merken
PLUS

Kampf gegen Lärm

Groß ist der Frust über den lauten Lkw-Verkehr auf der A 17. Doch in den betroffenen Dörfern ist man derzeit machtlos.

Von Heike Wendt und Maik Brückner

Die Eröffnung der Autobahn zwischen Dresden und Prag war eine Entlastung fürs Weißeritztal. Kaum noch ein Schwerlaster rollt auf der B 170. Die donnern nun über die A 17. In Liebenau ist das hin und wieder zu hören, sagt Ortsvorsteher Mathias Wolf (Wählervereinigung). Wenn der Wind aus dem Osten kommt, rauscht es. Doch das ist sehr selten der Fall, räumt der Ortschef ein. Deshalb ist der Lärm, der von der A 17 ausgeht, in seinem Dorf kein Thema.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Anders sieht es ein paar Kilometer nördlich davon aus, in Borna, Göppersdorf und Wingendorf, Ortsteile der Gemeinde Bahretal. Tagsüber entsteht ein Geräuschpegel zwischen 60 und 70 Dezibel. Anwohner Herwig Peschka aus Borna hat mit einem Messgerät die Lautstärke an einem normalen Wochentag ermittelt. „Am schlimmsten ist es sonntags, ab 22 Uhr, wenn die Lkws nach dem Sonntagsfahrverbot wieder fahren dürfen“, sagt er. Dann sind besonders viele unterwegs, dementsprechend laut donnert es im Bahretal. Zudem hänge es von Wind und Luftdruck ab, wie laut die Geräuschkulisse wird.

In der Gemeinde keimte nun Hoffnung, dass der Lärm gemildert werden könnte. Denn der Bahretaler Gemeinderat befasste sich mit einem Lärmaktionsplan. So fordert es die Europäische Union. Doch die Bahretaler Gemeinderäte, die hofften, auch etwas gegen den Lärm der Autobahn unternehmen zu können, wurden enttäuscht. Normalerweise müssen sich kleine Gemeinden nicht mit dem Lärmaktionsplan befassen. „Weil aber die Autobahn durch den Ort führt, muss die Kommune einbezogen werden“, erklärt Anett Rundholz von der Verwaltung in Bad Gottleuba-Berggießhübel jüngst in der Gemeinderatssitzung. Das ist in den Richtlinien festgelegt. Entscheidend für mögliche Maßnahmen sei allerdings nicht die tatsächliche Lärmbelastung. „Grundlage ist ein Berechnungsmodell“, sagt sie. Das wird EU-weit angewendet und orientiert sich an verschiedenen Faktoren wie Verkehrsaufkommen und wird anhand komplexer Schallausbreitungsberechnungen durchgeführt. Messungen vor Ort sind nicht vorgesehen.

Eine Reduzierung des Lärms, der von der Autobahn ausgeht, kann nur die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) als Bauherr der Straße veranlassen. Die sieht allerdings keinen Handlungsbedarf. Alle notwendigen Maßnahmen, so heißt es in einer Stellungnahme, sind im Planfeststellungsverfahren für den Neubau der A 17 festgelegt worden. Für Maßnahmen, die darüber hinaus gehen, existiere keine Rechts- und Finanzierungsgrundlage. Das bedeutet, dass weitere Schallschutzmaßnahmen nicht vorgesehen sind. Müssen Anwohner der Autobahn nun dauerhaft den Lärm ertragen? Bahretals Bürgermeisterin Brigitte Kolba (Freie Wähler) nennt einen Ausweg. Es gebe die Möglichkeit, auf zunehmende Lärmprobleme aufmerksam zu machen. Beispielsweise wenn sich das Verkehrsaufkommen erhöht oder neue Belastungen für Anwohner auftreten. Allerdings, so stellt sie klar, könne keiner erwarten, dass die Deges von sich aus zu Maßnahmen greift. „Das kann nur so funktionieren, dass Bürger sich konkret an die Gemeinde, den Kreis oder das Wirtschaftsministerium wenden“, sagt sie. Dazu müssen sie selbst aktiv werden.

In Liebenau ist das nicht zu erwarten. Die Autobahn streift nur auf einer Länge von 900 Metern die Gemarkung. Weil diese Gegend zudem unbewohnt ist, musste sich die Stadt Altenberg erst gar nicht mit dem Thema Lärmaktionsplan befassen, sagt Anke Wenzel vom Bauamt der Bergstadt.