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„Kaputte Grasnarbe zeugt von enormem Interesse“

Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler) versteht nicht, warum der Deich vor Kötzschenbroda nicht betreten werden soll, und protestiert dagegen.

Sorge um den Sommerdeich Kötzschenbroda. Einzig zum Weinfest durfte der Deich für einen Abend betreten werden. Dafür waren Planen zum Schutz über das Gras gelegt.
Sorge um den Sommerdeich Kötzschenbroda. Einzig zum Weinfest durfte der Deich für einen Abend betreten werden. Dafür waren Planen zum Schutz über das Gras gelegt. © Norbert Millauer

Im Radebeuler Amtsblatt hat es gestanden. Die SZ hat es ausführlich erklärt, warum der Deich vor Altkötzschenbroda schon wieder für rund 17.000 Euro saniert werden muss. Spaziergänger, die auf der oberen Deichkante gehen, haben die Grasnarbe niedergetrampelt. Genau dieses Gras ist aber notwendig, damit bei Flut der Wall nicht aufgebrochen wird.

Die Absperrzäune stehen noch. Gärtner haben Erde aufgetragen und Gras neu ausgesät und angegossen. Doch Stadtrat Hans Kraske (Freie Wähler) versteht das Verbot des Betretens nicht. Er schreibt: „Es geht um die Sanierung des Deiches vor Altkötzschenbroda und die damit verbundene Durchsetzung der Sperrung für die Fußgänger. Ich bin der Ansicht, dass das auch anders gehen kann und muss, weil der Deich in dem Bereich ein ganz besonderes Highlight für Radebeuler und Gäste ist. Die kaputte Grasnarbe zeugt von dem enormen Interesse der Menschen, von dort oben die großartige Landschaft zur Elbe und die Stadt zu erleben.“ Ein Sperren der Deiche und der Versuch, das mit Bußgeldern durchsetzen zu wollen, bedeute gegen die Menschen zu arbeiten, für die das Bauwerk eigentlich sein soll.

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„Ich denke auch, es kann den Bürgern kaum verständlich gemacht werden, dass sie den Deich zwar während des Herbst- und Weinfestes, aber nicht danach betreten dürfen“, setzt der Stadtrat noch hinzu.

Die SZ hat nochmals bei der für den Deich zuständigen Landestalsperrenverwaltung nachgefragt, ob es nicht eine andere Lösung geben könnte, als das Verbieten, dort zu spazieren.

Viola Mojssetschuk, Betriebsleiterin in der für die Deiche zuständigen Landestalsperrenverwaltung Oberes Elbtal, hat bereits im Radebeuler Amtsblatt ausführlich begründet, warum der Deich und die Grasnarbe geschützt werden müssen. Das Gras hat eine äußerst wichtige technische Funktion. Das Gras legt sich bei anströmendem Wasser auf den Stützkörper des Deiches und schützt ihn so vor der zerstörenden Kraft des Wassers, schreibt die Fachfrau. Wollte man dauerhaft einen Deichweg auf der Krone anlegen, müsste der Deich verbreitert werden, um bei Flut keinen Schaden zu nehmen.

Auf dem Deich wird schon wieder gelaufen. Obwohl Schilder deutlich darauf hinweisen, warum das nicht sein soll.
Auf dem Deich wird schon wieder gelaufen. Obwohl Schilder deutlich darauf hinweisen, warum das nicht sein soll. © Norbert Millauer

Der Radebeuler Deich, vor rund 300 Jahren angelegt, entspricht nicht heutigen DIN-Normen. Für einen Weg müsste die Tragschicht neu aufgetragen und diese darauf befestigt werden. 30 Zentimeter höher wäre dann der Wall. Das wäre aber nur machbar, wenn der Deich deutlich verbreitert würde.

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Viola Mojssetschuk: „Dafür sind aber die heutigen Bedingungen nicht vorhanden. Gegen das Verbreitern Richtung Elbe richtet sich der Naturschutz. Auf landwärtiger Seite müsste der Verteidigungsweg verlegt, den Gartenbesitzern Land abgekauft und der Radweg ebenfalls verlegt werden.“ Dies sei ein enormer und auch teurer Aufwand, der in keinem Verhältnis stehe zum Gebot, den Deich auf der Krone eben nicht zu betreten. Zumal sich der letzte Landankauf sehr schwierig gestaltete und über Jahre hinzog.Als Kompromiss solle der Verteidigungsweg jetzt komplett für Spaziergänger freigegeben werden. Und wer auf die Elbe schauen möchte, müsse eben am Ufer entlanglaufen.

Dennoch: Die ersten Deichgänger gibt es schon wieder. Große Schilder weisen darauf hin, warum dort nicht gegangen werden soll. Die Spazierer scheinen allerdings blind dafür zu sein.

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