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Kandidaten-Ärger bei der AfD

Der sächsische Landesverband der Alternative für Deutschland will nach Betrugsvorwürfen einen ihren Top-Kandidaten aus der Partei ausschließen.

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Von Annette Binninger

Eklat bei der AfD: Der sächsische Landesverband hat Ärger mit seiner Kandidatenliste für die Bundestagswahl. Wenige Wochen vor der Abstimmung will die Partei nun sogar einen ihrer größten Hoffnungsträger, Peter von Wolffersdorff auf dem prominenten Listenplatz 3, ganz aus der Partei ausschließen. Das hat der Landesvorstand am Wochenende beschlossen. Abschließend muss aber erst noch ein Schiedsgericht darüber befinden.

Auslöser für das harsche Vorgehen sind Betrugsvorwürfe gegen Wolffersdorff. „Wir müssen davon ausgehen, dass ein Betrüger auf einer Landesliste die Wahlchancen der AfD erheblich mindert und das Ansehen der Partei schädigt“, bedauerte der Landesvorstand am Freitag in einem internen Mitgliederschreiben. Vize-Landessprecher Thomas Hartung zeigte sich gestern auf SZ-Nachfrage tief zerknirscht. „Wie das passieren konnte, kann heute wahrscheinlich keiner mehr nachvollziehen.“ Mangelnde Vor-Recherche über die Kandidaten, räumt Hartung ein. „Wir haben einfach nicht genügend nachgefragt.“

Das gilt offensichtlich auch für die schillernde parteipolitische Vergangenheit des AfD-Kandidaten. So stellte die AfD-Spitze erst vor wenigen Tagen fest, dass Wolffersdorff, der im offiziellen Wahlverzeichnis als „Bogendorff von Wolffersdorff, Nabiel Peter“ auftaucht, sich in den vergangenen Jahren für eine Vielzahl von Parteien engagiert hat – eine einfache Abfrage per Google hätte dies auch zutage fördern können. Doch ein einfaches Parteimitglied habe die AfD-Spitze erst auf Wolffersdorffs vielfältiges Engagement aufmerksam gemacht. Der Landesvorstand habe Wolffersdorff dann am 11. Juli dazu bereits zur Rede gestellt – ohne vollständigen Erfolg.

Wolffersdorff selbst wollte gestern auf SZ-Anfrage keine Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Er verwies stattdessen auf eine Gerichtsverhandlung, die dazu derzeit laufe – ohne nähere Angaben.

Für die AfD, die bisher vor allem mit ihrem eurokritischen Kurs in Erscheinung getreten ist, ist dies erneut eine peinliche Kandidatenpanne. Bereits vor einigen Wochen hatte Peter Christ, der frühere SZ-Chefredakteur, nach innerparteilicher Kritik, seine Kandidatur für Listenplatz 3 zurückgezogen. Christ war unter anderem sein Wohnsitz in der Schweiz vorgeworfen worden. Damals war die Frist für die Listenaufstellung noch nicht abgelaufen, daher konnte der Platz neu besetzt werden.

Diesmal ist die Lage anders: Der Kandidat bleibt auf der Liste, auch bei einem Parteiausschluss. Denn laut Bundeswahlgesetz ist nach der fristgemäßen Verabschiedung einer Landesliste keine Änderung mehr möglich. Im schlimmsten Falle hieße dies: Würde die AfD genügend Stimmen bei der Wahl erreichen, würde Wolffersdorff in den Bundestag einziehen. Dies aber gilt momentan als eher unwahrscheinlich.