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Kapitaler Fang

Seit 20 Jahren wachsen Fische in der Lachs- und Forellenzucht Ermisch auf. Einige Exemplare schaffen es in die Sterne-Küche.

© Marko Förster

Von Katarina Lange

Normalerweise kennt man Gunther Ermisch leger in Arbeitshose und Basecap. Praktisch muss es sein, wenn er hinaus zu den 44 Teichen geht, die die Forellen- und Lachszucht Ermisch in Langburkersdorf bewirtschaftet. Das einfache Outfit tauschte der Fischwirtschaftsmeister jetzt gegen feinen Zwirn. Denn es gibt etwas zu feiern: das 20. Jubiläum des Familienunternehmens. Das hat sich zu einem wahren Fischimperium entwickelt.

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Die Erfolgsgeschichte begann 1994 mit Senior Hans Ermisch. Er lernte erst bei der Binnenfischerei, machte dann den Meister und den Ingenieur und betreute unter anderem die Teiche im Großen Garten in Dresden. Dann übernahm er den Betrieb in Langburkersdorf. Einfach war die erste Zeit nicht. Hans Ermisch erinnert sich jedoch gern. Zum Beispiel daran, als ihm die Fische aus dem Bassin geklaut wurden. Und der Fischexperte vorher im Wohnwagen eingesperrt wurde. Eine Geschichte, über die Hans Ermisch heute lachen kann.

1995 stieg Sohn Gunther ins Geschäft ein. Vor drei Jahren hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen. „Um mich auf das Jubiläum vorzubereiten, habe ich das erste Kassenbuch herausgesucht“, erzählt Gunther Ermisch. Ein Tagebuch seiner Mutter Christine war auch dabei. Sie kümmerte sich jahrelang um Büro und Laden, gab dafür sogar ihren festen Job als Augenoptikerin auf. Als Gunther Ermisch das Tagebuch durchgeblättert hat, seien ihm kurz die Tränen gekommen.

Auch alte Fotos hat er hervorgekramt. Auf einem Bild sind die Eltern bei der Eröffnung am 1. April 1994 zu sehen. Arm in Arm stehen sie auf dem Hof. Dann folgen Baubilder. 1996 wurde das alte Bürohaus abgerissen und ein neues Sozial- und Wirtschaftsgebäude errichtet. Auch eine Räucherei und ein Hofladen kamen hinzu. Aus dem anfangs Zwei-Mann-Betrieb ist heute ein Unternehmen mit sieben Mitarbeitern geworden. Doch wer denkt, die Fischer stehen den ganzen Tag am Teich, der irrt. Denn es gehört eine Menge Papierkram zum Geschäft. Die Dokumentation nehme eine Menge Zeit in Anspruch, sagt Gunther Ermisch. Doch so sei das eben. Und die Arbeit habe auch viele schöne Seiten. Die Fische, die bei Ermischs schwimmen, kommen heute bei vielen Gastronomen auf den Tisch. Sachsenweit beliefern die Langburkersdorfer etwa 80 Hotels und Restaurants. Viele davon in Dresden, darunter auch das Gourmetrestaurant Caroussel im Dresdner Fünf-Sterne-Hotel Bülow Palais an der Königstraße. „Wir sind glücklich, die gehobene Gastronomie beliefern zu können“, sagt der Juniorchef.

Was Gunther Ermisch jedoch ab und an Sorgen bereitet, ist das Wetter. Davon sei der Erfolg des Familienbetriebes abhängig. Schon mehrfach haben Starkregen die Teiche überflutet. „Wir haben vier Jahrhunderthochwasser hinter uns“, zählt Ermisch auf. Doch zu viel Wasser sei nicht die einzige Gefahr. Auch extreme Trockenheit hat ihre Tücken. „Wie zum Beispiel in diesem Winter, in dem kaum Schnee fiel“, sagt der Fischexperte. Seine Kollegen in der Lausitz hätten dadurch kein Wasser. Ermisch selbst hat deshalb zwei Tiefbrunnen gebaut und ist damit vorgesorgt.

Dass Gunther Ermisch nicht nur Fische züchten kann, sondern auch mit ihnen kochen, will er am 14. Juni zeigen. Dann soll das 20. Firmenjubiläum mit einem Hoffest gefeiert werden. Tagsüber können sich Besucher den Betrieb bei Rundgängen ansehen. Abends soll ein Gourmetabend folgen. Dazu hat Gunther Ermisch keinen Geringeren als Sternekoch André Tienelt eingeladen. Die beiden haben schon einmal zusammen gekocht. Für einen Abend in der Gärtnerei Gruschwitz in Langburkersdorf. Damals forderte Ermisch den Sternekoch heraus – zu einem Fischsuppe-Wettkochen. Diese Wette soll nun am 14. Juni ausgetragen werden. Karten dafür sind erhältlich unter 03596 603136.