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Radeberg

"Kann meine Katze Corona übertragen?"

Der Chef des Radeberger Tierschutzvereins muss in diesen Tagen viele Fragen beantworten. Bei Betreibern von Hundepensionen herrscht dagegen Flaute.

Matthias Kuri mit Kater Garfield auf dem Arm. Der Vorsitzende des Tierschutzvereines Radeberg erhält jetzt öfter besorgte Anrufe.
Matthias Kuri mit Kater Garfield auf dem Arm. Der Vorsitzende des Tierschutzvereines Radeberg erhält jetzt öfter besorgte Anrufe. © Archivfoto: Kristin Richter

Radeberg.Quarantäne, Homeoffice, keine Besuche von Verwandten und Freunden: Corona bringt zahlreiche Einschränkungen mit sich. Für Haustiere dagegen hat die Pandemie offenbar eher positive Seiten. So werden Katzen anscheinend seltener ausgesetzt. Das bemerken zumindest Matthias Kuri, Vorsitzender des Tierschutzvereins Radeberg, und seine Mitarbeiter. Sie registrieren einen leichten Rückgang bei den abgegebenen und den herrenlos aufgefundenen Tieren. „Wir bemerken, dass jetzt weniger Katzen zu uns gebracht werden. Ob wirklich die Corona-Pandemie die Ursache ist, kann ich nicht sagen. Zu vermuten ist das“, sagt er.

In den Räumen ist es deshalb momentan ruhiger als sonst. "Wir haben auch selbst zu Beginn der Corona-Pandemie die Belegung etwas heruntergefahren, um eventuelle Notfälle aufnehmen zu können. Niemand wusste ja, wie sich das entwickelt. Außerdem ist der Arbeitsaufwand so geringer, und wir können trotz Corona die Tiere gut versorgen." Die Fütterung wird von den freiwilligen Helfern des Vereins übernommen. "Wir achten darauf, dass das immer nur ein Vereinsmitglied übernimmt und die Kontakte unter den Helfern auf ein Minimum reduziert bleiben." Im Haus wird noch strenger auf Desinfektion geachtet als sonst. 

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Mit der Betreuung der Katzen hat der Verein derzeit nicht ganz so viel zu tun, dafür gibt es etliche Anrufe besorgter Katzenhalter. "Eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme, ist die, ob Katzen den Corona-Virus übertragen können. Ob sie sich den Virus  irgendwo holen und sich dann der Mensch ansteckt. Ich kann aber immer beruhigen. Das ist  nach meinem Wissensstand nicht der Fall", sagt Kuri. Zur Sicherheit  auch vor anderen Viren oder Bakterien sollten aber immer die üblichen Hygieneregeln im Umgang mit Haustieren eingehalten werden. Insbesondere dann, wenn immungeschwächte Personen im Haushalt wohnen.

Das bestätigt auch der Wachauer Tierarzt Steffen Jakob. "Viele Katzen tragen zwar Coronaviren in sich. Allerdings sind das nach bisheriger Erkenntnis andere Arten als der Sars-Cov-2. Dieser Virus, der jetzt zur Pandemie geführt hat, wird nicht von Katzen übertragen, er kann also nicht auf den Halter überspringen. Das gilt auch für andere Haustiere wie Hunde." 

Er selbst bemerkt in seiner Praxis in Radeberg zurzeit eine Veränderung. "Es kommen mehr Halter mit ihren Tieren zu mir. Das ist jetzt nicht gravierend, aber deutlich zu verspüren." Am Ostersonntag sei das zum Beispiel der Fall gewesen. "Normalerweise ist an solchen Feiertagen die Resonanz eher verhalten." Er vermutet, dass die Menschen jetzt mehr Zeit haben und dann mit ihren Lieblingen in die Praxis kommen. "Mitunter werden auch nur Impfungen nachgeholt."

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Eine ganz andere Erfahrung haben Betreiber von Tierpensionen gemacht.  Bei ihnen  herrscht offenbar Flaute. "Bei uns ist die Betreuung von Hunden total eingebrochen. Die Menschen fahren derzeit nicht in den Urlaub, sind vielleicht sogar zu Hause, deswegen geben sie ihre Tiere nicht bei uns ab", sagt Jens Barth von der gleichnamigen Hundepension in Weixdorf. Er ist in der glücklichen Lage, noch eine andere Arbeitsstelle zu haben. So kann er die Zeit ohne Einnahmen aus der Hundepension überbrücken.  

Er hofft, dass schnell wieder das normale  Leben einzieht und die Menschen in den Urlaub fahren können. Wer dennoch sein Tier eine Zeit lang betreuen lassen möchte, kann Jens Barth anrufen. "Nach Terminabsprache ist das natürlich möglich." Einer weiteren Hundepension im Rödertal geht es ähnlich. "Zur Zeit kommt keiner. Das habe ich noch nie erlebt", sagt die Mitarbeiterin, die nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte. 

Wer jetzt viel zu Hause ist und gern einen vierbeinigen Bewohner um sich hätte, muss sich gedulden. Zumindest, wenn er sich ein Kätzchen im Radeberger Tierheim aussuchen möchte. "Wir geben Jungtiere erst ab einem Alter von zwölf Wochen ab. Die meisten werden erst in diesen Tagen geboren. Damit können sie frühestens im Juli bei uns abgeholt werden", sagt Matthias Kuri. Auch wenn momentan eher wenige Katzen im Tierheim Radeberg zu finden sind, will sich der Verein erweitern. "Wir hatten uns im vergangenen Jahr ja um die Übernahme des alten Stadtwirtschaftshofes beworben, das hat leider nicht geklappt. Vielleicht gibt es hier am Standort eine Lösung", sagt er. 

Bekanntlich ist das Haus ursprünglich als Einfamilienhaus gebaut worden und die Unterbringung der Tiere wegen der Raumaufteilung nicht optimal. Sie sind auf drei Etagen verteilt. Ideal wäre eine ebenerdige Unterbringung. Für die Helfer gibt es keine Möglichkeit, Straßenbekleidung und Arbeitsbekleidung zu wechseln. Auch das Außengehege am Tierheim müsste erneuert werden. "Wir sind weiterhin mit der Stadt im Gespräch." Im Verein sind mehr als 40 Frauen und Männer organisiert, aktive Helfer sind es etwa 20. "Gerne können weitere dazukommen."

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