merken
PLUS

Kann Nabelschnurblut bei Leukämie helfen?

Immer wieder wird werdenden Eltern empfohlen, es bei der Geburt einzufrieren. Die Expertin einer Stammzellbank erklärt, in welchen Fällen das die Lösung ist.

Eine Nabelschnur wird für die Arbeit mit Stammzellen vorbereitet. Das spielt vor allem fürdie regenerative Medizin eine Rolle.
Eine Nabelschnur wird für die Arbeit mit Stammzellen vorbereitet. Das spielt vor allem fürdie regenerative Medizin eine Rolle. © Archiv: dpa/Peter Endig

Auch die Eltern des an Leukämie erkrankten Ben Tasche haben vor der Geburt ihres Sohnes schon von der Möglichkeit gehört, das Nabelschnurblut für ihren Jungen konservieren zu lassen. Dazu entschieden haben sie sich aber nicht. Haben sie da eine Chance verpasst? "Nein, nicht unbedingt", betont Dr. Marion Bartel. Die Naturwissenschaftlerin ist seit 16 Jahren Beraterin der privaten Stammzellbank Vita 34 mit Sitz in Leipzig. Sie weiß aus vielen Statistiken, dass bei Leukämieerkrankungen bei Kindern in 90 Prozent aller Fälle auf fremde Stammzellen zurückgegriffen wird - und das aus einem plausiblen Grund: "Bei fremden Stammzellen profitiert man von einem Effekt, der sonst bei anderen Transplantationen nicht erwünscht ist", erklärt sie: "Die Stammzellen des Spenders erkennen in den kranken, eigenen Zellen, die nach einer Chemotherapie noch vorhanden sind, etwas Fremdes, das es zu bekämpfen gilt." Auf diese Weise reinigt sich der Körper gewissermaßen selbst von den Leukämiezellen und nutzt dafür das Wissen, das in den Zellen des gesunden Spenders gespeichert ist.

Dass solche fremden Stammzellen freilich auch aus Nabelschnurblut kommen können - aber eben nicht aus dem eigenen - steht dabei meist nicht im öffentlichen Fokus. "Es gibt auch Fälle, wo Eltern mit erkrankten Kindern das Nabelschnurblut der Geschwister nutzen können", erklärt die Naturwissenschaftlerin. Denn Geschwister haben mit 25 Prozent eine höhere Wahrscheinlichkeit als die Eltern selbst, als Spender in Frage zu kommen. Aber auch Nabelschnurblut von passenden fremden Spendern könne als Spende sinnvoll sein, stellt Marion Bartel klar. "Die Stammzellen im Nabelschnurblut sind jünger als die aus dem Knochenmark und damit flexibler", sagt sie.

Anzeige
Starte deine spannende Ausbildung
Starte deine spannende Ausbildung

Du interessierst Dich für Elektrotechnik? Dann werde Azubi bei EAB Elektroanlagenbau in Neugersdorf!

Weiterführende Artikel

1.550 Menschen zeigen Herz für kranken Ben

1.550 Menschen zeigen Herz für kranken Ben

Die Spendenbereitschaft für den Jungen aus Bernstadt ist hoch. Das DRK bedankt sich, die Stadt hält eine Überraschung parat.

Schlange stehen für Bernstadts kranken Ben

Schlange stehen für Bernstadts kranken Ben

Im Bernstädter Stadthaus haben sich Hunderte als Stammzellenspender typisieren lassen. Derweil gibt es neue Nachrichten aus dem Krankenhaus.

Feuerwehren zeigen Herz für kleinen Kameraden

Feuerwehren zeigen Herz für kleinen Kameraden

Der Kreisfeuerwehrverband unterstützt die Spenden- und Typisierungsaktion für den krebskranken Jungen aus Bernstadt auf besondere Weise.

Ob Ben eine solche Stammzellentransplantation braucht, hängt davon ab, wie gut sein Körper die derzeitige Chemotherapie annimmt. "Es muss nicht sein, dass Leukämiepatienten eine Stammzellenspende brauchen", erklärt Frau Bartel. "Nötig ist das nur, wenn die zunächst angesetzten Therapien nicht ausreichen und man eine Hochdosis-Chemotherapie benötigt", sagt sie. Bei dieser sehr aggressiven Variante werden alle schnell wachsenden Zellen - von Krebszellen über Haarfolikelzellen bis zu Darmzellen - zerstört. Anders als das dann ebenfalls angegriffene Knochenmark, regenerieren sich diese Zellen wieder. Das Knochenmark aber braucht Unterstützung durch gespendete, frische Zellen, erklärt die Expertin. Dann suchen die Ärzte vorab in den einschlägigen Datenbanken. Auch Nabelschnurblutspenden sind zum Teil öffentlich einsehbar. "Wir bieten bei Vita 34 den Eltern auch die Möglichkeit an, Nabelschnurblut komplett oder zum Teil zu spenden", sagt Marion Bartel von der privaten Stammzellbank Vita 34. Generell setzt man Stammzellen aus Nabelschnurblut vorrangig in der regenerativen Medizin ein - oder bei anderen Krebserkrankungen.