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Kann man im Sommer noch Urlaub machen?

Viele Ferienträume platzen. Nicht immer ist das Geld weg. Denn Veranstalter zeigen sich oft kulant.

Chillen statt verreisen: Das dürfte die Sommerrealität 2020 werden.
Chillen statt verreisen: Das dürfte die Sommerrealität 2020 werden. © dpa/Peter Kneffel

Die Osterferien haben sich die meisten sicher anders vorgestellt. Was bleibt, ist die Hoffnung auf den Sommer. Doch auch diese Aussichten sind seit Mittwoch eher vage, wenngleich die Sachsen mit dem Ferienbeginn am 20. Juli zu den Spätstartern gehören. Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt bis Ende April. Selbst wenn sie danach aufgehoben würde: In vielen Ländern ist die touristische Infrastruktur lahmgelegt. In Mallorca rechnet man beispielsweise erst im August wieder mit Urlaubern. Die USA haben den Einreisestopp auf unbestimmte Zeit verlängert. Was bedeutet das nun für Reisen, die bereits gebucht sind?

Pauschalreisen:

Sofern der Veranstalter die Reise absagt, steht den Kunden die Erstattung des Reisepreises innerhalb von 14 Tagen zu. Viele Reiseveranstalter geraten dabei aber in finanzielle Schwierigkeiten. Deshalb bieten sie stattdessen Gutscheine an, mitunter sogar mit Rabatt. Tui lockt Kunden mit bis zu 150 Euro „Reiseguthaben“ extra, wenn diese sich für eine Gutschrift entscheiden – und einen Frühbucherrabatt obendrauf.

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DER Touristik lässt Kunden die freie Wahl. Wer sich für den Gutschein entscheidet, erhält einen Bonus von 50 Euro. FTI aus München legt 200 Euro für Extra-Leistungen am Reiseziel drauf, wenn Kunden ihre stornierten Urlaube auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen. Aida Cruises bietet einen Bonus von zehn Prozent für Gäste, die einen Gutschein akzeptieren. Einlösbar sind sie bis Ende 2021. Wer diese bis dahin nicht nutzt, bekommt sein Geld zurück – vorausgesetzt, das Unternehmen überlebt die Krise. „Es kann keiner sagen, ob es den Veranstalter dann noch gibt“, sagt Juristin Sabine Fischer-Volk.

Anders sieht es aus, wenn die Reise erst später im Jahr stattfinden soll. Wer jetzt von sich aus storniert, könnte auf Stornogebühren sitzen bleiben, falls die gebuchte Reise dann doch stattfindet. Im Zweifel steht das aber erst kurzfristig fest. Nur wer aus Angst vor der Pandemie gar nicht mehr verreisen möchte, sollte mit der Stornierung nicht lange warten. Denn sonst erhöhen sich die Stornogebühren. Ein kostenloser Rücktritt ist nur möglich, falls zum Reisezeitpunkt keine unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände mehr vorliegen.

Flüge:

Auch hier steht Kunden eigentlich die Erstattung des Ticketpreises zu. Die Bundesregierung pocht nun aber bei der EU-Kommission darauf, dass auch für Flugtickets Gutscheine möglich werden. Die EU will den Kunden dagegen das Wahlrecht gewähren. Die Lufthansa bietet weiterhin Erstattungen an, bittet aber um Geduld. Auch bei anderen Fluggesellschaften verzögern sich die Auszahlungen – oder werden verweigert. Stattdessen bieten sie außergewöhnlich kulante Umbuchungsmöglichkeiten. Oft lassen sich Flüge ohne Mehrkosten flexibel in die Zukunft verschieben. Teils lässt sich sogar das Reiseziel ändern.

Ferienwohnungen:

Wer eine Ferienunterkunft bucht, schließt einen Beherbergungsvertrag ab, der ohne besondere Gründe nicht einfach gekündigt werden kann. Anders sieht es aus, wenn die touristische Vermietung, wie derzeit, behördlich komplett untersagt ist oder die Gefährdungslage durch Corona vom RKI als hoch eingestuft wird. „In diesem Fall kann der Gast aus unserer Sicht kostenfrei stornieren“, teilt der Deutsche Ferienhausverband mit. 

Das gilt aber immer nur für die Zeit der behördlichen Einschränkungen. „Wenn ein Gast eine Buchung für einen späteren Reisezeitpunkt stornieren möchte, für den noch keine Beschränkung vorliegt, kann er zu den regulären Stornobedingungen zurücktreten.“ Sprich: Es fallen Stornogebühren an.

Die Verschiebung eines Aufenthalts sei eine Kulanzentscheidung des Gastgebers, so der Verband. „Aufgrund der Ausnahmesituation zeigen sich viele Gastgeber kulant und bieten an, auf einen späteren Zeitpunkt kostenlos umzubuchen.“

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Eine Reiserücktrittkostenversicherung tritt übrigens generell nicht ein, wenn es Krisen im Reiseland gibt – also etwa bei einem Ausnahmezustand oder „Lockdown“. Stornogelder werden erst erstattet, wenn der Versicherte selbst krank wird oder etwa durch den Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit verhindert ist und nicht wie geplant reisen kann. Durch Corona gilt dies aber teils nicht mehr. (mit dpa)

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