der Enge und den anderen schlechten Bedingungen klarkommen.