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Kann Meißen sich das leisten?

Stadtrat Ingolf Brumm hatte eine Gartenschau ins Gespräch gebracht. Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Dieses Archivbild, das vor anderthalb Jahren entstand, zeigt den früheren Kohlelagerplatz im Triebischtal. Im Zuge der Vorbereitung auf eine Gartenschau soll diese Fläche soll völlig neu gestaltet werden.
Dieses Archivbild, das vor anderthalb Jahren entstand, zeigt den früheren Kohlelagerplatz im Triebischtal. Im Zuge der Vorbereitung auf eine Gartenschau soll diese Fläche soll völlig neu gestaltet werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Von einem Meilenstein auf dem Weg zur 2029 anstehenden 1.100-Jahrfeier Meißens hatte Ingolf Brumm gesprochen – und vorgeschlagen, hier eine Gartenschau zu veranstalten, wie es noch keine vor ihr gab. Der Bauunternehmer und Stadtrat der Linken hatte damit auf eine Studie reagiert. Darin hatten Architekten und Landschaftsplaner der Dresdner Kommunalentwicklung Mittelsachsen GmbH (KEM) untersucht, ob Meißen eine Landesgartenschau ausrichten kann. Das 28 Seiten umfassende Papier rät der Stadt davon ab. Meißen verfüge nicht über die notwendigen Flächen sowie die notwendige Infrastruktur, heißt es zur Begründung.

Finanzielle Risiken

„Wir reden hier über Kosten in Höhe von 22 Millionen Euro“, nennt Martin Bahrmann ein Argument, warum er den Vorschlag seines Stadtratskollegen ablehnt. Nur einen Teil dieser Summe kann die Stadt aus Fördertöpfen ersetzt bekommen. Mindestens fünf Millionen Euro müsse Meißen selbst aufbringen. Es können aber auch zehn Millionen Euro sein, je nachdem, wie das Konzept genau aussieht, welche Fördermittel fließen und wie sich die Einnahmen von den Besuchern entwickeln.

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„Wo soll dieses Geld herkommen“, fragt der Chef der CDU/FB/FDP/U.L.M.-Großfraktion auch mit Blick auf die angespannte finanzielle Situation der Kommunen, die sich infolge der Corona-Krise wohl weiter zuspitzt. "Hochtrabende Blütenträume mit tollen Versprechungen sind schön, aber wir haben schon Probleme, die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Eine Landesgartenschau ist eine freiwillige Aufgabe, die große Summen benötigt, die dann zum Beispiel unseren Vereinen in der Stadt fehlt", erklärt Martin Bahrmann.

Bei der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort in Nordrhein-Westfalen zeigt sich aktuell, wie so ein Projekt aussehen kann.
Bei der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort in Nordrhein-Westfalen zeigt sich aktuell, wie so ein Projekt aussehen kann. © dpa/Symbolbfoto

Er warnt vor finanziellen Risiken: Aus der Erfahrung von Kommunen, die in den vergangenen Jahren eine Landesgartenschau präsentiert hatten, ist bekannt, dass eine solche Schau mindestens 500.000 zahlende Besucher braucht, damit am Ende keine roten Zahlen in den Schlussrechnungen stehen. Wegen fehlender Parkplätze, zu geringer Übernachtungsmöglichkeiten und schlechter Infrastruktur sei dieses Ziel in Meißen wohl kaum zu erreichen. Schlechtes Wetter oder ein Hochwasser während des halben Jahres einer Gartenschau seien weitere Risikofaktoren. Und: Nach dem Ende einer solchen Schau muss die Stadt sich um die Pflege und weitere Bewirtschaftung der gestalteten Areale kümmern und bezahlen.

Außerdem verweist Martin Bahrmann darauf: „An die Vergabe von Landesgartenschauen sind harte Kriterien und Voraussetzungen gebunden. Erfüllt man diese nicht, fällt man aus dem Raster, egal wie schön die Idee ist.“ Für die Stadtentwicklung in Meißen hält er eine Gartenschau für nicht geeignet. Stattdessen sollte kleinteilig untersucht werden, welche Fördermittel für welches Vorhaben in den einzelnen Gebieten der Stadt mobilisiert werden können.

"Weiter prüfen"

Als „eine absolute Chance für Meißen“ hingegen sieht Ute Czeschka im Bemühen um eine Landesgartenschau. In der Studie steht doch auch, wo weiter geprüft werden muss, sagt die Stadträtin der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion. Die Idee einer Gartenschau sollte auf keinen Fall ad acta gelegt werden. Stattdessen mahnt sie mehr Weitblick an: Geprüft werden sollte, wann ein Termin für eine Landesgartenschau realisierbar ist und welche Bewerbungsfristen gelten. Daraus ließen sich Fristen für die Planungen in einzelnen Etappen ableiten. So könnten auch die Kosten über mehrere Jahre verteilt geplant und Förderquellen erschlossen werden.

Die Stadträte hätten von der Studie erst erfahren, als die KEM-Fachleute bereits in der Stadt unterwegs waren, kritisiert sie das Prozedere. Stattdessen hätte sie sich eine umfassende Diskussion über den Arbeitsauftrag einer solchen Studie und danach über die Vergabe des Prüfauftrages gewünscht. 

Ute Czeschka unterstützt den Ansatz von Ingolf Brumm, die Landesgartenschau als Schau der Gärten zu präsentieren und die in Meißen infrage kommenden Flächen „mit einem anderen Blick“ zu untersuchen und zu entwickeln. Die einmalige Natur, die historische Altstadt, die Weinkulturlandschaft, aber auch die Klosterruine – das sind riesige Potenziale, die Meißen in ein solches Vorhaben einbringen kann, ist Ute Czeschka überzeugt. Die Vorbereitungen auf eine solche Schau können zum Wohlfühl-Klima in Meißen beitragen, das ist ein wichtiges stadtweites Thema.

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Die Vorbereitung auf eine Landesgartenschau böte auch die Möglichkeit, Parks und Grünanlagen in der Stadt kritisch unter die Lupe zu nehmen und gezielt weiter zu entwickeln. Dabei ließe sich auf Ideen zurückgreifen, die bereits bei der Planung für eine künftige Gestaltung des ehemaligen Kohlelagerplatzes zusammengetragen wurden. Insofern könnte sich eine Gartenschau für die Stadt und ihre Bürger viel nachhaltiger auswirken als eine einmalige Großveranstaltungen wie ein Tag der Sachsen. Eine Gartenschau und die Chancen, die sich für die Stadt aus ihrer Vorbereitung und Präsentation ergeben, sind es wert, weiter debattiert zu werden.

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