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Kanal voll

Der Abwasserzweckverband Schwarzer Schöps will Schächte sanieren. Das geht nicht allen Gemeinderäten schnell genug.

Von Alexander Kempf

Drei Minuten dauert es, einen Schachtdeckel abzudichten, erklärt Joachim Renner den übrigen Gemeinderäten in Waldhufen. Ruck, zuck könnten so die Schächte in Nieder Seifersdorf saniert werden. Doch noch sei nichts passiert, moniert der Unternehmer. Im Falle eines Hochwassers dringt also weiter Wasser in die Abwasserkanäle ein. „Das zahlen unsere Bürger. Das kann nicht sein“, sagt Joachim Renner verärgert.

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Der Gemeinderat befürchtet, dass so nach Starkregen die an das Abwassernetz angeschlossenen Anwohner finanziell benachteiligt werden. Schon wenn sich das Wasser einen Zentimeter über dem Kanaldeckel staut, treten mehr als 17 Kubikmeter Wasser in den Abwasserkanal ein, hat ein Schweriner Unternehmen für Umwelttechnik berechnet. „Wir haben teils Überflutungen von 60 bis 70 Zentimeter über drei Tage“, sagt Joachim Renner. Wenn er die Rechnung zu Ende führt, ergeben sich aufgrund der zusätzlichen Kubikmeter deutliche Mehrkosten.

Diese will der Gemeinderat den angeschlossenen Anwohnern gerne ersparen. Zwischen 150 und 250 Euro koste die Abdichtung eines Schachtes, hat Joachim Renner recherchiert. Nun drängt er im Gemeinderat auf eine Entscheidung. „Ich möchte eine Aussage haben, was der Verband machen kann“, fordert der Baarsdorfer. Doch Waldhufens Bürgermeister ist bemüht, die Wogen zu glätten. Der Verband arbeite bereits an den Problemen. „Das ist aber nicht von heute auf morgen gemacht“, sagt Horst Brückner.

Waldhufens Bürgermeister ist zugleich Vorsitzender des Abwasserzweckverbands „Schwarzer Schöps“. Auf Nachfrage bestätigt er, dass dieser im Jahr 2014 einige Tausend Euro in die Sanierung der Schächte investieren wird. Denn nicht nur die Abdichtung einzelner Schachtdeckel steht zur Debatte. Einige der Schächte leiden stark unter Korrosion. In drei Minuten ist dieses Problem nicht aus der Welt geschafft.

Eine weitere Herausforderung stellt für den Abwasserzweckverband die Geruchsbelästigung in Mücka dar. Dort könnten die Schächte aber nicht einfach abgedichtet werden, sagt Gemeinderat Christian Stoppiera, da sich sonst Gase bilden. So ergibt sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Baustellen. Laut Christian Stoppiera variieren die Probleme von Schacht zu Schacht.

Entstehen den an das Abwassernetz angeschlossenen Anwohnern bei Hochwasser aber tatsächlich Mehrkosten? Nein, meint der Vorsitzende des Abwasserzweckverbandes. „Wegen des Hochwassers gab es keine Gebührenerhöhung“, so Horst Brückner. Er räumt aber ein, dass die Stadtwerke Niesky dem Verband die zusätzlichen Kubikmeter sehr wohl in Rechnung stellen. Diese Kosten werden bei der Gebührenkalkulation also durchaus berücksichtigt. Wie viel das zusätzliche Wasser in den Abwasserkanälen tatsächlich kostet, kann bisher niemand beziffern. Somit bleibt unklar, ob und ab wann sich dichte Schachtdeckel tatsächlich lohnen.

Gemeinderat Joachim Renner will daher belastbare Zahlen. „Dafür braucht es kein Ingenieurbüro“ sagt er während der jüngsten Gemeinderatssitzung. Auch interessiert ihn, wer für die bestehenden Probleme verantwortlich ist und bemängelt, dass nicht nachgehakt worden sei. Der Unternehmer hat den Kanal gestrichen voll. Das Thema könnte daher weiter Wellen schlagen.